Open-Air-Premiere im Arte Sommerkino Kulturforum (Quelle: Imago/C. Behring)
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Audio: Inforadio | 28.06.2020 | Magdalena Bienert | Bild: Imago/C. Behring

Open-Air-Filmpremiere von "Undine" - "Ich bin dankbar, dass das Kino wieder da ist"

Einen Vorgeschmack auf die Kinoeröffnungen nächste Woche gab die Open-Air-Premiere von "Undine" am Samstag. Im Liegestuhl unterm Sternenhimmel in fremde Welten abzutauchen, stillt auch das Bedürfnis nach einem Gemeinschaftserlebnis, findet Magdalena Bienert.

Eigentlich hätte Christans Petzolds Film "Undine" bereits im März in den Kinos anlaufen sollen. Doch wegen der Corona-Pandemie wurde er auf Ende Juni verschoben. Nur Berlinale-Besucherinnen und Besucher konnten diese moderne Nixen-Erzählung bereits im Februar sehen. Paula Beer bekam für ihre Titelrolle der Undine übrigens den Silbernen Bären als beste Darstellerin.

Am Samstagabend hätte das Wetter nicht besser sein können für den Neustart unter freiem Himmel. Im Arte Sommerkino am Potsdamer Platz strahlt die Wärme des Tages von den Steinen vor dem Kulturforum, zwischen Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett, auf die orangefarbenen Liegestühle. Bei Filmbeginn um 21:45 Uhr steht noch immer eine kleine Schlange maskierter Kinofans am Einlass. Wer spontan noch Tickets kaufen möchte, wird abgewiesen. Man muss online reservieren und die erlaubte Personen-Anzahl ist schnell ausgeschöpft.

"Danke für Eure Kinoabos und Liebesbekundungen!"

Vor Filmbeginn greift eine Mitarbeiterin der Yorck-Kinogruppe zum Mikrofon und bedankt sich bei allen, die die Kinos mit Gutscheinkäufen, Abos und auch Liebesbekundungen in dieser schwierigen Zeit unterstützen. Und: "Wir werden eure Unterstützung auch weiterhin brauchen!"

So normal wie es sich kurz mal so zurückgelehnt im eigenen Liegestuhl anfühlt, ist es nämlich noch lange nicht. Die sonst 1000 Plätze sind höchstens zur Hälfte besetzt und die Maskenpflicht gilt bis an den nummerierten Sitzplatz. Das ist ungewohnt, schließlich ist man an der frischen Luft. Der Film darf aber ohne Mund-Nasenschutz angeschaut werden.

Reales Glockengeläut und Bushupen verschwimmen mit Undines Welt

Vor der tollen Kulisse, links der Potsdamer Platz und rechts die St. Matthäus-Kirche, taucht man im wahrsten Sinne in Undines Film-Welt ab. Die Kirchturmuhr schlägt jede halbe Stunde und holt einen kurz zurück ins echte Berlin. Christian Petzolds modernes Märchen, das ebenfalls in der Hauptstadt spielt, bewegt. Paula Beer und Franz Rogowski in den Hauptrollen sind kein gewöhnliches Liebespaar, Romeo und Julia lassen grüßen. Der von Christian Petzold neu interpretierte Undinen-Mythos ist Teil einer Filmtrilogie, in der er sich mit den Elementargeistern beschäftigen möchte.

Dankbar für diese Energie und ein Stück Normalität

Kurz vor Mitternacht sind immer noch 25 Grad. Glücklich schlendern Freundesgruppen und Pärchen nach dem Film Richtung U- und S-Bahn. Man spürt, dass solche Abende für alle wertvoller denn je geworden sind.

"Es ist ein Schritt zurück zur Normalität. Und einen spannenden Film zu sehen, zum ersten Mal nach einer Pause von drei Monaten, ist einfach unvergleichlich", sagt ein Mann. Sein Partner fügt hinzu: "Vor allem den Film mit so vielen Menschen zusammen zu sehen, ist das Besondere. Wir waren so lange zu Hause im Mäusekino und haben alleine oder mit dem Partner Filme geguckt. Jetzt diese Energie der anderen Menschen zu spüren, ist ein ganz tolles Erlebnis!"

Auch die Augen von zwei jungen Frauen leuchten. Gerade stecken sie ihre Masken hinter der Absperrung des Freiluftkino-Areals zurück in ihre Handtaschen: "Es ist ungewohnt, erstmal seine Maske herauszukramen. Und während des Films habe ich öfter gedacht: Wo sind denn deren Masken in der Bahn? Aber ich bin dankbar, dass das Kino wieder da ist!"

Sendung: Inforadio, 28.06.2020, 06:55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

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