Michael Kösling, Geschäftsführender Domprediger des Berliner Domes (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Schwere finanzielle Krise - Geschäftsführer des Berliner Doms tritt zurück

Der Berliner Dom gerät in der Corona-Krise in finanzielle Existenznot. Inmitten der prekären Situation ist nun der leitende Geschäftsführer, Michael Kösling, unerwartet zurückgetreten. Von Carsten Dippel

Der leitende Geschäftsführer des Berliner Doms, Michael Kösling, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das bestätigte er dem rbb.

Als leitender Geschäftsführer war Kösling auch für alle finanziellen Belange zuständig. Vor Corona habe sich das noch als machbare Aufgabe für den Domprediger angefühlt, sagte er. Nun jedoch sei es für ihn nicht mehr stemmbar gewesen. Vor der für alle unerwarteten Krise mit den wirtschaftlich katastrophalen Folgen für den Dom hat er kapituliert.

"Ich habe gemerkt in dieser Krise, die uns getroffen hat wie eine eiserne Faust, dass an der Spitze jemand sein muss, der die Kompetenzen hat, angemessen auf die Herausforderungen zu reagieren", sagte Kösling. "Das kann kein Theologe, das kann kein Pfarrer sein, der am Dom für ganz andere Aufgaben da ist."

Für die meisten Beteiligten kam der Schritt überraschend. Michael Kösling hatte das Amt als leitender Geschäftsführer des Berliner Doms erst vergangenen Oktober angetreten. Die Gemeinde wurde am Montag über den Rücktritt informiert. Leicht gemacht habe er sich die Entscheidung nicht, betonte er. Als einer von drei Dompredigern möchte er sich nun wieder ganz den Aufgaben als Pfarrer und Seelsorger widmen.

Prekäre Finanzlage durch Corona

Der Rücktritt Köslings wirft ein Schlaglicht auf die äußerst prekäre Situation des Berliner Doms. Unternehmerisch selbstständig, generieren sich seine Einnahmen weitgehend aus Spenden, Veranstaltungen, Eintrittsgeldern. Nur drei Prozent seines Sieben-Millionen-Jahresetats stammen aus Kirchengeldern. Durch die Corona-Einschränkungen sind nun fast 90 Prozent seiner Einnahmen weggebrochen - beinahe ein Totalverlust. Dabei sind die Aufgaben, auch die finanziellen, gewaltig. Zurzeit werden Dom und Hohenzollerngruft aufwendig saniert.

Eine solche Krise war Kösling zufolge nicht abzusehen. Man merkt dem engagierten Pfarrer an, wie wichtig ihm die geistlichen Aufgaben sind - und wie sehr ihn am Ende doch die Funktion als Geschäftsführers eines Quasi-Unternehmens in der Krise überforderte. Die Kirche am Lustgarten wird vom Domkirchkollegium geleitet.

Dessen Vorsitzender Stephan Harmening zeigte Verständnis für Köslings Schritt. Auch ihm bereite die prekäre finanzielle Lage des Doms Sorge, sagte er. Aber er sagte auch: "Wir dürfen nicht finanzielle Fragen unser Denken so dominieren lassen, dass wir andere, mindestens ebenso wichtige Themen vergessen. Wie erreichen wir unter den strengen Hygienebedingungen unsere Gemeinde? Wie helfen wir Menschen in ihrer Einsamkeit?"

Ein Profi wird gesucht

Bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin wolle man sich nun die nötige Ruhe geben. Gesucht wird jemand, der den schwer angeschlagenen Dom professionell durch diese Krise führen kann. Vielleicht ist der Rücktritt Michael Köslings auch ein Weckruf für alle Beteiligten, ganz grundsätzlich über Finanzierung und Aufgabe des Berliner Doms neu nachzudenken. "Das ist jetzt durch die Entscheidung auch eine Realität, dass das, was wir uns vor der Krise überlegt haben, nicht trägt und richtig ist", so Kösling.

Sendung: Inforadio, 01.08.2020, 7:00 Uhr

Beitrag von Carsten Dippel

2 Kommentare

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  1. 2.

    Als Mitglied der Domgemeinde stellt sich mir die Frage, warum der Berliner Dom einen seit 10 Jahren sehr erfolgreichen Geschäftsführer im Oktober 2019 vor die Domtür und einen Prediger als Geschäftsführer eingesetzt hat. Die Situation ist hausgemacht und nur zu einem sehr kleinen Teil auf Corona zurückzuführen

  2. 1.

    Respekt vor dem Rücktritt. Zu erkennen, dass man einer Aufgabe nicht gewachsen ist, zeugt von Mut und Stärke. Ich wünschte mir, dass sich manche* Politiker*in oder Führungskräfte in verschiedenen Bereichen ein Beispiel daran nähmen, bevor sie in Überschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten nur Schäden anrichten.

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