Archiv - Das Logo des Theaters Berliner Ensemble prangt auf dem Dach des Hauses. (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Audio: rbbKultur | 08.06.2020 | Interview mit Oliver Reese | Bild: dpa/Christophe Gateau

Interview | Open-Air-Theater im BE - "Ein Gruß aus der Küche, aber noch kein volles Abendessen"

Endlich kann wieder Theater gespielt werden, allerdings nur Open-Air. Am Mittwoch startet das Berliner Ensemble mit dem "Hof-Theater". Was die Zuschauer erwartet und wie das Theater in Corona-Zeiten aussieht, erklärt Intendant Oliver Reese im Interview.

rbb: Herr Reese, Sie planen 15 Open-Air-Veranstaltungen ab Mittwoch im Innenhof des Berliner Ensembles. Was ist das für ein Theaterspiel? Lockerungsübungen oder eine Aufmunterung ans Publikum?

Oliver Reese: Ich sage ganz gerne dazu: Es ist ein Gruß aus der Küche, aber kein volles Abendessen. Wir haben mit unserem Ensemble gemeinsam besprochen, dass es schön wäre, ein Zeichen zu setzen,  jetzt wo wir Open-Air spielen dürfen. Das Berliner Ensemble hat einen wunderschönen Innenhof. Dort haben wir eine einfache Bretterbühne aufgestellt und wollen jeweils um 18 Uhr bei Tageslicht spielen. So wie in der Antike oder im Straßentheater. Es dauert nie länger als eine Stunde und kostet keinen Eintritt. Das Motto heißt: umsonst und draußen.

Die Projekte, die es zu sehen gibt, sind regiefrei. Das sind Dinge, die unsere Schauspielerinnen und Schauspieler entweder aus den Sachen, die sie spielen, gesampelt haben oder die sie schon immer mal machen wollten. Sina Martens wird beispielsweise einen Liederabend "Bonnie ohne Kleid" machen, der am Freitagabend zum ersten Mal zu sehen sein wird. Oder Peter Luppa plündert seine wunderbare One-Man-Show "Auch Zwerge haben klein angefangen". Los geht es mit Stefanie Reinsperger am Mittwoch mit "BussiBaBaal – einmal Baal To Go".

Ist die große Lust wieder da, richtig zu spielen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zuschauer Lust haben, den Schauspielern wieder zu begegnen. Das Ensemble giert danach, nicht nur für Online-Formate auf der leeren Bühne ihre Kunst herzugeben. Das hat auch Spaß gemacht. Aber das führt zu einer irren Entwöhnung. Seit Mitte März haben wir keinen Zuschauer mehr live gesehen. Und ab Mittwoch sind das wieder erste Begegnungen.

Wie konkret muss die Politik sagen, wie es an den Theatern weitergeht?

Die Politik muss Grundsatzentscheidungen treffen. Bislang gibt es als einzige Entscheidung, dass die Theater bis Ende Juli geschlossen sind. Bis dahin dürfen wir alle nicht indoor spielen. Wir warten ab, was es dann für August, vor allem für die Zeit ab September heißt, wo sich alle Schauspielhäuser darauf einrichten, dass wir wieder spielen können. Mit Kultursenator Lederer sind die Intendanten in einem ständigen Austausch: Was heißt die Corona-Situation für den Einlass unserer Zuschauer und im Theater? Was heißt das für die Schauspieler auf der Bühne oder die Gewerke Maske, Ankleider oder Bühnentechnik?

Oliver Reese © Gregor BaronOliver Reese, Intendant am Berliner Ensemble

Jedes Theater macht einen sehr genauen und mit Fachkräften abgestimmten Plan. Wir haben bereits auch mehrfach über die Idee des Senators gesprochen, dass es Corona-Tests für Schauspieler geben soll. Das erscheint mir aber nicht ganz einfach, denn wir sind ja kein Ensuite-Theater, wo man fünf Wochen hintereinander ein Stück spielt. Wenn man das tut, kann man die Schauspieler bitten, sich zu isolieren. Wir spielen aber Repertoire, an einem Abend dieses Stück und am nächsten Abend ein anderes. Demnächst proben wir auch wieder drei verschiedene Produktionen parallel. Und wenn die Schauspieler nach Hause gehen, treffen sie ihre Kinder und ihre Familien. Deshalb weiß ich nicht, wie wir mit Tests weiterkommen sollen. Ich bin aber vollkommen offen, dass wir gemeinsam daran arbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Oliver Reese führte Frank Rawel, rbbKultur.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: rbbKultur, 08.06.2020, 09:10 Uhr

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