Proteste in New York City (Quelle: dpa/William Volcov)
Audio: rbb Kultur | 08.06.2020 | Ute Büsing | Bild: dpa/William Volcov

Produzentin Mavinga Petra Petrasch - Living im America: Eine Afrodeutsche in New York

Seit bald 20 Jahren lebt die Afrodeutsche Mavinga Petrasch in New York. Wie es ihr jetzt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt geht und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden, hat sie Ute Büsing erzählt.

Als sie das längst ikonografisch gewordene Video vom Tod des Afroamerikaners Georg Floyd im die Atemluft abschnürenden Polizeigriff ("Chokehold") sah, bekam Mavinga Petrasch selbst fast keine Luft mehr. Sie war bestürzt und einmal mehr aus ihrer Lebensbahn geworfen, denn Polizeibrutalität gegen Schwarze gehört in Amerika beinahe zum Alltag. Bei den Demonstrationen gegen die tiefen Gräben zwischen Schwarz und Weiß, Arm und Reich, die Amerika bis heute prägen und trennen, läuft die freie Produzentin mit vielen anderen seit dem Polizeimord an Floyd vor zwei Wochen regelmäßig mit.

Einträchtig gegen Rassismus, Polizeigewalt und Chancenungleichheit

Mavinga Petrasch lebt auf der 118. Straße im Herzen von West-Harlem. Im überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Viertel sind die Proteste weitgehend friedlich. Die Afrodeutsche ist gut vernetzt. Alle Freunde und Bekannten in ihrem Viertel und darüberhinaus sind empört über den systemischen Rassismus in Teilen der Polizei und der Gesellschaft.

Sie selbst war noch nicht Opfer von Übergriffen, "als schwarzer Mann wäre ich gefährdeter", sagt sie. Umso wichtiger ist es ihr, dass Afroamerikaner, Weiße, Latinos und Asiaten – vor allem viele junge Menschen – einträchtig gegen Rassismus, Polizeigewalt und Chancenungleichheit demonstrieren.

"No Justice, No Peace"

Kürzlich hat Mavinga Petrasch für die 3-Sat-Dokumentation "Al Pacino - Star wider Willen" Drehorte in der Bronx ausgekundschaftet. Schon lange arbeitet sie regelmäßig mit dem afro-karibischen Fotografen Hollis King zusammen. Sie porträtieren überwiegend schwarze Schauspieler und Musiker. Aktuell wollen die beiden mit einem Musiker zusammenarbeiten, der die nach Polizeimorden an anderen Schwarzen ausgegebene Parole "Black Lives Matter" in seine Musik überträgt. Bei einer jungen Künstlerin in Brooklyn deckt sie sich mit Gesichtsschutzmasken ein, die denselben Aufdruck tragen und den alten Bürgerrechts-Slogan "No Justice, No Peace". "Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei, wir müssen uns weiter schützen", warnt sie.

Noch sind es wenige Kulturprojekte, die den Tod von George Floyd zum Ausgangspunkt nehmen. Im Ausnahmezustand zählt erstmal anderes. Doch im Land der Graffitos entstehen Murals - wie, erneut, "Black Lives Matter" in riesigen Lettern direkt auf der Straße zum Weißen Haus. Veranlasst hat diese Kunstaktion die Bürgermeisterin von Washington D.C., sehr zum Ärger von Präsident Donald Trump. Große Kulturinstitutionen, wie das New Yorker Whitney-Museum, haben die Proteste gehört und kündigen offiziell an, ihre Ausstellungen und Programme verstärkt für die Black Community zu öffnen.

"Say their names" – unter Einbeziehung weißer Eliten

Der in den USA und international weiterhin sehr geschätzte Ex-Präsident Barack Obama regte auf einem seiner vielen engagierten Posts zur Krise an, dass die Protestbewegung auch "weiße Eliten" ansprechen und einbeziehen solle.

Dem schließt Mavinga Petrasch sich an. Tatsächlich gibt es Gesetzesinitiativen, zum Beispiel des Italo-amerikanischen Gouverneurs des Staates New York, Andrew Cuomo, den "Chokehold" genannten tödlichen Polizeigriff sofort zu verbieten und weiteren Maßnahmen in einem "Say their Name"-Gesetz zu verankern, dass der schwarzen Polizei-Opfer der letzten 30 Jahre gedenkt und Gegenmaßnahmen festschreibt, die tödliche Polizeigewalt künftig verhindern. Ähnliche Vorhaben gibt es jetzt auch auf Bundesebene.

Ein erneuter Ruck – nach 400 Jahren Rassismus

Mavinga Petrasch hofft, dass die überwiegend friedlichen Massenproteste, an denen sich erstmals seit Martin Luther Kings legendärem Marsch auf Washington 1963 wieder sehr viele Bürger weißer Hautfarbe beteiligen, einen nachhaltigen Ruck durchs Land gehen lassen. Der systemische Rassismus, der sich beim Tod von George Floyd offenbart habe, sei schließlich seit 400 Jahren "und nicht erst seit gestern", prägend für die US-Amerikanische Gesellschaft. Sie hält es mit Martin Luther King "Wir können Hass nicht mit Hass vertreiben, sondern nur mit Liebe."

Umarmung (Quelle: dpa/Craig Ruttle)

Beitrag von Ute Büsing

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wie ist eigentlich die Biographie des George Floyd?

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