Anke Stelling, Jan Brandt, Lea Streisand (und Moderatorin Petra Gute rechts außen) beim LIT:potsdam 2020 (Quelle: rbb/Larissa Mass)
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Audio: Inforadio | 05.08.2020 | Larissa Mass | Bild: rbb/Larissa Mass

Lesungen im Freien und mit Abstand - Wie sich das Lit Potsdam als Corona-Festival neu erfindet

Mit zwei Monaten Verspätung hat das Literaturfestival Lit Potsdam begonnen. Doch einige internationale Autoren konnten nicht eingeflogen werden. Dafür hat sich das Festival-Team ein anderes Konzept mit 15 Veranstaltungen überlegt. Von Larissa Mass

"Starke Worte. Schöne Orte." ist das diesjährige Motto des achten Literaturfestivals Potsdam. Doch diese Orte werden diesmal von Corona bestimmt - und sind damit größtenteils Open-Air.

Der Auftakt des achten Literaturfestivals Lit Potsdam (Eigenschreibweise: "LIT:potsdam") sieht dieses Jahr anders aus: Im weitläufigen Garten der Villa Quandt sitzen am Dienstag die Zuschauer draußen auf Klappstühlen in Mindestabstand zueinander. Es gelten die aktuellen Hygiene-Bestimmungen, Masken sind keine Pflicht. Das Gelesene wird nicht über Lautsprecher übertragen, sondern über zuvor verteilte Kopfhörer - damit scheint jeder für sich zu bleiben.

Zwischen Corona- und Alltags-Problemen

Die drei jungen Autoren des ersten Abends Jan Brandt, Anke Stelling und Lea Streisand sprechen, bevor es eigentlich um ihre Bücher geht, über ihre Corona-Situation in den letzten Monaten: Depressionen, Rückzugs-Probleme und zusätzliche Termine bei ihren Therapeuten. In ihren Romanen thematisieren sie Wohnungssuche, Gentrifizierung in der Stadt und auch auf dem Land. Anke Stelling liest Szenen einer Diskussion einer Wohngemeinschaft aus "Schäfchen im Trockenen". 2019 hat sie für diesen Roman, der von den Folgen einer Wohnungskündigung erzählt, den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten.

Visuelle statt literarische Eindrücke

Fünf Monate hatte die Leitung darauf gewartet, dass das Festival doch noch stattfinden kann. Doch dafür musste das Programm umgestaltet werden: Geplante Lesungen mit bekannten Autoren aus dem Ausland wurden gestrichen. Unter anderem sollten der Brite Julian Barnes und Martin Suter aus der Schweiz einreisen.

Auch der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk kann nicht persönlich erscheinen, stattdessen wird von ihm eine Fotoausstellung über seine Heimatstadt Istanbul zu sehen sein. Der Schriftsteller zeigt die türkische Metropole im Schein der alten Gaslaternen. Häufig erkundet er die abgelegenen Gassen, in die sich keine Touristen verirren. Die Ausstellung eröffnet am Mittwoch im Kunstraum Potsdam. Pamuks Verleger und Kurator Gerhard Steidl stellt das Werk vor.

Stadtschreiber auf Zeit

"Writer in Residence" - Stadtschreiber auf Zeit für die Festivalwoche - ist in diesem Jahr der Schauspieler und Buchautor Matthias Brandt. Am Donnerstag tritt er mit dem Regisseur Christian Petzold im Kulturquartier Schiffbauergasse auf. 2018 erschien Brandts literarisches Debüt "Raumpatrouille", 2019 folgte sein Roman "Blackbird". Am Samstag liest er aus letzterem Buch und erzählt über das Jungsein in der Provinz.

Weitere Gäste des Literaturfestivals sind unter anderem der Literaturkritiker Denis Scheck, der seinen Kanon der Weltliteratur bei einem Picknick am Samstag vorstellt. Ebenfalls am Samstag laden die Veranstalter erstmals auch zu einem Familientag, einer literarischen Tour für jedes Alter im Park der Villa Jacobs, ein.

Eingeschränktes Kartenkontingent

Das Kontingent an Karten, das dieses Jahr angeboten werden kann, ist deutlich eingeschränkt. Schon jetzt ist ein Teil der Veranstaltungen nicht mehr online erhältlich und der Veranstalter verweist auf eventuelle Restkarten an der Abendkasse. Um das auszugleichen, werden die Veranstaltungen dieses Jahr auch aufgezeichnet und als "LIT:podcasts" nachzuerleben sein. Die Aufzeichnungen kommen nach und nach online.

Sendung: Inforadio, 05.08.2020, 06.55 Uhr

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