Die historisch rekonstruierte Fassade des Humboldt-Forums mit dem Fernsehturm im Hintergrund (Quelle: Imago Images/Peter Meißner)
Audio: rbb | 09.07.2020 | Oda Tischewski | Bild: Imago Images/Peter Meißner

"Zuständigkeiten nicht klar verteilt" - Experten nennen Struktur der Preußen-Stiftung "verwirrend"

Der Bericht über den Zustand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz liefert weiter Zündstoff: Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Humboldt-Forum sei anfällig für Konflikte, so der Wissenschaftsrat. Abstimmungen seien schwierig, zu viele Personen weisungsbefugt.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz lahmt an ihrer eigenen Größe. Zu diesem Urteil kommt der Wissenschaftsrat und schlägt radikale Veränderungen vor. Laut einem Entwurf für Strukturempfehlungen über den die Nachrichtenagentur DPA berichtet, leidet derzeit insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Humboldt-Forum.

Demnach gebe es zum einen ungenutztes Potenzial auf der als Weltkulturerbe eingestuften Museumsinsel, deren Häuser der Stiftung unterstehen. Das Expertengremium fordert die dortigen staatlichen Museen dazu auf, das Humboldt-Forum "als Chance begreifen" und "die Museumsinsel als ein Weltmuseum für ein internationales Publikum neu entwerfen und entwickeln". Dafür müssten neue Prozesse und Konzepte erprobt sowie interdisziplinär und sammlungsübergreifend zusammengearbeitet werden.

Eine Frau mit Mundschutz fährt durch die Gartenanlage an der Alten Nationalgalerie entlang (Quelle: DPA/Annette Riedl)
Bild: DPA/Annette Riedl

Zudem geht der Bericht auf die Struktur des Humboldt-Forums ein, die in der Studie als "komplex" bezeichnet werden. Die Zusammenarbeit "fordert ein hohes Maß an Abstimmung und ist konfliktanfällig", heißt es laut DPA. Im Forum ist Generalintendant Hartmut Dorgerloh Hausherr. Über eine eigene Sammlung verfügt das Forum nicht. Dorgerloh muss mit zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie mit dem Stadtmuseum Berlin und der Humboldt-Universität verhandeln. Die Wechselausstellungen, die der Forums-Chef verantwortet und bezahlt, setzen klare Verständigung darüber voraus, welche Sammlungsbestände der Museen präsentiert werden sollen und welches Ausstellungsverständnis der Präsentation zugrunde liegen soll.

Museumsleiter müssen sich gegenüber drei Chefs verantworten

Die Zusammenarbeit sei "aufgrund der komplexen Verflechtungsstruktur" in hohem Maße vom persönlichen Verhältnis der jeweiligen Leitungen von Humboldt-Forum, Ethnologischem Museum und Museum für Asiatische Kunst abhängig, die beide zur Stiftung gehören. "Aktuell funktioniert die Zusammenarbeit unter den gegebenen Umständen gut", heißt es in der Analyse. Gleichzeitig wird auf "Konfliktpotenzial" verwiesen, wenn die beiden Museumsleiter gleich drei Chefebenen bei Humboldt-Forum, Staatlichen Museen und Preußen-Stiftung unterstellt sind.

Auch etwa bei der Infrastruktur für Ausstellungen sehen die Experten "komplexe Aushandlungsprozesse", für die aufseiten von Stiftung und Museen "Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen nicht klar verteilt" seien.

Der Wissenschaftsrat verweist zudem auf Folgen der schwierige Lage: "Dass das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst einerseits organisatorisch zu den Staatlichen Museen gehören, andererseits in ihrer Außenwirkung künftig aber (auch) durch das Humboldt-Forum vertreten werden und mit ihren Exponaten dieses mit konstituieren, bringt die Museen und ihr Personal in eine schwierige Situation und ist zudem für Außenstehende, insbesondere aus dem internationalen Raum, unverständlich und schafft Verwirrung."

Millionen besuchen die Museen der Stiftung jedes Jahr

Mit der Studie, deren Schlussfassung am Montag präsentiert werden soll, hat der Wissenschaftsrat die Auflösung der von Bund und Ländern getragenen Stiftung Preußischer Kulturbesitz empfohlen. Die staatlichen Museen sollen demnach in einer eigenen Organisation zusammengefasst werden.

Zur Stiftung mit rund 2.000 Mitarbeitern gehören die Staatlichen Museen Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Die Museen besuchten im vergangenen Jahr fast 4,2 Millionen Menschen, davon allein knapp 3,1 Millionen die Häuser der Museumsinsel wie dem Pergamonmuseum, der Alten Nationalgalerie oder dem Neuen Museum mit der Nofretete.

Das 644 Millionen Euro teure Humboldt-Forum soll als Kultur- und Ausstellungszentrum dienen und in drei Schritten bis Herbst 2021 eröffnet werden. In der 40.000 Quadratmeter umfassenden Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins gezeigt.

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wenn auflösen dann richtig, insbesonderen die zahlreichen Subunternehmen die ihre Angestellten mit Niedriglöhnen abspeisen und Tarifverträge verhindern sollen oder wollen.

  2. 1.

    Diese Stiftung ist mindestens genauso wichtig bis unwichtig wie alles andere im öffentlichen Raum.
    Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen! Wenn man genau nachdenkt, könnte man alles dezimieren, angefangen mit den Politkern...

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