Die Geigerin Viviane Hagner im Konzerthaus Berlin (Quelle: Konzerthaus Berlin)
Konzerthaus Berlin
Audio: Inforadio | 08.05.2020 | Hans Ackermann | Bild: Konzerthaus Berlin

Konzert-Stream-Kritik | Online-Bach-Zyklus im Konzerthaus - Polyphoner Zauber im Hochglanz-Video

"Meilensteine der Geigenliteratur" - sechs Sonaten und Partiten für Solovioline von Johann Sebastian Bach feiern immer donnerstags "Online-Premiere" als Musik-Videos. Der gelungene Auftakt der Reihe durch Viviane Hagner bringt Hans Ackermann zum Schwärmen.

Auf der Violine "mehrstimmig wie auf einer Orgel" spielen – diese Herausforderung, sagt Viviane Hagner, gelte es in Bachs Solowerken auf der Geige zu meistern. Besonders bei der Fuge, die im großen Saal des Konzerthauses ihren polyphonen Zauber entfaltet – auch weil hier eine der besten deutschen Geigerinnen am Werk ist.

Im goldbestickten Kleid steht Viviane Hagner mit ihrer ebenso schönen wie schlichten Stradivari ganz allein im großen, leergeräumten Saal des Konzerthauses. Die riesigen Kronleuchter sind fast bis auf den Boden heruntergelassen, umrahmen malerisch die Musikerin und unterstreichen mit ihrem Gold- und Silberschimmer die edle Anmutung dieses Konzerts.

Hochkonzentriertes Spiel, professionelles Video

Die lieblichen, zu Beginn dunklen Töne der "Siciliana", dem dritten Satz dieser um 1715 komponierten Bach-Sonate in g-Moll, gelingen Viviane Hagner besonders gut. Die gebürtige Münchnerin ist Professorin für Violine in Mannheim, hat davor viele Jahre an der Berliner Universität der Künste unterrichtet. Hagners hochkonzentriertes Spiel wurde für das im April eigens produzierte Video von gleich drei Kameras aufgenommen, zum Teil hautnah an der Künstlerin.

Die Einstellungen des sanft geschnittenen Films wechseln von der Totalen des prachtvollen Saals bis hin zu faszinierenden Nahaufnahmen am Griffbrett oder am Steg der Geige, wo mit dem Bogen allerschönsten Töne erzeugt werden.

Hochglanz-Konzert mit beeindruckenden Bildern

Nach den vielen Wohnzimmerkonzerten der letzten Wochen, bei denen oft nur ein einfaches Smartphone als Kamera und Mikrofon gleichzeitig dient, besteht bei diesem Hochglanz-Konzert fast die Gefahr, dass die perfekt gefilmten und komponierten Bildern vom Zuhören ablenken.

Aber auch der Ton ist hervorragend aufgenommen in einem Musikvideo allererster Güte, das nach etwas mehr als 15 Minuten zu Ende ist. Doch wird der Film immer und immer wieder angeschaut werden, dafür hat man mit den beeindruckenden Bildern des gelungenen Auftakts dieser Reihe gesorgt.

Fünf weitere Spitzengeigerinnen folgen

Erfreulicherweise ist das Video aus dem Berliner Konzerthaus auf der Internetseite des Hauses [konzerthaus.de] weiterhin zu sehen. Nach dem Auftakt mit Viviane Hagner werden jeweils donnerstags fünf weitere Filme mit jeweils unterschiedlichen Geigerinnen dazu kommen. Am nächsten Donnerstag feiert Johann Sebastian Bachs Solo-Partita Nr.1 in h-Moll Online-Premiere. Dann spielt mit Sayako Kusaka eine der beiden Ersten Konzertmeisterinnen des Konzerthausorchesters. An den folgenden Donnerstagen sind mit Carolin Widmann, Veronika Eberle, Midori Seiler und zum Abschluss Suyoen Kim weitere Spitzengeigerinnen zu erleben.

Sendung: Inforadio, 08.05.2020, 08:00 Uhr

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