Schutz vor Verdrängung - Rot-Rot-Grün will Berliner Clubs als Kulturstätten anerkennen

Sa 13.06.20 | 18:15 Uhr
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Menschen feiern auf dem RAW-Gelände in Berlin im Club Cassiopeia. (Quelle: dpa/Sophia Kembowski)
Bild: dpa/Sophia Kembowski

Berliner Clubs sollen nach dem Willen der Regierungskoalition der Hauptstadt besser vor Verdrängung geschützt werden. Dafür sollen sie als Kulturstätten anerkannt werden, wie aus einem Antrag der Fraktionen von SPD, Linke und Grünen im Abgeordnetenhaus der Hauptstadt hervorgeht.

Schützenswert seien Clubs, die "einen regelmäßigen Spielbetrieb und ein anerkanntes künstlerisches Profil aufweisen, das durch kuratiertes Programm, musikästhetischen Anspruch und ein raumgestalterisches Konzept gekennzeichnet ist", heißt es darin. Der "Tagesspiegel"- berichtete am Samstag darüber.

Clubs bei Bauprojekten schützen

Neue Bauvorhaben sollen dem Antrag zufolge Rücksicht auf Clubs nehmen und Bauherren im Zweifel selbst für Lärmschutz sorgen. "Neben den aktuellen Corona-Beschränkungen sehen sich diese Clubs aufgrund von Nutzungskonkurrenz zunehmend in ihrer Existenz bedroht", schreiben die Abgeordneten. Besonders die steigenden Gewerbemieten und Verdrängung durch heranrückende Wohnbebauung seien ein Problem.

Die Fraktionen sprachen sich außerdem für die Verstärkung des Lärmschutzfonds' des Landes aus. Da daraus nur Zuschüsse für Schallschutzmaßnahmen an und in Clubs möglich seien, investierten Betreiber mehr, hieß es. Der Verband der Clubszene und die Linke werben schon länger auf Bundesebene dafür, Clubs baurechtlich als Kulturstätten statt als Vergnügungsstätten einzuordnen.

9 Kommentare

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  1. 9.

    Harte Lärmschutzregeln??
    Wir wurden gerade von einem umgezogenem Club täglich ! 13 ! - dreizehn - Stunden lang an 3 Tagen und einem weiterem halben Tag bespaßt.
    Dieser Club darf offensichtlich mit behördlicher Genehmigung OPEN AIR veranstalten.
    Vielen Dank an alle beteiligten Ämter!

  2. 8.

    Ich finde das einen wichtigen schritt in die richtige Richtung. Veranstalter sowie Künstler leben davon und möchten auch ihre Kunst zeigen die sie beherrschen oder selber gemacht haben. Bei der Musik ist das nun einmal in Clubs und die sollte man auch schützen. Das nicht alle damit einverstanden sind weil es nur sogenannte "sexschuppen oder drogentreffs" sind damit muss man rechnen jedoch kann ich diese Leute nicht so ganz verstehen. Berlin hat harte regeln was den Lärmschutz angeht und viele Klubs bemühen sich diese einzuhalten jedoch spielt viel Geld auch dort eine große Rolle das man erstmal haben muss. Auch diese und nächste Generationen sollen die Chance haben diese Kultur kennenzulernen.

  3. 7.

    In den siebziger Jahren wurde alles geadelt, indem es zu Politik erklärt wurde. In den letzten Jahrzehnten und in der Gegenwart spielt sich das gleiche mit dem Begriff Kultur ab. Es ist nur ein Etikett, das etwas her macht. Das mir Bekannte in Sachen Clubs als nicht-Clubgänger hat mit Kultur gar nichts zu tun, sondern ist Alltag, Unterhaltung, Drogenkonsum. Es ist etwas anderes. Ich dachte auch, die Clubs wollen etwas anderes sein. Aber wenn es darum geht, von "Vater Staat" Geld zu bekommen, stecken wohl alle ihre Füße wieder unter den Tisch. Wir wären im Leben nicht drauf gekommen, unsere Kneipen als Kulturorte von der Stadt schützen zu lassen. - Den Bestand schützen können sie meinetwegen sehr gern, nur bitte, bitte nicht unter dem Deckmantel Kultur.

  4. 6.

    „Neue Bauvorhaben sollen dem Antrag zufolge Rücksicht auf Clubs nehmen und Bauherren im Zweifel selbst für Lärmschutz sorgen. "Neben den aktuellen Corona-Beschränkungen sehen sich diese Clubs aufgrund von Nutzungskonkurrenz zunehmend in ihrer Existenz bedroht.“ ....Verdrängung durch heranrückende Wohnbebauung seien ein Problem. Ja, und?
    Schon mal mit Frau Lompscher über Wohnungsnot und -bau gesprochen?
    Es gilt überall das Verursacherprinzip, Lärmschutz für Anwohner haben die Clubs zu leisten.
    Wenn hier eine Gleichsetzung mit anderen Kulturstätten gefordert wird, dann auch für den Schutz der Wohnstätten. Weder die Opern noch Theater noch Ausstellungen führen zur Lärmbelästigung bis in die Nacht. Genehmigte OPENAIR Konzerte sind auch begrenzt.
    AvR: Karneval ist zeitlich über Tage begrenzt! Soviel zum regionalen Brauchtum.

  5. 5.

    Was soll daran verkehrt sein, die Clubkultur der Opernkultur oder der Theaterkultur gleichzustellen? Allen diesen Einrichtungen ist es gemein, dass sie von Künstlern erstellte Werke einem jeweils zugeneigten Publikum anbieten. Ob das außerhalb der jeweiligen Zielgruppe zu Ohrenkrebs führt, muss egal sein. Gutes Beispiel ist der Karneval: Der gehört in einigen Regionen zum anerkannten Brauchtum und damit zur Kultur. Keiner dort würde das in Frage stellen. Als wortwörtlich nüchterner Betrachter geht es dann aber bei vielen um die Anbahnung des Geschlechtsverkehrs unter der Zuhilfenahme von Drogen ( := Alkohol).

  6. 4.

    Haha, die Clubbetreiber sind ja richtig etabliert. War der Reiz des Ganzen nicht gerade die Halblegalität? Ich fürchte, ich werde alt. ;)

  7. 3.

    Kann man das bitte auch für Jugendfreizeitheime, Seniorenteffs, Kindergärten, Spielplätze, Kinos, Kiezkneipen, Vereinsheime, Mocheen, Gemeindehäuser, Tagespflegestellen einrichten.
    Kultur ist doch etwas für Alle Menschen.

  8. 2.

    Was ist an Clubs, in denen Drogen konsumiert werden oder auch auch Sexparties abgehalten werden Kultur?
    Dann würden u. A. Theater und Opern mit diesen Orten gleichgestellt.
    Clubs als Kulturstätten, Öffizwangsabgaben und noch einiges mehr, will der Senat etwa Berlin leeren? Nur noch Partyvolk und Touris?

  9. 1.

    Ich bin nicht für Rot-Rot-Grün und mit 60 auch nicht mehr der Clubgänger, aber das ist endlich mal ein richtiger Schritt für unsere Jugend! Ich konnte es nie verstehen, dass man so einen Club, egal welcher und wie, nicht kulturell anerkannt hat! Man hatte faktisch damit die Jugend ignoriert. Na dann laßt es mal krachen, im Matrix, oder im Adagio!

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