Wasserdemo - Rebellion der Träumer, vor dem Urbankrankenhaus in Berlin Kreuzberg, auf dem Landwehrkanal (Quelle: dpa/Porikys)
Video: rbb24 | 27.07.2020 | Interview mit Falko Liecke (CDU) | Bild: dpa/Porikys

Bezirke sollen Flächen bereit stellen - Berliner Clubs wollen legal im Freien feiern

Die Berliner Clubs sind seit Beginn der Corona-Krise geschlossen, nun wollen sie wenigstens unter freiem Himmel feiern – legal, damit ausufernde Feiern wie in der Hasenheide aufhören. Die Politik zeigt sich durchaus gesprächsbereit. Doch noch fehlt es an geeigneten Orten.

Die Berliner Club- und Party-Szene steht offiziell seit mehr als vier Monaten still. Auch bei den jüngsten Corona-Lockerungen wurde ihnen keine Hoffnung auf eine Wiedereröffnung gemacht - allein die geltenden Abstands- und Hygieneregeln könnten schlichtweg nicht eingehalten werden, heißt es.

Für die wirtschaftlich unter Druck stehenden Clubs wären legale Open-Air-Partys immerhin ein kleiner Lichtblick - zugleich würden damit ausufernde Feiern wie zuletzt am Wochenende in der Neuköllner Hasenheide aber auch Anfang Juni auf dem Landwehrkanal ihren Reiz verlieren.

Die Clubs bekommen dabei durchaus politische Unterstützung. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte die Bezirksbürgermeister bereits in der ersten Juli-Hälfte um Hilfe gebeten. "Bisher gibt es noch keinen offiziellen Rücklauf", hieß es dazu am Montag aus der Wirtschaftsverwaltung.

Pop bat in ihrem Schreiben an die Bezirke um Unterstützung der Idee, für legale Veranstaltungen der Club-Betreiber öffentliche Flächen schnell und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen. Auch die Clubcommission Berlin ist für legale Techno-Partys im Freien. Die wilden Partys seien Ausdruck davon, dass es zurzeit keine Möglichkeit für Menschen gebe, sich zu treffen und zu tanzen, sagte Clubcommission-Sprecher Lutz Leichsenring der "taz".

Die Clubcommission hat eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wo in den Bezirken entsprechende Veranstaltungen möglich sein könnten. Dazu gebe es im Laufe dieser Woche Gespräche, teilte Leichsenring am Montag mit.

"Vorhersehbare Schäden" - Skepsis in den Bezirken

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Neukölln, Falko Liecke (CDU), sagte am Montagabend im rbb, er begrüße grundsätzlich Open-Air-Parties auf ausgewiesenen Flächen. Allerdings seien die Veranstalter "maßgeblich in der Pflicht", die Einhaltung der geltenden Corona-Regeln sicherzustellen. Außerdem müsse auch das Grün der Bezirke geschützt werden. Für die Hasenheide gebe es seit langem einen Bewirtschaftungs-Vorschlag.

In Spandau herrscht gegenüber der Idee, Partys auf bezirkseigenen Grünflächen zu veranstalten, ebenfalls eher Skepsis. Anfang Juli hatte die Polizei in Haselhorst auf einem offiziellen Testgelände für spontane Freiluftparties das H13-Festival aufgelöst - wegen einer fehlenden Genehmigung.

Auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg teilte auf Anfrage mit, Grünanlagen seien zu schützen und schonend zu benutzen. "Ihre kommerzielle Nutzung ist nicht umsonst. Bei größeren Veranstaltungen mit unbestimmtem Personenkreis sind die vorhersehbaren Schäden zu groß, als dass man sie hinnehmen könnte." Sie müssten vom Veranstalter entsprechend bezahlt werden.

Oft kommt es auch im Detail zu Schwierigkeiten: Die von der Clubcommission vorgeschlagene Grünanlage Marienhöhe in Tempelhof etwa sei ein Gartendenkmal, das wegen baulicher Mängeln derzeit abgesperrt sei. Eine umfangreiche Sanierung werde geplant. "Insofern steht dieses Gelände nicht zur Verfügung.

Friedrichshain-Kreuzberg zählt nicht zu den Bezirken auf der Liste. Aus Sicht des Bezirksamtes existieren dort aber auch keine geeigneten Flächen, wie eine Sprecherin am Montag erklärte. Andere Bezirke wie Charlottenburg-Wilmersdorf wollen sich mit dem Thema erst noch befassen.

Einnahmen "sinnvoller als jede einmalige Finanzspritze"

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja erinnerte daran, dass die Zeit dränge: "Organisierte Partys auf Grünflächen sind, wenn dabei alle Hygieneschutzmaßnahmen eingehalten werden, eine gute Lösung. Die darf nur nicht - wie so vieles in dieser Stadt - am Behörden-Hickhack scheitern", hieß es in einer Mitteilung. "Wenn Genehmigungen bis zum Herbst auf sich warten lassen, ist damit niemandem geholfen." Den Clubs Möglichkeiten zu geben, wieder Einnahmen zu erwirtschaften, sei aber "sinnvoller als jede einmalige Finanzspritze".

Florian Falkenhagen vom "Cassiopeia" hatte vor kurzem erklärt, inwiefern eine Öffnung der Clubs etwa mit Abstandsregeln sie erst recht finanziell in den Ruin treiben würde: "Wir brauchen ja auch eine gewisse Anzahl an Personen, um überhaupt unsere Kosten decken zu können. Und mit 1,50 Metern Abstand schaffen wir das nicht. Meine Angst ist, dass gesagt wird, ok, ihr könnt unter den und den Auflagen aufmachen, und das war's jetzt mit der Unterstützung." Nicht nur Falkenhagen hofft, dass die Clubs solange geschlossen bleiben, "bis es tatsächlich ein Konzept gibt, dass sowohl die Sicherheit der Menschen als auch die wirtschaftliche Sicherheit der Clubs sichert".

Sendung: rbb24, 27.07.2020, 21.45 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    Da können wir, als ältester Rockclub der Welt, der an ein und derselben Stelle steht und Geburtsstätte der Ärzte war, nur lachen, Uns wurden, zwecks Frei Versanstaltiungen, niur Knüppel vom Ordnungsamt in den Weg geworfen.

  2. 21.

    Dann darf man nicht in der Stadt wohnen, vor allem nicht in Berlin - eine Stadt die nie schläft. Ich arbeite auch im Schichtdienst und gehe gerne feiern! Bewegung, einfach alles raus tanzen.

  3. 19.

    Ich bin ebenfalls dagegen. Ich finde im Victoriapark schon oft genug Rückstände nächtlicher Aktivitäten und Versuche meine Tochter davon fern zu halten. Eine offizielle Verlagerung in die ohnehin desolaten Parkanlagen halte ich für verfrüht und viel zu kurzfristig gedacht. Für die Unternehmer Tür es mir leid. Es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt um über so etwas zu diskutieren. In den Öffis kommen dann spätestens doch alle wieder in geschlossenem Raum zusammen und das Lauffeuer nimmt seinen Anfang.

  4. 18.

    Ich finde es sehr bedenklich, dass in der jetzigen Ausnahmezeit einige meinen sie könnten sich über alle Massnahmen zur Pandemieeingrenzung hinwegsetzen. Dieses asoziale Verhalten sollte nicht noch unterstützt werden. Vor allem sollte darauf geachtet werden, dass unsere Grünanlagen - die ja sowieso unter dem Klimawandel und der reduzierten Pflege leiden - nicht durch Parties vermüllt und zerstört werden.
    Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Stadt und sorgen jedenfalls für ein (noch) erträgliches Klima.

  5. 17.
    Antwort auf [D.W.R.] vom 28.07.2020 um 08:19

    Ein sehr guter Kommentar, denn diese Frage stellen wir uns schon sehr lange, Stadtparks, die mit sehr viel Geld gepflegt und gereinigt werden, werden doch jetzt bereits verhunzt von gewissenlosem Volk. Der Dreck wird trotz sehr vielen Mülleimern und ausserordentlichen Reinigungen immer wieder einfach in den Teich und Sträuchern oder einfach auf den Weg fallengelassen......Das Neueste....es werden Baumstämmer mit Parolen besprüht!!!!!!

    Und nun noch mehr Party mit Beschallung geht ja garnicht...es gibt noch Menschen, die im Schichtsystem auch am Wochenende arbeiten müssen ...die können und dürfen ja dann nicht mehr schlafen, oder??.

  6. 16.

    Das ist doch praktisch gar nicht möglich.,
    hat man ja oft genug in letzter Zeit erleben müssen.
    Da für sind die meisten Partygeher gar nicht displizierniert genug.
    Es fehit einfach an der Einstellung der Menschen.
    Muss man ja jeden Tag im öffentlichen Leben sehen.

  7. 15.

    Nun ja, die spanischen Strände wären ein Kandidat. Ohne Impfstoff sehe ich keine Lösung für die Clubs. Aber das dauert ja auch nicht mehr ewig…

  8. 14.

    Und darüber sind Sie sich auch schon zu hundert Prozent sicher. Dann warten Sie mal schön den nächsten Wintereinbruch ab. Denn darüber wird auch schon laut nachgedacht. Mein Vertrauen in die Wissenschaft, wo jeder zur Zeit seinen Senf dazugeben muß, hält sich stark in Grenzen. Solange keine vollständigen Tests durchgeführt werden, bin ich sogar noch misstrauischer geworden. Besonders was diese Partyjünger betrifft. Und ich gehöre nicht zu denen, die hier unnötige Panikmache verbreiten wollen.

  9. 13.

    Ich sehe es ähnlich wie Darwin: Evolution der Geschichte. Die stärksten werden überleben!
    Es gibt einfach zu viele Klubs und Szenekneipen. Die angeblichen Konzepte, Partys im Freien würden helfen, sind nichts weiter als Augenwischerei. Zuletzt gesehen auf der CSD - Party im Strandbad Grünau!
    Für mich sind die Vorschläge der Klubs nur der verzweifelte Versuch, ähnliche "Veranstaltungen", wie in der Hasenheide, zu legalisieren.

  10. 12.

    Reinickendorf hat jede Menge freie Flächen!
    Etwas Lebensfreude, Kultur und Multikulti würde dem Stadtbezirk gleichzeitig auch gut tun. Eine win-win-Situation sozusagen. Kommt her feiern!

  11. 11.

    Geeignet scheinen mir Recyclinghöfe oder Orte in unmittelbarer Nähe zu Müllentsorgern. Dann ist der ganze Plastik- und Glaswahnsinn der Feiernden an Ort und Stelle.

  12. 10.

    Es gibt doch sicher irgendwo in der Pampa eine Ferienanlage, wo sich die Spaßgesellschaft einquartieren und bleiben kann, da können sie abtanzen, saufen und rumknutschen, dann ist auch die Quarantäne gesichert und die hören endlich auf rumzuheulen.

  13. 9.

    Tempelhofer Feld geht nicht.

    Offiziell sicher, weil dort der Abstand nicht eingehalten werden kann und außerdem die Natur geschützt werden muss.

    Inoffiziell eher, weil schließlich der größte Teil des Feldes demnächst mit dem Schlachtruf "Wir brauchen Wohnungen" der Immobilienwirtschaft übergeben werden soll.

    Fürs Berliner Stadtklima stellen wir ja Kübelbäumchen auf. Angesichts dessen können wir das Tempelhofer Feld ruhig verwerten.

  14. 8.

    Sie haben leider Recht.
    Spätestens nach den Ferien geht es los.
    Dann wird wieder gejammert und nach finanzieller Hilfe gerufen.
    Aber Hauptsache Party.

  15. 7.

    Gibt es bisher eine einzige Freiluftveranstaltung, die zur Verbreitung von Corona beigetragen hätte? NEIN. Viele Virolog*innen bestätigen mittlerweile, dass eine Übetragungsgefahr in geschlossenen Räumen besteht, aber nicht an der frischen Luft.

  16. 6.

    Damit könnte ich mich ja auch anfreunden, aber wir sitzen immernoch mittendrin in der Corona-Pandemie. Bei solchen Partys gibt es einfach keine Abstandsregeln. Ganz im Gegenteil.

  17. 5.

    Das Tempelhofer Feld würde sich doch anbieten. Es ist Zeit für pragmatische Lösungen!!

  18. 4.

    In den Grünanlagen bitte nicht. Vielleicht könnte man zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen, Straßenkonzerte in Kreuzberg und der KFZ Verkehr verschwindet dafür.

  19. 3.

    Von mir aus, wenn die Ringelpietze dann JWD stattfinden und nicht in öffentlichen Parks und in der Nähe von Wohngebieten ...

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