13.07.2020, Berlin: Monika Grütters (CDU), Kulturstaatsministerin, und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Abendschau | 13.07.2020 | Florian Eckardt | Bild: dpa/Christoph Soeder

Komplettumbau geplant - Grütters will Preußen-Stiftung in drei bis fünf Jahren reformieren

Die Kulturstaatsministerin will eine der größten Kultureinrichtungen der Welt innerhalb von drei bis fünf Jahren umbauen. Ein Großprojekt, dem Bundestag und Bundesrat zustimmen müssten. Der Stiftungspräsident würde dadurch wohl seinen Posten verlieren.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) innerhalb von drei bis fünf Jahren reformieren. Das sagte sie am Montag bei der Vorstellung eines Gutachtens des Wissenschaftsrats, das die Auflösung der Kulturstiftung empfiehlt, welche zu den größten der Welt zählt.

Das Gutachten sei ein "erster, sehr wichtiger Schritt, um die Stiftung zukunftsfest zu machen", sagte Grütters. Für die Reform wolle sie beim Bundestag werben - dieser und der Bundesrat müssten dem Umbau zustimmen.

Grütters: Arbeitsplätze nicht gefährdet

Nach einer zweijährigen Evaluation der Stiftung schlägt der von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat vor, die Bestände der SPK auf vier separate Stiftungen zu verteilen: die Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv sowie das Ibero-Amerikanische Institut. Sie sollen jeweils eine eigene Leitung erhalten, die selbst über Budget und Personal bestimmen kann.

Grütters betonte, dass keine Arbeitsplätze gefährdet seien - man bräuchte in Zukunft eher mehr als weniger qualifizierte Mitarbeiter.

Grütters will mehr Geld vom Bund

Die Vielzahl der Institutionen führe zu einer "strukturellen Überforderung" der Stiftung, begründete die in Dresden lehrende Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler am Montag. Sie hatte Arbeiten an der Studie für den Wissenschaftsrat geleitet. Münkler will vor allem für die kritisierten Museen "die Handlungsspielräume erweitern". Mit den "Sammlungen von Weltrang, die für internationales Publikum von höchstem Interesse sind", werde "das Potenzial derzeit nicht hinreichend ausgeschöpft". Als Ursache sieht der Wissenschaftsrat strukturelle Rahmenbedingungen und nicht ausreichende finanzielle Ausstattung.

Auf Empfehlung des Wissenschaftsrats sollen die Länder, welche derzeit im Stiftungsrat vertreten sind, nur noch bei den Museen mit verhandeln und die drei anderen Sparten dem Bund überlassen, der dann auch den kompletten Haushalt - der nach den Vorstellungen Grütters wächst - stemmen soll. Durch die Empfehlungen des Wissenschaftsrats sehe sie Rückenwind dafür beim Bundestag und beim Bundesfinanzminister.

Aktuell finanziert nach Angaben der SPK der Bund zu 75 und die Länder zu 25 Prozent die Stiftung. Fraglich ist, ob die Bundesländer bereit sind, auf ihren Einfluss zu verzichten. Und würde sich Stiftungspräsident Hermann Parzinger dagegen wehren, dass sein Amt abgeschafft wird?

Reaktionen Stiftungspräsident und Generaldirektor der Museen

Am Montag sagte er, er sehe in den Empfehlungen eine "riesige Chance", die Strukturen müssten "tiefgreifend verändert werden", um "neue Gestaltungsspielräume zu schaffen". In der rbb-Abendschau ergänzte er: Die Frage zu stellen, wie man das anders organisiert, dass es effizienter wird, ist legitim." Die Verbesserung der Stiftung sei eine Frage des Geldes und der Strukturen.

Gleichzeitig gab Parzinger zu Bedenken, dass eine radikale Veränderungen den Blick von außen, den Wissenschaftsrat, benötige. In der Pressekonferenz warnte er davor, "den übergreifenden Mehrwert nicht aus den Augen zu verlieren". Eine Auflösung der Stiftung sei kein Selbstzweck. Parzinger begrüßte aber nachdrücklich mehr Gestaltungsspielräume für die Direktoren der einzelnen Museen.

Zur Gefährdung seines eigenen Postens als zentraler Stiftungspräsident sagte er in der rbb-Abendschau: Das ist eignetlich gar nicht so tragisch. "Im Wesentlichen geht es darum, dass man die Stiftungen weiterentewickelt, [...] und das ist alle Mühe wert." Zudem hatte Grütters ihm am Mittag versichert, "auf dem Weg, den wir einschlagen, immer auf unserer Seite wissen" zu wollen.

Der Generaldirektor der Museen, Michael Eissenhauer, sagte, er sehe in den Strukturempfehlungen des Wissenschaftsrates "Orientierung und Ansporn für einen zukunftsfähigen Weg, auf dem wir uns von innen heraus reformieren und die gesellschaftliche Relevanz unseres Auftrages neu- und weiterdenken können". Ziel seien neue Struktur und Ausstattung, "mit denen wir an internationale Museumsentwicklungen anschließen können", hieß es in einer Stellungnahme.

Verwaltung des kulturellen Erbe Preußens

Kritiker sehen die SPK als aufgeblasenen Kulturkonzern mit unübersichtlichen Strukturen und verwirrenden Zuständigkeiten. Diese Einschätzung ist auch in der Studie des Wissenschaftsrats wiederzufinden - die Hierarchien seien "tief gestaffelt" und die Entscheidungsprozesse unklar.

Die SPK verwaltet das kulturelle Erbe Preußens. Zu der von Bund und Ländern getragenen Stiftung mit rund 2.000 Mitarbeitern gehören die Staatlichen Museen Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Auch gehören zu der Stiftung diverse Bibliotheken, Archive und Forschungseinrichtungen.

Sendung: Radio 88,8, 13.07.2020, 15 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Genau das ist das Problem. Vlt. sollte man mal über eingesetzte Personal nachdenken. Von Kulturverantwortlichen darf ich keine Wirtschaftskompetenz verlangen, sie haben wohlbegründet andere Kompetenzen. Aber hinsichtlich des administrativen Teils müssen eben Finanzleute, Personaler und Ingenieure ran. Kulturmenschen müssen von den Aufgaben in Haushalt, Personalwesen und baulichen Dingen entlastet werden. Das kann man in großen und in kleinen Organisationsformen umsetzen. Eine Zerschlagung ist wie die Politik ja auch zugibt, ein jahrelanges Projekt. Das verursacht Kosten und vorübergehenden Stillstand. Ob es am Ende zum gewünschten Ergebnis führt? Aus 1 mach 4 bedeutet zunächst die Verfvierfachung des Verwaltungskörpers. Und es wird noch mehr Personal benötigt. Wo anders geht der Trend zum Konzentrieren von administrativen Aufgaben, um Kosten zu senken. Auch im Öffentlichen Dienst. Ständiges Umorganisieren führt zur Selbstbeschäftigung. Das ist nirgends positiv

  2. 8.

    sehe ich das richtig? sitzen die leute da ohne mundschutz und mindesabstand und geben eine pressekonferenz?
    und niemand sagt etwas? kein wort in dem ganzen bericht dazu?
    warum nicht?
    ich bin schockiert wie leichtferitg hier mit menschenleben umgegangen wird.

  3. 7.

    Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor. Es geht ja um eine Aufteilung in vier Teile, also tatsächlich um das Gegenteil einer Fusion, wenn auch in einem anderen Sinn, als Sie es womöglich meinten.

  4. 6.

    Wenn Menschen ohne Ahnung von Management, Management-Entscheidungen treffen.

    Spätestens in 10 Jahren wird zurück gerudert, weil die Kosten explodiert sind, da der administrative Overhead vervierfacht wurde.

  5. 5.

    "Nach einer zweijährigen Evaluation der Stiftung schlägt der von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat vor, die Bestände der SPK auf vier separate Stiftungen zu verteilen: die Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv sowie das Ibero-Amerikanische Institut. Sie sollen jeweils eine eigene Leitung erhalten, die selbst über Budget und Personal bestimmen kann.". Im Klartext, aus einem großen Wasserkopf wrerden vier kleinere. Da wird nichts an Leitung gespart, im Gegenteil. Jede der vier neuen Stiftungen braucht ihre eigene Verwaltung und wird sich erfahrungsgemäß im Laufe der Zeit aufblähen. Das ist genau das Gegenteil einer Fusion

  6. 3.

    Nun, wenn es eine Fachkraft wie Frau Grütters macht, dann wird es ja was. Das sie kompetent ist, hat sie ja schon das eine oder andere Mal eindrucksvoll und nachhaltig gezeigt.

  7. 2.

    Hoffentlich wird nicht "kaputtreformiert". Diese Stiftung hat auch einen für viele Regionen in unserem Land auch eine Verantwortung für Kultur- und Tourismuswirtschaft einer Region. Alles was in Gebäuden der alten Preußen und dem Ort drumher stattfindet, geht nicht ohne diese Stiftung. Das Problem bei bundes- oder landeseigenen Unternehmen oder Stiftungen ist ja grundsätzlich, dass dort oft politisch motiviert Führungskräfte eingesetzt werden, die vom Fach keine Ahnung, geschweige denn Wissen haben. Bundes- oder landeseigenen Unternehmen oder Stiftungen dienen leider häufig als Abstellgleis für ausrangierte Politiker in der Warteschleife bis zur nächsten Wahl.

  8. 1.

    " In 3 -5 Jahren ? " Oder 10, 15, 20 Jahre ? Pensionserreichungsprogramm ?
    Naturdenkmal ? - Bestehendes zerstören, ohne Idee fürs Neue ?

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