Ein DJ legt in Friedrichshain auf. Die Fete de la Musique findet 2020 eher auf Balkonen statt. (Bild: dpa/Armer)
Video: rbb|24 | 21.06.2020 | Material: rbb24 | Bild: dpa/Armer

Fête de la Musique Berlin - Zum Vierteljahrhundert eine Fête de la Balkonien

Tanzende Menschenmassen im Mauerpark, im Chor singende Passanten am Gendarmenmarkt: Die internationale Fête de la Musique ist ein Festival der Gemeinschaft. Das 25. Jubliäum wird durch Corona nun zur Fête de la Haus-Musique. Von Larissa Mass

Groß und einzigartig sollte die Jubiläumsfeier werden: Ein Vierteljahrhundert lang bringt Fête de la Musique Musik von Profis und Laien auf die Straßen Berlins. Doch dieses Jahr ist alles anders, die geplanten duzenden Open Air Bühnen unterliegen den Maßnahmen von Bund und Ländern gegen Covid-19.

Seit 2018 ist Björn Döring Leiter der Fete de la Musique, die Organisation dieses Jahr war eine einzige Herausforderung. Die Veranstalter haben je nach Gesetzeslage immer wieder neue Szenerien aufgebaut und wieder verworfen. "Wir wissen, dass wir eine recht große Verantwortung haben und sind deswegen auch sehr vorsichtig. Wir laden alle dazu ein, Musik zu machen, in einem sicheren Kontext: auf dem Balkon, in der WG oder auch mit großem Abstand und Verantwortungsbewusstsein im Park."

Appell an die Politik

Das Open-Air-Festival findet jedes Jahr am 21. Juni, dem kalendarischen Sommeranfang in mehr als 540 Städten weltweit statt. Insgesamt haben sich bundesweit über 80 Städte für die Variante Onlinestreaming entschieden, andere haben das Fest komplett abgesagt. In Berlin werden am Sonntag rund 40 Streaming-Angebote virtuelle Bühnen anbieten.

Auch im Rahmen des bundesweiten Aktionsbündnis "Nonstop-Musik" macht die Fête de la Haus-Musique am Wochende mit. "Mit dem Aufruf, zuhause Musik zu machen und zu hören, senden wir auch einen Appell an die Politik sich um die Zukunft der Kreativen zu kümmern", sagt Döring.

„Wir wollen keine Szenen wir beim Landwehrkanal!"

Über 100 Konzerte werden ab 13 Uhr am Sonntag live in die Welt hinaus gestreamt. "Das Livestreaming machen wir auch mit einem inneren Konflikt ", erklärt Döring. "Ein Konzert ohne Publikum ist ja eigentlich nicht das, was man will. Auch sind die Nutzerzahlen eines Livestreams bei gutem Wetter gering." Aber Döring sieht auch Vorteile in der Digitalisierung: Die Konzerte bleiben über den Moment hinaus zugänglich. Und das Problem, die der Besucher jedes Jahr normalerweise hat, dass er sich für ein paar wenige Bühnen entscheiden muss, fällt weg.

Die aktuelle Verordnung in Berlin erlaubt Veranstaltungen bis zu 150 Menschen in geschlossenen Räumlichkeiten und bis zu 500 unter freiem Himmel. Doch Döring macht klar, dass die Verantwortung als etabliertes Festival groß ist und sie deswegen nicht zu Live-Konzerten aufrufen wollten. "Nicht zuletzt der Landwehrkanal hat gezeigt, was die Leute machen, wenn sie nicht darüber nachdenken. Deswegen sind wir dieses Jahr vorsichtig zu kommunizieren, was draußen stattfinden kann und was nicht."

Dachkonzerte und mobile Bühnen

Dieses Jahr gibt es keine Kooperationen mit Bühnen – doch es ist durchaus möglich Musik auch auf den Straßen Berlins mitzuerleben: Dachkonzerte, Balkonkonzerte, oder auch spontane Musikeinlagen im Park. Diese werden angekündigt, damit sich keine Ansammlungen bilden. Wichtig bleiben auch hier die Abstandsregeln und die Vernunft der Musizierenden und Zuhörer.

Fünf Velotaxen fahren ab 15 Uhr als mobile Bühnen mit Musikern wie Laura Hoo, Grizzly Bird und Jomila durch Mitte. In Friedrichshain, Kreuzberg ist ein Reggae-Bike unterwegs. Und auch der Berlin Brass Bus fährt durch die Kieze: Ab 17 Uhr wird er im Hof der Kulturbrauerei parken und beim Street Food Markt für gute Stimmung sorgen.

Streamen aus dem Fernsehturm

Um 13 Uhr startet der Livestream aus Berlin und läuft bis 24 Uhr. Zur Auswahl stehen über den ganzen Tag verteilt verschieden Streams bekannter und unbekannter Künstler, die in teils ungewöhnlichen Locations auftreten: Ein umfunktionierter Autoscooter am Haus der Statistik bietet ab 14 Uhr neun Musikern eine Bühne.

Aus dem ehemaligen Gefängnis in Köpenick kann man ab 18 Uhr eine Stunde lang das Kunstprojekt "JailSessions" sehen. Das Highlight des Streams wird direkt aus der Kuppel des Fernsehturms am Alexanderplatz gesendet: Mit einer besonderen Aussicht auf Berlin erklingt ab 22 Uhr das DJ-Set von Alle Farben.

Bitte mitmachen!

Im Mittelpunkt steckt auch das gemeinsame Singen: Der Singalong startet um 17 Uhr mit der Ode an die Freude, die vom Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden per Livestream zum großen Mitsingen aufruft. "Letztes Jahr war die Singalong-Aktion in Berlin sehr bewegend mit 3.500 Leuten auf dem Gendarmenmarkt, die 15 Minuten zusammen gesungen haben – das fand bundesweit statt ", erzählt Döring, "Diesmal machen wir das online: Wir produzieren eine Karaoke-Version mit Gassenhauern und machen das auch mit Moderation und Jubiläums-Grußworten von Musikern, die schon früher auf der Fête de la Musique gespielt haben wir Seed und Element of Crime."

Auch wenn es nicht die große Jubiläumsfeier ist, wie sie von den Veranstaltern ursprünglich geplant war, ist es ein Weg mit Verantwortung Musik in die Häuser Berlins zu bringen. Für nächstes Jahr planen sie die große Feier nachzuholen, betont Döring: "Da feiern wir 25 plus eins! Da wird mehr gekracht."

Sendung: Inforadio, 21.06.2020, 11:18 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich lese hier beim rbb24 nur noch Beiträge vom Partys und Feiern bis der Arzt kommt oder wie man am besten die Polizei fertig macht und dazu noch was alles pleite gegangen ist. Ob das alles mit den Regeln zusammenpasst bezweifle ich. Ich glaube die Berliner/innen (soweit sie welche sind) machen alle was sie wollen.

    Wozu braucht es da noch Regeln. ?! Aber wenn Kretschmer in Tegel ohne Maske sitzt kann ich das auch.

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