Eine Collage des Comedians Daniel-Ryan Spaulding (Bild: Rafael Medina)
Bild: Rafael Medina

Interview | Comedian Daniel-Ryan Spaulding - "That's so Berlin"

Woche für Woche macht sich Comedian Daniel-Ryan Spaulding in seiner Open-Air-Show in Kreuzberg über Berliner Stereotype lustig. Und dabei nimmt er nicht selten sich selbst auf die Schippe, wie der 35-jährige Zugereiste im Interview erzählt.

rbb: Die Deutschen gelten nicht als sehr lustig…. wie ist es also, hier als Comedian zu arbeiten?

Daniel-Ryan Spaulding: Der Vorteil an Berlin ist, dass die Stadt sehr international und kosmopolitisch ist. Das Publikum der meisten englischsprachigen Shows in Berlin ist sehr durchmischt, ich performe also nicht nur für Deutsche. Zwar ist das Publikum einzelner Stand-Up-Shows deutscher als bei anderen, aber darauf kommt es nicht an. Die meisten, die zu meiner Show kommen, haben ein weltliches Verständnis von Comedy.

Ist es schwer, hier von Comedy zu leben?

Ich schätze ich kann davon leben, weil ich schon vor meinem Umzug eine Karriere hatte. Ich war also schon erfahrener als jemand, der beispielsweise gerade erst mit Stand-Up anfängt. Außerdem konzentriere ich mich auch sehr auf Social Media und mache Youtube-Videos, um meine Fanbase zu erweitern. So habe ich mir bereits eine Community aufgebaut, die meine Arbeit respektiert und unterstützt.

Die meisten Zuschauer*innen, die deine Shows besuchen, sind diejenigen über die du dich lustig machst – Wie ist das für dich?

Ich finde, Comedy ist eine Hochburg der freien Rede. Deshalb sehe ich meine Shows auch nicht als Safe Space, sondern eher als das Gegenteil. Wenn du ein Comedy-Programm besuchst, solltest du dich darauf einlassen und Kritik und Vorurteile beiseitelassen. Ich bin auch immer die erste Person, die Witze über mich macht. Menschen sollten über ihre Unterschiede und Stereotype lachen und sich keine Sorgen darüber machen, dass es jemanden verletzten könnte.

Hast du schon einmal einen Witz gemacht, der schlecht ankam?

Ich habe mittlerweile ein Gespür dafür was angebracht ist und was nicht. Jeder Geschmack ist unterschiedlich, deshalb ist es auch schonmal vorgekommen, dass sich jemand gekränkt fühlte. Das ist aber niemals meine Absicht. Ich möchte den Menschen eher helfen zu lachen und alles andere zu vergessen.

Du scheinst die Menschen in Berlin für deine Charaktere genau zu beobachten – Woher nimmst du deine Inspirationen?

Meine Comedy funktioniert auf die gleiche Weise, wie wir alle unseren Freundinnen und Freunden Anekdoten erzählen, die wir erlebt haben. Wenn also etwas passiert, bei dem ich mir denke: "Oh, das ist so lustig, dass ich es jemandem erzählen will", weiß ich, dass es zu meinem Programm passt. Ich sehe mein Publikum also eher als meine Freunde und Freundinnen, denen ich lustige Dinge aus meinem täglichen Leben erzähle. Bei meinen Online-Videos bin ich satirischer.

Was ist Dein liebstes Stereotyp über Berliner*innen?

Die Idee, die meine Video-Serie “It’s Berlin!” inspirierte, war die internationale Hipster-Kultur und damit Menschen, die sich niemals in die deutsche Kultur integrieren. Diese Menschen gehen oft auf Partys, denken weniger über Konsequenzen nach und enden dann in verrückten Situationen, was sie mit der Stadt rechtfertigen und sagen: “It’s Berlin!” Genau so ist der Charakter, den ich spiele und der wie viele Menschen in Berlin: Ein 35-jähriger Mann, der das Leben eines 20-Jährigen lebt.

Wie viel von Dir selbst steckt in Deinen Charakteren?

Ich lasse mich vom Leben und von Menschen, die ich treffe, inspirieren. Die Videoserie "It’s Berlin!" basiert auf einer extremeren Version von mir selbst. Ich bin aber definitiv reflektierter und freundlicher, während die Persönlichkeit, die ich darstelle, irrationaler und unverantwortlicher ist. Es macht aber Spaß solche Charaktere zu spielen.

Wie reagieren Menschen in einem katholischen Land wie Kroatien auf Dich als schwulen Comedian und auf Deine Shows?

Ich hatte wegen meiner Homosexualität noch keine Probleme in konservativen Ländern – dabei bin ich bereits in vielen solchen Ländern aufgetreten. Ich merke immer wieder, dass Menschen, die zu einer Stand-Up-Show gehen, vermutlich die progressivsten Menschen einer Gesellschaft sind. Wenn Du Dir eine Stand-Up-Show anschaust, musst du nämlich andere Perspektiven und Meinungen ertragen können. Deshalb ist Stand-Up eine sehr empathische Kunstform. Ich mache mir meine eigene Sexualität zu eigen, bin stolz darauf und möchte schwule Menschen in diesen Ländern ermutigen, das auch zu tun.

Wie hat die Corona-Krise Deine Karriere beeinflusst?

Ich habe den Lockdown nicht erwartet und war plötzlich nicht mehr in der Lage, live zu performen. Ich habe aber sofort angefangen, Videos zu produzieren und sie täglich zu veröffentlichen. So wollte ich meine Fanbase vergrößern und Spenden über meinen Youtube-Kanal sammeln. Ich habe also eine Situation, die mich eigentlich negativ beeinflussen sollte, zum positiven gewendet und das Beste daraus gemacht. Die Zahl meiner Follower auf Social Media konnte ich während der Quarantäne verdreifachen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Steven Meyer für rbb|24.

Video: If Gay Guys Said the Stuff Straight People Say...

5 Kommentare

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  1. 5.

    Hilarious is this guy!!. his stand up show at Mariannenplatz is was one hour of non stop laughing. Not suitable for heteros or offensive people.

  2. 4.

    Immerhin lässt er anscheinend die Finger von Berlinern und nimmt sich die Zugereiste Posse vor. Aber eigentlich total unwichtig und uninteressant. Aber das ist das "neue" Berlin. Einfach blablabla.

  3. 2.

    Wow....wusste gar nicht dass Comedians so einflussreich sein können. Na dann brauchen wir statt neuer Wohnungen einfach nur ein paar Comedians mehr.

  4. 1.

    Kein Wunder wenn die Berliner scharenweise die Stadt verlassen. Es ist unerträglich das solche Cosmopolitan den Ruf einer Stadt so schädigen dürfen. Solche Menschen können unter Normalos reihenweise Folien auslösen.

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