Marina Dammekens dirigiert den Chor «RiPiTiKi» im Rahmen der Fete de la Musique am 21.06.2020 in der Crellestraße in Berlin-Schöneberg. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 22.07.2020 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Christoph Soeder

Corona-Auflagen für Chöre - Berliner Senat kippt Singverbot in Räumen

Musikverbände und die evangelische Kirche kritisieren das Chorverbot als unverhältnismäßig. Nun denkt der Berliner Senat um und will mit den Chören neue Standards erarbeiten, um trotz möglicher Corona-Aerosole das Singen mit geringem Risiko zu ermöglichen.

Nach lautstarker Kritik hat der Berliner Senat den Chorgesang in geschlossenen Räumen wieder erlaubt. Der gemeinschaftliche Gesang sei wieder möglich, wenn die Hygiene- und Infektionsschutzstandards der Kulturverwaltung eingehalten würden, sagte Senator Klaus Lederer (Linke) am Dienstagabend.

Zuvor hatte der Senat eine entsprechende Änderung der Corona-Regelung auf Lederers Vorschlag hin beschlossen. Eine aktualisierte Pandemie-Verordnungen vom 23. Juni hatte das Chorsingen in Berlin bis Ende Oktober verboten.

Am Nachmittag hatte sich Lederer mit Vertretern des Berliner Chorverbands, des Landesmusikrats, der Kirchen und der Rundfunkchöre getroffen, um gemeinsam einen Weg für das gemeinschaftliche Singen wieder zu ermöglichen. Sie wollen die neuen Standards kurzfristig gemeinsam erarbeiten und abstimmen.

Viren verbreiten sich durch Aerosole besonders gut

Beim Gesang sei besondere Vorsicht nötig, da die Viren besonders durch Aerosole verbreitet würden, sagte Lederer. In Fragen über den größtmöglichen Schutz und dem vertretbaren Risiko einer vorsichtigen Öffnung könne es zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, die nicht allen gefallen oder nicht mit allen abgestimmt werden. "Mit dieser Kritik muss ich umgehen - und aus ihr lernen", so der Senator. Umso wichtiger sei, dass man nun einen Weg gefunden habe, über Lösungen und neue Ideen zu beraten.

Musikverbände und die evangelische Kirche hatten das Chorverbot als unverhältnismäßig kritisiert. Unter Wahrung von Hygienevorschriften sei der gemeinschaftliche Gesang in geschlossenen Räumen sehr wohl möglich, hieß es.

Beim Singen können sogenannte Aerosole, also Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Dies haben Wissenschaftler der Universitätskliniken München und Erlangen in einer Versuchsreihe mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks (BR) entdeckt.

In Brandenburg längst möglich

In Brandenburg ist das Chorsingen in geschlossenen Räumen schon länger grundsätzlich wieder möglich. Allerdings müssen die Sängerinnen und Sänger einen Mindestabstand von 1,5 Meter zueinander einhalten, außerdem müssen die Räume regelmäßig gelüftet werden. Zudem müssen Listen über die anwesenden Personen geführt werden, um eine Kontaktnachverfolgung zu ermöglichen.

Sendung: Inforadio, 21.07.2020, 18 Uhr

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28 Kommentare

  1. 28.

    Die Meldung suggeriert, dass gesungen werden darf, das ist aber nicht so, denn das Hygienerahmenkonzept ist immer noch nicht ausformuliert und dort hat man dann versteckt, dass weiterhin nicht gesungen werden darf. Auf meine Mail, wann denn nun etwas zu erwarten ist und "warum singen in Berlin gefährlicher ist als in Brandenburg und Bayern" gab es auch keine Antwort.

  2. 27.

    Auch bei Familientreffen müssen 1.5 Meter Abstand gehalten werden und es gilt weiterhin, dass man sich mit so wenig Menschen wie möglich treffen soll. Und die Straße mit geschlossenen Räumen zu vergleichen - das müsste doch auch Ihnen als kompletter Unsinn einleuchten, oder? Falls nicht, kann ich Ihnen leider auch nicht weiterhelfen.

  3. 26.

    Ich gehe in den Gottesdienst, um Gott zu dienen. Für mich ist da der Name Programm.
    Und Gott ist es sch....egal, ob ich das singend mache oder mal ein paar Wochen den Mund halte.

  4. 25.

    Endlich mal eine vernünftige Antwort
    In Brandenburg und sogar in Bayern darf schon seit geraumer Zeit wieder in geschlossenen Räumen unter Hygieneauflagen gesungen werden
    Und richtig, wie oben ein Mitstreiter schrieb - gehen wir nicht zur Chorprobe, wenn wir uns krank fühlen
    Wer Singen verbietet , schränkt die kulturellen Befindlichkeiten in dieser Stadt ein
    Aber ein Chorsänger , wie ich einer bin, wird sich dieses ungerechte Vorgehen der Politiker für die nächste Abgeordnetenhauswahl merken
    Hochachtungsvoll, liebe Leute

  5. 24.

    Man kann doch singen, stellt man sich weiter auseinander und singt einfach lauter.
    Außerdem wen interessiert das egoistische Hobby-Gesinge überhaupt? ist das (über-)lebenswichtig?
    Sollen sich am Feldweg treffen und können singen bis der Arzt kommt.

  6. 23.

    Das Grundproblem scheint das Staatshaftungsgesetz zu sein. Eigentlich eine sinnvolle Angelegenheit, doch wer das bis zum Letzten treibt, ist das in sich kontraproduktiv. Eine Heerschar von Rechtsanwälten ist im Begriff, genau das zu tun.

    Selbstverständlich muss ein Staat, der Anlagen errichtet, auch dafür sorgen, dass sie funktionieren und nicht zu Unfällen führen. Tendenziell wird aber die Verantwortung umgedreht: Der Staat ist für alles verantwortlich, was er nicht ausdrücklich verboten hat. Insofern kämen ggf. massive Schadenersatzforderungen auf staatliche Institutionen zu, wenn sie nicht einschlägig gewarnt, einschlägig verhindert und einschlägig verboten haben.

    Dass ein naturbelassener Weg zuweilen abschüssig verläuft, ist so. Ist er als zertifizierter Weg ausgeschildert, muss davor per Schild gewarnt werden.

    Das Singen geschieht in angemeldeten Räumen und bei Führen von Listen. Alle Namen sind registriert. Das ist die Logik hinter den Verboten.

  7. 22.

    Wie all zu viele verwechseln Sie m. E. das Recht und die Pflicht, etwas zu tun.
    Singen ist mithin jedem Menschenin einer Gruppe erlaubt, der sich als gesund empfindet und alle bisherigen Regeln beachtet. Niemand ist in der Tat verpflichtet, zu singen. Ebensowenig wie dort, wo als Höchstgeschwindigkeit "70" steht, mindestens "70" fahren zu müssebn. Jede Geschwindigkeit darunter ist in Ordnung, jede Geschwindigkeit darüber nicht.

    So ist es künftig und zum Glück auch beim Singen.

  8. 21.

    Absolut richtig, Herr Steinwald! Ihre Empfehlung setzt zutreffend voraus, dass es das unbedingte Recht und deshalb die freie Entscheidung der/des Einzelnen sowie der Chorleiter ist, zu singen, wann, wo und wie sie es für richtig halten! Wer krank ist, kann und soll zu Hause bleiben, ganz unabhängig von "Corona". Und wer Sorge hat, sich beim Singen anzustecken, muss doch nicht hingehen! Das war immer schon so! Das ist auch die Rechtslage, hier und heute und jetzt - und nicht das völlig absurde "Singverbot". Die gegenwärtige Berliner Verwaltung hat, vom eklatanten Verfassungsbruch ganz abgesehen, aus peinlich-hilflosem Aktionismus einen an Lächerlichkeit kaum zu überbietenden Schildbürgerstreich hingelegt. Das wird ihr noch lange anhängen!

  9. 20.

    Da auch laut WHO die Ansteckungen durch kranke Menschen mit Symptomen und großer Nähe entstehen, empfehle ich, dass alle Kranken zu Hause bleiben und gesund werden. Übrigens bei jeder (ansteckenden) Krankheit sollte man nicht zum Chor gehen... :)

    http://www.emro.who.int/health-topics/corona-virus/transmission-of-covid-19-by-asymptomatic-cases.html

  10. 19.

    Ich verstehe es nicht.
    Beim Singen werden die meisten Tröpfchen und Aerosole ausgeschieden.
    Warum sollen dann alle Freizeitsänger, die dies nur zum Spaß machen, wieder drinnen singen dürfen ?

    Bei Berufssängern kann ich verstehen, dass man den Fall anders betrachtet, aber bei Freizeitsängern ?
    Wird man schwer krank, wenn man vorübergehend nicht mehr im Chor singt ? Haben wir nur noch Depressive, wenn Singen im Moment nur draußen erlaubt ist ? Irgendwie erschließt sich mir die Verhältnismäßigkeit nicht.

  11. 18.

    Es geht her nicht um einen "Grundrechtskonflikt", sondern darum, dass das Grundgesetz als "unmittelbar geltendes", die Verwaltung "bindendes" Recht den Bürgern Freiheiten garantiert, darunter solche, die keinen vorbehaltenen Einschränkungen unterliegen: Art. 4 Abs. 2 (ungestörte Religionsausübung); Art. 5 Abs. 3 (Freiheit der Kunst). Niemandes Grundrechte werden beeinträchtigt, wenn gemeinsames Singen stattfindet! Kein Kultursenator hat das Recht, kurzerhand das Singen zu verbieten - aus welchen Gründen auch immer!

  12. 17.

    Wie gut, daß ich niemanden näher kenne, der und die im Chor singt.

  13. 16.

    @EdDellian
    Es wurden schon immer verschiedene Grundrechte gegeneinander abgewogen, wenn es zu "Zielkonflikten" kam. Das ist u.a. das tägliche Brot des Bundesverfassungsgerichts. Und oft genug - und das hat hier der Verordnungsgeber erst einmal so entschieden - wird das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit über andere Grundrechte gestellt. Denn wenn erst einmal jemand durch eine pandemische Erkrankung zu Tode gekommen ist, nützt ihm das Grundrecht auf persönliche Entfaltung nicht mehr viel, das ein anderer für sich in Anspruch genommen hat.

    @Kopfschüttler (09:49 Uhr)
    Wenn es diese ganzen Maßnahmen schon bei der Spanischen Grippe gegeben hätte, würden wir sie jetzt nicht mehr als drohenden VErgleich heranziehen.


  14. 15.

    Sehe ich auch so genauso.
    Z.B. Mannschaftssport, diese Rumgespucke/-gesprühe sieht man unter Stadion-Flutlicht genau. Man braucht sich nur Fussball-Zeitlupen im TV anschauen, sie sprühen unbewusst sich mit Spucke regelrecht ins Gesicht. Deswegen würde ich auch Joggen unter 5m Abstand zu Fußgängern im Park verbieten. Das alles ist wieder erlaubt, ich glaube unsere Politiker sind alle unfähig und keine echte Lebenserfahrung.

  15. 14.

    Wieder einmal der Beweis, dass Politik und Kirche nicht vermischt werden dürfen! Beim gemeinsamen Singen in geschlossenen Räumen besteht einfach eine Infektionsgefahr - egal ob Schulchor, Kirchenchor, Seemannschor. Und ich hoffe doch, dass vor allem die Kirche regelkonform in dieser Pandemie handelt und das Gemeinwohl an erster Stelle sieht?!

  16. 13.

    Es ist ein enormer Unterschied, ob man draußen oder in geschlossenen Räumen ist. Sie müssen ja auch draußen im Freien, solange der Abstand eingehalten werden kann, keine Maske tragen. Draußen ist die Gefahr mit den Aerosolen sehr gering. Auch kommt hinzu, dass beim Singen viel mehr Aerosole abgegeben werden als beim Sprechen. Der Vergleich mit der Schwester hinkt also.

  17. 12.

    Das Sing-Verbot verstößt zweifelsfrei gegen unmittelbar geltendes, die Senatsverwaltung bindendes (Art. 1 Abs. 3 GG)Verfassungsrecht: Art. 2 Abs. 1 GG (freie Entfaltung der Persönlichkeit); Art. 4 Abs. 2 GG (ungestörte Religionsausübung); Art. 5 Abs. 3 (Kunst und Wissenschaft sind frei); Art. 8 Abs. 1 GG (Versammlungsfreiheit). § 5 Abs- 1 der maßgeblichen Hygieneverordnung vom 23. Juni 2020 ist deshalb von Anbeginn an nichtig und begründet deshalb keinerlei Rechtspflichten für irgend jemanden. Rechtswidrig handelt also nicht, wer singt, sondern rechtswidrig handelt - d. h. die Verfassung und seinen Amtseid bricht! - wer von Amts wegen das Singen verbieten will!

  18. 11.

    wenn es die aresole sind dann frag ich mich warum dürfen wir denn noch auf die strasse gehen da stossen wir es doch auch aus oder wenn man mal bei arzt ist und die schwestern auch keien maske habe oder im schwimmbad mal dichter kommt was für ein blödsinn und zu hause dürfen familien sich treffen

  19. 10.

    "Im Umkehrschluss bedeutet das,die Maßnahmen haben nicht zur Verhinderung der Verbreitung beigetragen."

    In etlichen Fällen lassen sich Umkehrschlüsse sehr wohl ziehen, in etlichen anderen Fällen nicht. Dass ein Mensch durch Lottospielen Millionär werden kann, heißt im Umkehrschluss bspw. nicht, dass es außerhalb des Lottospielens keine Millionäre gibt.

  20. 9.

    Ich finde es gut dass Berlin, zwar mal wieder als eine der Letzten, das Chorsingen erlaubt.
    Es drängt sich natürlich die Frage auf, warum andere Freizeitaktivitäten mit MNS tragen weiterhin eingeschränkt bleiben, auch wenn ein Mindestabstand eigehalten wird.

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