Festivalbesucher vor der Bühne (Quelle: Hendrik Schröder/rbb)
Audio: Inforadio | 03.07.2020 | Hendrik Schröder | Bild: rbb/Hendrik Schröder

Konzertkritik | Kayef in Niedergörsdorf - Hauptsache wieder Festival-Stimmung

Nach Lockerung der Corona-Auflagen sind Open-Air-Veranstaltungen in Brandenburg und Berlin wieder möglich. Unter großen Sicherheitsauflagen startete jetzt in Niedergörsdorf das Festival "Addicted to Music". Den Auftakt machte Kayef. Von Hendrik Schröder

Allein die Zufahrt über einen holprigen Waldweg zum alten Flugplatz in Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) macht schon Lust auf Festival-Stimmung. Dann taucht hinter der letzten Kurve eine echt große Bühne auf, auf der Kayef singen soll - und das Herz schlägt etwas schneller. Am Gelände teilen Ordner die Autos auf verschiedene Parkflächen auf, durch mehrere getrennte Eingänge gehen die Fans rein, damit sich möglichst wenige nahe kommen. Innen stehen in mehreren Blocks schwarze Plastikstühle, paarweise, alle mit genau 1.60 Meter Abstand. Es gibt mehr Dixie-Klos als sonst, an jeder Ecke kann man sich die Hände desinfizieren, das Ordnungsamt ist da und schaut sich alles genau an.

Auf dem Gelände herrscht Maskenpflicht, an den Plätzen aber nicht - und sitzen bleiben muss man auch nicht. Das ist super, denn so kann man atmen und was trinken und sogar auf der Stelle tanzen. Wochenlang hatten die Veranstalter an dem Konzept getüftelt, weil sie unbedingt irgendwie was auf die Beine stellen wollten.

Ein besonderer Abend

Alle an diesem Abend wirken so happy, dass endlich wieder was los ist. Die Zuschauer, die Musiker, sogar die Security-Leute. Alle sind total nett zueinander und haben sich offenbar vermisst.

Wahnsinnig viele Zuschauer sind am Eröffnungsabend nicht da, vielleicht 150 oder 200, die ganz große Nummer ist der Düsseldorfer Sänger Kayef nicht - oder nicht mehr -, aber die Stimmung ist riesig. Die Fans sind größtenteils weiblich und unter 20, nicht wenige wurden von ihren Eltern hergefahren erzählt ein Ordner. Nach dem zweiten Song sitzt fast niemand mehr, Arme wedeln durch die Luft. Fast unwirklich erscheint das nach dem langen kulturellen Lockdown, aber: so schön. Die Anlage ist enorm, der Bass drückt schön. Große helle Videowände stehen an den Seiten. Das alles wirkt eine Nummer zu groß, aber wenn später im Sommer die bekannten Namen kommen, wie Nena und Culcha Candela, ist die dicke Technik vielleicht ganz nützlich.

Cheesy Songs toll gespielt

Kayef ist übrigens ein netter blonder Junge im grauen Shirt, der oft der deutsche Justin Bieber genannt wird. Kayef ist aber viel sympathischer als Bieber. Seine Songs sind ein bisschen cheesy, thematisch passen sie gut in die Jahre in und nach der Pubertät.

Live gespielt und mit einem tollen Schlagzeuger kommt das aber sehr gut rüber - und singen kann er auch. Aber eigentlich ist die Art der Musik fast egal an diesem Abend. Hauptsache Musik, live, mit anderen, hören, fühlen, gucken. Was hat das gefehlt!

Beitrag von Hendrik Schröder

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3 Kommentare

  1. 3.

    Kompliment an die Veranstalter!
    Durchdachtes mit viel Liebe umgesetztes Konzept unter den fast unmöglichen Bedingungen.
    Massiver, guter Sound, tolles Lichtdesign.
    Muß man unbedingt weiterempfehlen.
    Respekt vor dem Mut, solch ein Konzept so umzusetzen.

  2. 2.

    Natürlich ist das nicht das, wovon Alle träumen.
    Aber es ist das, was maximal möglich ist.
    Man kann meckern (haste schön gemacht) oder sich freuen, dass man nicht zu Hause sitzen muss und sich nur Streams angucken darf.
    Nein, es ist nicht optimal, aber ja, es ist!

  3. 1.

    Also da wird wohl was schön geredet, was gar nicht ist. Live Konzerte gehen anders... keine Frage, die Bands und Veranstalter geben sich sicher große Mühe, aber so? Nein, muß man nicht haben.

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