Der Club Yaam an der Schillingbrücke in Friedrichshain.
Bild: dpa/Global Travel Images

Club in Friedrichshain - Bezirk sperrt "Yaam"-Ufer wegen maroder Mauer

Teile des "Yaam"-Clubs in Friedrichshain-Kreuzberg sind geschlossen worden. Die Spree-Ufermauer, auf der das Clubgelände steht, sei marode, teilte der Bezirk mit. Die Clubbetreiber werfen der Behörde "endgültige Verdrängung" vor.

Teile des Clubs "Yaam" in Friedrichshain-Kreuzberg sind vom Bezirk geschlossen worden. Grund ist laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ein statisches Gutachten. Dieses habe ergeben, dass die Standsicherheit der Ufermauer am Club nicht mehr gegeben ist. Deswegen sind derzeit Ufer, Büro- und Logistikräume gesperrt und auf dem Außengelände ist ein Bauzaun aufgestellt. Der Outdoor-Bereich ist aber ansonsten unter Corona-Auflagen weiterhin ab 17 Uhr geöffnet.

Das Gutachten habe "die sofortige Sperrung" eines fünf Meter breiten Uferstreifens empfohlen, teilte der Bezirk dem rbb mit. "Dieser Empfehlung musste die Bauaufsicht folgen, bis genauere Daten zur eigenen Statik der Halle vorliegen." Die Halle des Clubs liege 2,90 Meter vom Ufer entfernt. Diese werde, eventuell auch in Teilen, wieder freigegeben, wenn das statisch möglich sei.

Wie die Betreiber des Yaam am Montag in einer Pressemitteilung mitteilten, wurde das Clubgebäude bereits versiegelt.

Club wirft Bezirk Untätigkeit vor

Der Club machte in seiner Mitteilung dem Bezirk heftige Vorwürfe. "Eine dauerhafte Sperrung der Halle würde endgültig das Aus für das 'Yaam' bedeuten, da dann auch nach der Corona-Krise keine Indoor Veranstaltungen möglich wären", heißt es. "Wir fragen uns, ob das Bezirksamt diese Konsequenz nur in Kauf nimmt, oder ob die endgültige Verdrängung des 'Yaam"bezweckt ist."

Bereits 2003 habe ein statisches Gutachten vor dem maroden Zustand der Mauer und einer möglichen Gefahr für das Gelände gewarnt, schreiben die Betreiber. "Trotzdem beschäftigten sich Bezirk, Senat und Bund nur mit der Frage, wer die Sanierungskosten zu tragen habe." Das vom "Yaam" seit Jahren geforderte Gutachten über die Standsicherheit von Ufer und Gebäude sei erst Ende 2019 in Auftrag gegeben worden und führe nun zur aktuellen Sperrung, "obwohl die Statik des Gebäudes aus technischen Gründen bisher überhaupt nicht bewertet wurde".

"Gesicherte und verschärfte Gefährdungslage"

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hingegen verweist auf die bisherige "vermutete Gefährdungslage, aufgrund derer das YAAM seit langem schon die Auflage hatte, den Personenverkehr im Uferbereich auf das Nötigste zu beschränken und dieses nicht mit Fahrzeugen zu befahren". Mit dem neu vorliegenden Gutachten gebe es nun eine nunmehr "gesicherte und verschärfte Gefährdungslage", weswegen die Bauaufsicht zur Umsetzung der aktuellen Sicherungmaßnahmen gezwungen gewesen sei.

In drei bis vier Wochen solle eine detaillierte Ausarbeitung zur Gebäudestatik der jetzt gesperrten Halle vorliegen. Sollte dieses weitere Gutachten "ergeben, dass das Gebäude im Falle eines Uferwandabbruchs nicht in sich gefährdet ist, wird das Gebäude wieder geöffnet werden, wenn dies keine Gefährdung von Menschen darstellt".

Zu dem Vorwurf, die Mängel seien seit 2003 bekannt, äußerte sich der Bezirk nicht.

Begrenzter Betrieb erst seit 12. Juni

Die Clubbetreiber nehmen den Bezirk dennoch schwer unter Beschuss: Aufgrund der Corona-Epidemie habe das "Yaam" seinen Betrieb am 12. März einstellen müssen. Erst seit dem 12. Juni sei ein begrenzter Betrieb im Außenbereich unter strikter Beachtung aller Hygienebestimmungen wieder möglich. Jetzt aber sei "ohne Zugang zu Büro- und Logistikräumen, mit einem Bauzaun auf dem gesamten Gelände (...) ein Außenbetrieb kaum möglich". Das bringe den Club, den es bereits seit 25 Jahren gebe und in dem 80 Menschen arbeiteten, in Gefahr.

Der Bezirk habe dem Club schon früher Schwierigkeiten gemacht, mit Verweis auf den unklaren Zustand der Mauer. Es "wurden bereits mehrere Bauvorhaben des 'Yaam' vereitelt", heißt es. "Auch der Abschluss eines langfristigen Mietvertrages für das 'Yaam' wurde immer wieder verweigert."

Am 24. Juni habe die Bezirksverwaltung - die auch Eigentümerin des Geländes und für die Instandhaltung der Mauer verantwortlich sei - dem "Yaam" zwar eine bevorstehende Absperrung der Uferflächen angekündigt. In einem für den 1. Juli 2020 vereinbarten Treffen sollten zwischen dem "Yaam" und der Bauaufsicht die Modalitäten diskutiert werden. Am vergangenen Freitag sei dann entgegen der Absprachen das Hauptgebäude amtlich gesperrt und versiegelt worden.

Bezirksamt: Miete für mehrere Monate erlassen

Das Bezirksamt weist die Vorwürfe zurück. Aufgrund der Belastungen durch die Statikuntersuchungen sei dem Club bereits die Miete für mehrere Monate erlassen worden. "Außerdem verzichtet das Bezirksamt auf Zinsen für etwaige gestundete Beträge", so das Amt. "Die Grundmiete des 'Yaam' ist aufgrund der wegen der Uferwand nicht vollständigen Nutzbarkeit des Geländes schon immer reduziert." Durch die neue Lage werde beraten, "ob weitere Maßnahmen möglich sind".

"Das Bezirksamt ist in ständigem Austausch mit dem 'Yaam' zu den auftretenden Problemen und hat bisher immer gemeinsame Lösungen gefunden, wenn dies irgendwie möglich war."

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass das "Yaam" komplett geschlossen sei. Teile des Clubs, im Außenbereich, sind aber weiterhin geöffnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Inforadio, 30.06.2020, 15 Uhr

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20 Kommentare

  1. 20.

    Ja ne is klar, da werden dann sicher ein paar der Wohnungen gebaut, die von all den BusfahrerInnen, PolizistInnen, Bankangestellten (kann mensch BankangestelltInnen schreiben??? sieht irgendwie doof aus), VerkäuferInnen, Reinigungskräften, Alleinerziehenden, StudentInnen etc, etc, etc, dringend gebraucht werden und die sie auch bezahlen können.

    Gruß
    Hajakon

  2. 19.

    Ein Ort weit weg von Wohnbebauung ist doch ideal für die vielfältige Partyszene, die Berlin ausmacht und Berlin am Leben hält. Hier wird offenbar zu Gunsten von Wohnungsspekulanten Bauland freigemacht. Diese Wohnungen werden dann wieder international vermarktet, denn Berliner können sie sich nicht leisten.

  3. 18.

    Diese Art Wohnungen sind in erster Linie Spekulationsobjekte, "Betongold". Werden oft an Zugezogene vermietet bzw. verkauft, die diese Preise bezahlen können. Für die Normalbevölkerung unerschwinglich und nicht vorgesehen.

  4. 17.

    Ja, nebenan vom Knaakclub baute eine Baugemeinschaft. Dannach fiel ihnen auf, dass da ein Club ist, aus dem auch Musik zu hören war - was die bisherigen Nachbarn offenbar weniger gestört hatte. Und die Neuanwohner klagten den Club weg. Erprobte Methode, mit verschiedenen Begründungen.

  5. 16.

    Sie waren ganz sicher noch nicht im Yaam, sonst wüssten Sie, dass es nicht um eine "Partyszene" geht, die Müll macht und Ärger. Dass Musik mit Geräuschen verbunden ist, wissen wir spätestens seit Wilhelm Busch. Wissen Sie, man kann auch innerlich vergrauen.
    Das Yaam war übrigens schon da, als die Häuser im Umfeld noch gar nicht geplant waren. Wie wäre es, wenn man Ihr Haus/Ihre Wohnung abreissen würde. Ich bin sicher, es fände sich sehr schnell ein Investor, der etwas Größeres, Teureres, ja, Schöneres daraus macht. Sie könnten dann ja mal schauen, wo es Ersatz gibt.

  6. 15.

    @Michael und @Luna
    Ich stimme Ihnen beiden zu. Waren die Kulturverantwortlichen dieser Stadt immer abends um acht im Bett, als sie jung waren? Ich weiss, dass Friedrichshain-Kreuzberg sich oft an die Decke streckt, und eine marode Mauer ist eine marode Mauer. Ich sehe aber auch, dass in Berlin so irre viel an Kulturellem verloren geht. Auch Clubs, seit Jahren, nicht erst seit Corona. Nur wird es jetzt vielleicht deutlicher. Erinnert sich wer an den Knaakclub? Aber ich rede da "nicht nur" von Clubs. Demnächst verlassen wie es aussieht auch große Kunstsammlungen Berlin. Leute, Kultur ist kein Selbstläufer! Ich kann nur sagen: Was 20 Jahre gewachsen ist, baut man nicht irgendwann mal wieder auf. Was weg ist, ist weg.

  7. 14.

    Wie haben Sie denn mit der "Partyszene" zu tun? Wie stellen Sie sich eine Stadt vor, in der nur Wohnungen stehen und es keine Orte des Zusammentreffens und des Austausches gibt? Wollen Sie das so?

  8. 13.

    Wer kauft dann die Wohnnungen wenn es sich keiner leisten kann?
    Wer baut denn Wohnungen die keiner abnehmen kann?
    Der Bedarf und die Nachfrage (nach "teureren" Wohnungen) ist da, also wird bedient.
    Der Platz zum Bauen ist endlich, also muß entschieden werden was wichtiger ist, Wohnbauten oder Kultur.

  9. 12.

    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass dort Wohnungen für jedermann entstehen könnten? Für die oberen 10.000 ja aber nicht für diebdie wirklich eine Wohnung brauchen. Im übrigen. Das Bezirksamtist ein Witz!

  10. 11.

    Welch' Zufall, dass das mit der Statik der Ufermauer genau jetzt ermittelt wird, wo der neue Gebäude-Neubau nebenan gerade fertiggestellt wird. Es war abzusehen, dass früher oder später eine Möglichkeit gesucht wird, diesen einzigartigen Kulturort an diesem Standort loszuwerden.

    Das Yaam musste ja schon einmal umziehen. War das Yaam im Jahre 2003 dort schon einmal beheimatet? Meiner Erinnerung nach befand sich an jener Stelle zu diesem Zeitpunkt das Maria am Ufer (ehemals Maria am Ostbahnhof). Im RBB-Beitrag wird hierzu nichts gesagt (?).

  11. 10.

    Ich bin noch nicht ergraut und trotzdem der Meinung, dass die "Partyszene" überflüssig ist. Diese Leute verursachen Müll, Lärm und zuweilen viel Ärger. Darauf kann ich sehr gerne verzichten. Viel mehr benötigen wir Wohnungen ,daher abreißen und Wohnraum schaffen.

  12. 9.

    Danke für Ihren Beitrag, Michael. Ich stimme vollkommen zu. Siehe auch Richtung Rummelsburger Bucht, wo Ähnliches schon länger im Gange ist. Ich freue mich besonders, dass auch ein Vertreter der "älteren" Generation ;) hier in den Kommentarspalten durch eine Meinung glänzt, die vom üblichen "Die Jungen wollen eh nur Party, zu nichts zu gebrauchen und egoistisch sind sie!!"-Gebashe abweicht.

  13. 8.

    Wenn es unter den Berliner Clubs eine Einrichtung gibt, die tatsächlich das kulturelle und soziale Zusammenkommen, gerade auch im mulikulturellen Bereich, fördert und vor allem lebt, dann ist es das Yaam.

    Ich bin mir sicher, dass dies vom Bezirk erkannt und auch honoriert wird. Also erstmal freundlich bleiben im Umgang miteinander. Das Ziel muss jetzt sein, zügig eine adäquate Ersatzliegenschaft für das Yaam zur Verfügung zu stellen.

  14. 7.

    Traurige Meldung. Ich hoffe, es geht für das "Yaam" weiter.

  15. 6.

    Genau! Schöne, luxuriöse Eigentumswohnungen die sich keiner leisten kann. Wie überall in der Stadt wird verdrängt.
    Ob die jungen Leute Party machen oder nicht, ist ja den mittlerweile ergrauten Erwachsenen egal, denn sie brauchen ja keine Location mehr.
    Egoismus pur ! Ach ja, bin selbst 52, und ich wünschte mir, dass Berlin in ihrer Kultur und partyszene erhalten bleibt so wie ich es früher auch Genießen konnte.
    Und liebes Bezirksamt, seit 2003 ist ihnen es bekannt und sie haben 17 Jahre lang nichts gemacht.
    Schäbig sag ich nur!!

  16. 5.

    Warum baut man auf dem Gelände kein Verkehrsübungsplatz für Radfahrer, das wäre doch ein Zeichen von der grünen Bezirksbürgermeisterin.

  17. 4.

    Dass die Ufermauer untersucht und vermutlich erneuert werden muss, ist eine Sache, dass die statische Prüfung so lange auf sich warten ließ, ist eine andere. Das hat wenig mit behördlichen Entscheidungen nach Ermessen zu tun und auch nichts mit "ständigem Austausch" mit den Betreibenden.

    Aber das passt. Berlin verkauft jeden grünen Fleck, bebaut sich selbst mit Wohnungen, die sich die zuvor hier Lebenden oft nicht mehr leisten können und verdrängt zunehmend eigenes Kulturangebot. Es wirkt wie Schikane gegenüber dem Club. Mehr noch, vor dem Hintergrund dessen eindeutigen und menschenrechtsbasierten, gegen Rechts gerichteten Engagements, ist zu befürchten, dass Teile der Behörden politische Entscheidungen treffen, die erstens nicht von Behörden zu treffen und zweitens gegen den Staat in seiner Vielfalt gerichtet sind.

    Es muss wohl allen Clubs empfohlen werden, juristischen Rat immer zur Hand zu haben. Z.B. bei ausbleibenden Amtsermittlungen: Untätigkeitsklage.

  18. 3.

    Es wäre eine Schande, wenn das Yaam verschwinden würde! Das Yaam ist für Berlin eine Institution des kulturellen Austausches, nicht nur für die Menschen, die noch an Multikulti und Diversität glauben.
    Nur nebenbei...in der Baulücke, des von der rbb Redaktion ausgesuchten Bildes befindet sich mittlerweile ein Hotel, welches kurz vor der Eröffnung steht. Die Gäste hätten dann einen schönen freien Spreeblick...oder doch neue schicke Eigentumswohnungen an der Spree?
    Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

  19. 2.

    Nun, dann können da ja jetzt dringend gebrauchte Wohnungen gebaut werden.

  20. 1.

    Das kommt davon, wenn man die Grünen wählt...In der Privatwirtschaft wäre man schon längst weg vom Fenster. Das Bauamt ist das Letzte...zu sehen auch an den vielen Baustellen im Bezirk...nichts wird fertig....Im Fall des YAAM liegt auch die Vermutung nahe, dass der Bezirk so lange mit der Sanierung gewartet hat, bis nichts mehr geht, die Pächter/Mieter aufgeben, um dann später auch dieses Filetgrundstück meistbietend zu verscherbeln.

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