Hamburger Bahnhof © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Audio: rbbkultur | 29.06.20 | Sigrid Hoff | Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Museum für Gegenwart in Berlin - Bund will Hamburger Bahnhof durch Kauf sichern

Bislang gehört das Berliner Museum für Gegenwart einem Investor, nun möchte die Bundesregierung den Hamburger Bahnhof kaufen. Damit könnten sich viele ungelöste Immobilienfragen klären - aber die Verhandlungen könnten auch noch scheitern.

 

Die Bundesregierung will das Berliner Museum für Gegenwart, den Hamburger Bahnhof, kaufen. Das erklärte ein Sprecher der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Montag in Berlin. Der Hamburger Bahnhof ist Teil der Nationalgalerie und zeigt Sammlungen zeitgenössischer Kunst.

Das Museum soll nach Angaben von Grütters' Sprecher durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft werden. Anschließend soll die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Hamburger Bahnhof anmieten. Nach dem geplanten Kauf solle der Hamburger Bahnhof saniert werden. Außerdem sieht die Bundesregierung einen Erweiterungsbau vor. Die Verhandlungen laufen allerdings noch.

Verhandlungen können noch scheitern

Seit Jahren sind Immobilienfragen rund um das Gebäude ungelöst. Zur Zeit gehört das Anwesen des Hamburger Bahnhofs mit den dahinterliegenden Rieckhallen der CA Immo, einem privaten Investor aus Wien. Die Stiftung preußischer Kulturbesitz ist lediglich Nutzerin. Das ehemalige Bahngelände zwischen Hauptbahnhof und Heidestrasse war Eigentum des Bundes, der es 2008 veräußerte.

Das Land Berlin hatte bereits vorher auf sein Ankaufsrecht verzichtet. 2003 hatte der Berliner Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und seinem Finanzsenator Sarrazin (beide SPD) die Verhandlungen geführt. Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Träger des Museums wurde eine unbefristete Nutzung zugesichert, die kulturelle Nutzung des Areals im Bebauungsplan festgeschrieben.

"Das war seinerzeit der Ursprung der Fehlentwicklung", kommentierte das jetzt Christoph Meyer, Landesvorsitzender der FDP-Berlin und Obmann der FDP-Fraktion im Haushaltsausschuss.

Derzeit will sich niemand zum Stand äußern

Die Meldung vor einigen Wochen, dass die Flick-Collection im kommenden Jahr aus Berlin abgezogen wird und die Rieck-Hallen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden sollen, hatte bereits Entsetzen in der Kunstszene ausgelöst.

Seit zwei Jahren verhandelt die Kulturstaatsministerin über einen Rückkauf des Geländes inklusive des Bahnhofsgebäudes – der Ausgang ist offen, Grütters wollte sich derzeit mit Rücksicht auf die Verhandlungen mit der CA Immo nicht äußern. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz lehnt eine Stellungnahme ab. Christoph Meyer hat große Bedenken: "Wenn die Verhandlungen scheitern, dann haben wir die Situation, dass wir wahrscheinlich irgendwann keine kulturelle Nutzung mehr [...] sehen werden".

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Christoph Meyer sei kulturpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag. Wir haben das mittlerweile geändert. Vielen Dank.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die Bundesrepublik Deutschland verkaufte an den österreichischen Investor keine baufällig Ruine. Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde etliches Geld in die Immobilie gesteckt, und sie wurde museal genutzt, Schon zu diesem Zeitpunkt kann man nicht mehr von einer baufälligen Ruine sprechen. Millionen investiert hat der Bund dann in den 90igern für besagtes Museum für Gegenwart. Weitere Millionen wurden für den Umbau des Güterbahnhofs aufgewendet.
    Nach meiner völlig unmaßgeblicher Meinung dann der bizarre Verkauf des Bundeseigentums 2007 an den österreichischen Investor und die Zurückvermietung an den Bund mit mutmaßlich einem völlig unzureichenden Mietvertrag (für den Bund). Lt. Wikipedia wollte der Investor den Mietvertrag nicht verlängern und dort Wohnungen bauen.

  2. 2.

    Die Bundesrepublik Deutschland möchte eine wertvolle Immobilie von einem privaten Investor kaufen, an dessen Vorgänger die Bundesrepublik Deutschland eine baufällige Ruine verkauft hatte. - Ist das jetzt makaber oder ein Inhouse Geschäft ?

  3. 1.

    Wieviel der Bund bekam, als er das Anwesen 2008 an einen Investor veräußerte, und wieviel jetzt CDU Grütters für den Rückkauf bezahlt, wird der geneigte Steuerzahler wohl nie erfahren.

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