Das Armida Quartett Berlin (Bild: Felix Broede)
Audio: Inforadio | 08.06.2020 | Hans Ackermann | Bild: Felix Broede

Streamkritik | Beethoven-Quintett im Theater im Delphi - Orchestrale Freudenklänge von fünf Streichern

Beethovens Streichquintett op. 29 hat am Sonntagabend eine Stream-Reihe des Armida-Quartetts im Weißenseer Theater im Delphi beendet. Zusammen mit Bratschistin Tabea Zimmermann als Gast gelingt hervorragend gespielte Kammermusik. Von Hans Ackermann

Zwei Geigen, eine Bratsche, ein Cello - so setzt sich ein Streichquartett zusammen. Nimmt man, wie Ludwig van Beethoven im Jahr 1801, eine zweite Bratsche hinzu, wird daraus ein Streichquintett. Musikalisch geben die zusätzlichen dunklen Bratschentöne der mittleren Lage zwischen den Violinen und dem Cello mehr Gewicht. Besonders, wenn Tabea Zimmermann dabei ist: Sie ist an diesem Sonntagabend zu Gast beim Stream-Konzert des Armida-Quartetts im Berliner Theater im Delphi. Die Themen im ersten Satz von Beethovens Streichquintett op. 29 nimmt sie mit ihrer kostbaren Bratsche auf.

Als ob sie schon immer zusammengehörten

Die 1966 geborene Professorin an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler hat für ihr Lebenswerk gerade erst den Ernst-von-Siemens-Musikpreis bekommen. Den Preis haben vor ihr Musiker wie Leonard Bernstein und Claudio Abbado, Alfred Brendel oder Anne-Sophie Mutter gewinnen können - er ist die höchste Auszeichnung, die es in der klassischen Musik gibt.

Den langsamen zweiten Satz aus Beethovens Quintett spielt Zimmermann mit den vier jungen Musikerinnen und Musikern ganz so, als wenn man schon immer zusammengehört hätte. Beethovens Noten folgend, wandern die musikalischen Themen durch die Stimmen, von den Geigen hinüber zum Cello, von dort zu den Bratschen und wieder zurück zu den Violinen.

Wie ein großes Orchester

Drei Kameras verfolgen - teils mit schönen Nahaufnahmen der Musiker - diese musikalischen Verläufe, aus der Hinterbühnen-Perspektive sieht man das Ensemble aber auch immer mal wieder im malerischen Gegenlicht der Bühnenscheinwerfer - ein schlichter wie schöner Effekt, der die Stimmung der Musik betont.

Das Spiel des Quintetts ist derart kraftvoll, dass eine Zuschauerin im Kommentar am Bildschirmrand nur bewundernd feststellen kann: "Klingt wie ein großes Orchester. Wunderbar!" Die tatsächlich enorme Klangqualität wird dann im virtuosen vierten Satz noch einmal mit orchestralen Freudenklängen bekräftigt.

In perfekt ausbalancierten Einzelstimmen findet das Armida-Quartett mit Tabea Zimmermann an diesem letzten Abend der Stream-Konzert-Reihe "Beethoven On!" als Quintett wunderbar zusammen und präsentiert im Theater im Delphi hervorragend gespielte Kammermusik aus der Lebensmitte des Komponisten - wie geschaffen, um in besonderen Zeiten und in besonderen Räumen mit Hingabe aufgeführt zu werden.

Sendung: Inforadio, 08.06.2020, 7 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Corvus Corax bei ihrem Konzert auf einem Bauernhof in Alt-Lübars in Berlin. Quelle: Hendrik Schröder
Hendrik Schröder

Konzertkritik | Corvus Corax - Zurück ins Mittelalter

Konzerte zu machen ist schwer in Corona-Zeiten. Auf einem Bauernhof in Alt-Lübars hat man nun einen guten Weg gefunden, wieder Musik zu veranstalten. Am Wochenende spielte die Mittelalterband Corvus Corax. Von Hendrik Schröder