Das Grips-Theater am Hansaviertel (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Audio: Inforadio | 13.08.2020 | Ute Büsing | Bild: imago images/Jürgen Ritter

Saisoneröffnung steht bevor - Alles auf Abstand im Grips-Theater

Dank großzügiger Unterstützung und Kreativität hat das Berliner Kinder- und Jugendtheater Grips die Corona-Krise nur mit ein paar Schrammen überstanden. Jetzt richtet sich der Blick wieder nach vorn: Anfang September startet die neue Saison. Von Ute Büsing

Wenn das Grips seine neue Spielzeit vorstellt, herrscht normalerweise Halligalli im Haus am Hansaplatz, kleine Spielausschnitte werden vor dem jugendlichen Stammpublikum und der Presse zum Besten gegeben. Jetzt aber sitzt der Künstlerische Leiter Philipp Harpain ganz allein neben der Pressesprecherin: Alles auf Abstand! Mindestens 1,50 Meter, diese Corona-Maßgabe hat auch das Kinder- und Jugendtheater verinnerlicht. Statt 357 Zuschauern finden im Haupthaus künftig nur noch 56 Platz - also zwei Schulklassen. Das Grips-Podewil schrumpft von 140 auf 28. Das entspricht nur noch einer Schulklasse.

Philipp Harpain, Künstlerischer Leiter des Grips-Theaters (Bild: Grips-Theater)
Philipp Harpain | Bild: Grips-Theater

"Es darf gelacht werden!"

Die Maßnahmen werden mit Gelassenheit durchgeführt. Überall stehen Desinfektionsmittel bereit, im Gebäude herrscht Maskenpflicht, am Platz wird das Tragen von Mund-Nasen-Schutz empfohlen. Gleichzeitig brennen alle am Grips darauf, den – wenn auch eingeschränkten Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Denn schließlich waren die Kinder und Jugendlichen in den letzten sechs Monaten oft mit am stärksten von mangelndem Austausch und häuslicher Isolation betroffen.

Auch wenn jetzt in den Monaten September und Oktober erstmal nur ein Viertel der bisher 18.500 Besucher kommen können, soll die "Generation Corona" wieder mit Live-Theater versorgt werden, "weil sie am meisten unter der Krise gelitten hat", sagt Philipp Harpain. Und: "Es darf gelacht werden! Es darf mitgegangen werden!" Für die entsprechende Sicherheit werde gesorgt.

Uraufführungen und Klassiker zur Wiedereröffnung

Großen Zuspruch fand im Corona-Interim mit 80.000 Nutzern bereits der neue Grips-Blog. Die Theaterpädagogen des Hauses standen an einer eigens eingerichteten Hotline zur Verfügung. Wiedereröffnet wird das Haus jetzt am 5. September mit der Uraufführung von "Das Leben ist ein Wunschkonzert" von Esther Becker, das den von der Gasag ausgelobten Berliner Kindertheaterpreis gewann - und passend in diesen Zeiten von häuslicher Isolation eines Kindes in einem Alkoholikerhaushalt handelt. Im März war die Inszenierung von Frank Panhans fast fertig, jetzt wird sie auf Abstand neu geprobt.

25 Jahre nach der Uraufführung wird dann Volker Ludwigs Klassiker "Bella, Boss und Bulli" neu aufgelegt, ein Singspiel über die Kälte der Kinderrealität im sozialen Abseits. "Garantiert auch mit Live-Musik", verspricht Philipp Harpain. Dort führt Robert Neumann Regie, der eine weitere Uraufführung besorgt, Zoran Drvenkars "Kai zieht in den Krieg und kommt mit Opa zurück", ein Generationenstück über Geschichte und Erinnerungskultur. Es soll auch in einer Schulvariante vor Ort in den Schulen gezeigt werden können. Die zum Fratz-Festival eingeladene mobile Produktion für Kinder ab zwei Jahren "Verwandelt" wiederum steht für Kitas zur Verfügung.

Aus die Maus für Linie 1

Finanziell ist das Grips Theater trotz Corona ganz gut über die Runden gekommen - dank kluger Haushaltsführung und der Kurzarbeitsregelungen für gut 80 Prozent der Mitarbeiter, von denen Philipp Harpain hofft, dass sie auf insgesamt zwei Jahre verlängert werden können. Zumindest um Fehlzeiten bei den Beschäftigten auszugleichen, die jetzt nach und nach wieder für Produktionen gebraucht werden.

Beim Berliner Senat und den Grips-Förderern, darunter dem Hauptsponsor Gasag, fanden die Theatermacher immer ein offenes Ohr, lobt der Intendant. Gerade richtet das Grips aus einem Repertoire von 20 sieben weitere dafür geeignete Stücke auf Corona-Abstände neu ein, darunter "Aus die Maus" und "Nasser#7Leben". Der Grips-Dauerbrenner "Linie 1" muss wegen der großen Personaldichte bis auf weiteres entfallen.

Sendung: Inforadio, 13.08.2020, 16:55 Uhr

Beitrag von Ute Büsing

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