Heinrich-Heine-Denkmal vor Maxim-Gorki-Theater am Festungsgraben (Quelle: dpa/Lothar Steiner)
Audio: Inforadio | 11.08.2020 | Ute Büsing | Bild: dpa/Lothar Steiner

"Pre-Opening" - Gorki öffnet "Kiosk" als neuen Ort für Performance

Wie schon öfter hat auch bei dieser Saison-Eröffnung das Berliner Gorki-Theater die Nase vorn. Beim "Pre-Opening" meldet sich das Gorki mit der neuen Spielstätte "Kiosk" und zwei Corona-gerechten Audio-Walks zurück. Von Ute Büsing

 

Noch steht er leer, der neue Spielort namens "Kiosk", ein ehemaliges Ladenlokal in der Berliner Dorotheenstraße. Es ist das Schauobjekt des Pre-Openings des Gorki-Theaters. Künftig sollen in diesem Galerieraum-Gartenlokal auf 250 Quadratmetern Fläche "Fenster zur Welt" geöffnet werden, sagt Gorki-Intendantin Shermin Langhoff.

Mit dem neuen Denk-, Galerie- und Performance-Raum will sie, wie es heißt, "internationalen aktionistischen, feministischen und solidarischen Konzepten" eine neue, kleine Plattform geben, die bisher bei den Herbstsalons des Gorki eine große Bühne fanden. So reagiert das international aufgestellte Theater auf die Einschränkungen durch die Corona-Krise.

Niedrigschwellige neue Formate mit Künstler-Aktivisten

Die neu angemieteten Räume sollen zur Entwicklung neuer Formate beitragen, aber auch bei freiem Eintritt neues Publikum ins Gorki locken. "Niedrigschwellig" heißt das kuratorische Stichwort dazu. Bei coronabedingt eingeschränkter Sitzplatzkapazität im Theater schafft das Gartenlokal auch zusätzlichen Vorstellungsraum.

Als künstlerischer Berater für die Programmgestaltung des "Kiosks" fungiert Ong Keng Sen aus Singapur, wo er Künstlerischer Direktor von Theatreworks ist, einem Theaterinstitut, und das "Singapore International Festival of Arts" aus der Taufe hob. Vor bald 20 Jahren erfand Ong Keng Sen das "In-Transit"-Festival an der Schnittstelle von Theater, Tanz, Performance und bildender Kunst für das Berliner "Haus der Kulturen der Welt" mit. Beim letzten Gorki-Herbstsalon leitete er die "Young Curators Academy". Ong Keng Sen bezeichnet seine neue Funktion als "Kuratoren-Kurator". Das heißt, er will junge Kuratoren dafür gewinnen und ausbilden "politisch engagierte Künstler-Aktivisten mit internationalem Renommee an Bord zu holen". Denn unter Corona-Bedingungen könnten bis zur nächsten Saison kaum, wie bisher, im großen Maßstab internationale Künstler eingeladen werden.

Rimini Protokoll: Neue Narrative auf den Stadtraum

Bis der "Kiosk" mit einer Performance der stark chorisch - und politisch-interventionistisch - arbeitenden polnischen Regisseurin Marta Gornicka offiziell eingeweiht wird und die Saison im großen Haus am 28. August mit "Berlin Oranienplatz" in der Regie von Hausregisseur Hakan Savas Mican beginnt, bietet das Gorki zwei sehr unterschiedliche Rundgänge von Rimini Protokoll an. Beide haben bereits eine lange Laufzeit auf dem Buckel.

"Remote Mitte" ist ein Audiowalk, bei dem eine Kleingruppe von - wie Menschen sprechenden - künstlichen Intelligenzen namens Julia und Peter zur "Horde" deklariert wird und zwei Stunden lang ihren Anweisungen folgt - oder auch nicht. Das bewusst einfach gehaltene Spiel mit Fernsteuerung versus Selbstbestimmung erzeugt in seinen besten Momenten neue Narrative auf den erkundeten Stadtraum. In diesen Corona-Zeiten laufen beim Gorki-Pre-Opening nur 16 Menschen auf reichlich Abstand und bei Bedarf in geschlossenen Räumen und Verkehrsmitteln auch Mund-Nasen-geschützt mit.

Der Audiowalk unter Kopfhörern (auf Deutsch oder Englisch) führt vom Invalidenfriedhof vorbei an den Forschungseinrichtungen der Charité und dem Futurum zum Hauptbahnhof. Dort wird das Geschiebe der Reisenden zum Theaterstück deklariert, während sich die Teilnehmer am Fernsehturm auf dem Alexanderplatz selbst als Tanz-Performer gerieren dürfen und in Passanten ihr Publikum finden. Am Endpunkt nahe dem Hackeschen Markt wartet ein Panoramablick auf die wachsende Stadt, befeuert von Kunstnebel.

Karten gibt's im "Kiosk"

Das "Remote"-Format hat Rimini Protokoll bereits in über 40 Städten durchgespielt. Ganz und gar Berlin-eigen ist der App-basierte Rundgang "50 Aktenkilometer". Dabei können sich Interessierte individuell mit den Erlebnissen von Zeitzeugen auf den Ohren an markanten Orten durch die Stasi-Vergangenheit in Ost-Berlin manövrieren.

Informationen und Karten gibt es bereits im neuen Gorki-Kiosk [gorki.de], diesem "Fenster zur Welt", das bei dieser Gelegenheit in Augenschein genommen werden kann.

Beitrag von Ute Büsing

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