Blick vom sogenannten Mörderberg bei Blankenburg (Süd) in Richtung Hohenschönhausen. (Quelle: imago)
Video: Abendschau | 16.07.2020 | Nachrichten | Bild: imago

Berliner können Konzepte kommentieren - Planungsentwürfe für Blankenburger Neubaugebiet einsehbar

Berlinerinnen und Berliner können seit Donnerstag im Netz die Entwürfe für das neu konzipierte Wohngebiet im Pankower Norden einsehen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen stellte am Donnerstag die Seiten mit den vier Entwürfen vor.

Ein Stadtquartier mit bis zu 6.000 Wohnungen soll hier am Südrand von Blankenburg (Bezirk Pankow) entstehen, das bei seiner Fertigstellung einmal 10.000 bis 12.000 Menschen beherbergen kann, Es soll 40 Hektar Gewerbefläche bietet und mit mehreren Schulen, 600 Kitaplätzen, einer Bibliothek, einer VHS sowie Parks und Sportanlagen bieten.

Das alles solle nachhaltig angelegt werden unter Erhalt der existierenden Biotope, und die neuen Wohnungen sollen mit landeseigenen Unternehmen und Genossenschaften gebaut werden, kündigte der Berliner Staatssekretär für Wohnen, Sebastian Scheel (Linke), bei der Vorstellung der Entwürfe an: "Eigentumswohnungen haben wir nicht vor, das ist nicht das Thema."

Erst eine Bahn und dann der Bau

Doch bevor das alles gebaut wird, solle ein Grundproblem des Berliner Nordostens behoben werden, sagte der Pankower Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne): die teils katastrophale Verkehrsinfrastruktur. "Wir haben zum Teil Straßensysteme aus dem 19. Jahrhundert, fehlende oder ungenügende Anbindung an den Nahverkehr, von daher sind zuerst die Infrastrukturmaßnahmen notwendig."

Deswegen solle das neue Wohngebiet vor allem mit einer Tram erschlossen werden, sagte Staatssekretär Scheel. Die entsprechende Streckenführung werde gerade von BVG und Verkehrsverwaltung geprüft und eventuell werde im neuen Wohnquartier auch ein Tram-Depot entstehen müssen. "Vor allem aber müssen im angrenzenden Erholungsgebiet Gärten weichen", so Scheel. Hier strebe man an, Tauschgrundstücke anzubieten.

Bis die Bagger rollen, werden Scheel zufolge aber noch Jahre vergehen. Eine Entscheidung über den endgültigen Masterplan für den Blankenburger Süden werde wohl nicht vor 2022 fallen. Danach seien zahlreiche weitere Detailplanungen nötig. Ein möglicher Baubeginn liege nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen darum auch nicht vor 2030.

Die einzelnen Pläne weisen zahlreiche Unterschiede aus

Mit den vier Arbeiten verschiedener Planungsbüros lägen nun vier Entwürfe vor, wie das Stadtquartier zwischen Blankenburg und Heinersdorf aussehen könnte. Doch Scheel schränkt hier auch wieder ein: "Keiner dieser Testentwürfe wird jetzt der eine sein, sondern es wird vor allem darum gehen, eine Grundrichtung zu bekommen."

Im Detail gibt es jeweils zahlreiche Unterschiede, etwa in der Frage, wo das geplante Gewerbegebiet seinen Platz bekommt, wie viele Schulen und Kitas es geben soll und auch die Zahl der Wohnungen schwankt in den Entwürfen zwischen 5.300 und 6.000. Selbst die Frage, wie hoch hinaus es in dem neuen Stadtquartier gehen darf, das zum Großteil auf landeseigenen Flächen entstehen soll, beantworten die Planer sehr unterschiedlich: So sieht ein Entwurf vor, maximal sechs Geschosse zuzulassen, bei einem anderen könnten es auch 15 sein.

Pläne auf mein.Berlin.de einsehbar bis Mitte August

Auf der Plattform mein.Berlin.de können Berlinerinnen und Berliner sich die Entwürfe nun ansehen, Kommentare dazu abgeben oder Fragen an die Planungsteams stellen. Die Umfrage zu den Entwürfen läuft bis zum 15. August.

Die Ergebnisse sollen anschließend zusammengefasst und diskutiert werden. Die Schlussfolgerungen daraus bekommt die Senatsverwaltung. Voraussichtlich Anfang 2021 soll ein Struktur- und Nutzungskonzept als Grundlage für die weitere Planung vorliegen. Welche Ideen der Planungsbüros umgesetzt werden, müssen dann Senat und Abgeordnetenhaus beschließen.

Sendung: rbb88,8, 16. 7. 2020, 13 Uhr

Mit Informationen von Sebastian Schöbel

8 Kommentare

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  1. 8.

    Die Freifläche ist ein Glyphosatfeld, braucht also keiner. Lieber auf so einem Feld bauen, statt richtige Natur zu zerstören.

  2. 7.

    Sinkende Mieten kommen von einer sinkenden Einwohnerzahl/Nachfrage. Zumal die öffentlichen Mieten doch bezahlbar sind und Berlin eine der billigsten Stände ist. Diese Wohnungen sind nur all zu oft mit Gutverdienern fehl belegt. Es können nicht alle Wohnungen für gering betuchte Mieter Reserviert sein. Es gibt auch gut qualifizierte und erfolgreiche Menschen, die sich zu Recht mehr Annehmlichkeiten und ja, auch mehr Luxus wünschen und dies auch bezahlen wollen.
    Nimmt man alle knapp 2 Mio Berliner Wohnungen und zieht davon das selbst genutzte Eigentum ab, dann verbleiben mit öffentlichen, genossenschaftlichen und geförderten Wohnungen rund 50% im bezahlbaren Bereich der Mietwohnungen. Und von den anderen 50% des freien Marktes nimmt auch nicht jeder Vermieter hohe Mieten. Die deutsche Wohnen nimmt durchschnittlich knapp 7 Euro (350 bei 50qm). Das bedeutet manche Wohnungen liegen drüber und andere drunter.

  3. 6.

    Tja und nun, der RBB hat es veröffentlicht. Warum auch nicht, wir leben ja auch nicht mehr in der DDR und das ist gut so!

  4. 5.

    stimmt!
    Da wo was neues hin soll stehen bereits bewohnte Gärten / Häuser...

    Schon unglaublich was hier alles passiert, ohne das es jemand außerhalb dieser Politik befürwortet.

  5. 4.

    Was für schreckliche Vorschläge. Nach den Erfahrungen mit Retortensiedlungen wie Marzahn, Märkisches Viertel oder Gropiusstadt, sollte man doch man meinen, Stadtplaner würden schlauer. Aber weit gefehlt. Ohne Feingefühl für die Umgebung und die Verkehrssituation soll unter allen Umständen eine neue Kleinstadt aus dem Boden gestampft werden. In einer von Gärten, freier Landschaft/ Feldern, Freizeitflächen und Einfamilienhaussiedlungen geprägten Umgebung, eingezwängt zwischen zwei bereits jetzt hoffnungslos überlasteten Pendlerstraßen und einer immer vollen S-Bahn soll nun wieder solch eine Siedlung hochgezogen werden. Mein Nein zu allen vier Vorschlägen ist sicher. Auf dem Tempelhofer Feld wäre noch Platz. Citynah, verkehrstechnisch bereits voll erschlossen und derzeit Betonwüste mit ein wenig Grün.

  6. 3.

    ... Seit jahren wird seitens der Politik deutlich gemacht, das mehr gebaut werden muss (Wahlprogramm 2015 der Linken / SPD und Grüne). Nur so können die Mieten in der Stadt sinken. Wenn die Planung so lange dauert und der Baubeginn frühestens 2030 startet ... das hat mit Planung nichts mehr zu tun. Das sind von Steuern bezahlte Beschäftigungsprogramme für die Verwaltung. Will di eBauverwaltung nun aktiv etwas ändern oder nicht? ... Berlin schafft sich ab, leider! Soll mein Sohn (10 jahre alt) schon mal jetzt einen WBS beanragen, damit er in 20 Jahren eine bezahlbare Wohnung findet? Das ist doch ein Witz, oder? Häten voer 100 Jahren die Politiker der Stadt keine Visionen gehabt, hätten wir keine U-Bahn, keine Infrastruktur ...

  7. 2.

    BESCHÄMEND das RBB hier ein freies Feld abbildet !!!

    Das es bei diesem Projekt aber um Menschen, deren Kleingärten, teilweise Einfamilienhäuser geht , die dafür weichen müssten obwohl es rundum genügend Freiflächen gibt, davon wird nicht eine Silbe erwähnt !!!

    Schämt Euch RBB !!!

    Aber vermutlich wird mein Artikel eh nicht veröffentlicht, Kritik ist vom RBB wie schon zu DDR Zeiten nicht gern gesehen, und genauso verhalten sich die Moderatoren hier !!!

  8. 1.

    Ja, immer nur zu und die letzten Freiflaechen zubetonieren.

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