Die Schauspielerin Iris Berben bei einem Pressetermin. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: rbbKultur | 10.08.2020 | Interview mit Iris Berben | Bild: dpa/Jens Kalaene

Interview | Schauspielerin Iris Berben wird 70 - "Ich bin immer gern weitergegangen"

Sie zählt zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen - am Mittwoch feiert Iris Berben ihren 70. Geburtstag. Im Interview blickt sie auf ihre berufliche Laufbahn zurück, erinnert sich an alte Weggefährten und spricht über ihr politisches Engagement.

rbb: Frau Berben, ein Schlüsselsatz für mich in dem Film "Mein Altweibersommer" ist: "Wie ist man geworden, was man ist? Einfach so – oder hat man die Zügel in der Hand gehabt?" - Hatten Sie immer die Zügel in der Hand?

Iris Berben: Ich denke, ich habe schon das Glück gehabt, sehr lange ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ich weiß aber auch, dass ich umgeben war von Menschen, die geleitet und gelenkt haben. Weil sie mich herausgefordert haben, manche haben mich gefördert, manche haben mich in Frage gestellt. Ich glaube, all das sind Zügel, die andere noch haben. Aber dass man diese Zügel auch erkennt, bedeutet, dass man sie relativ häufig in der eigenen Hand hatte.

Sie sind eine Künstlerin, eine Schauspielerin, eine Frau, die sich selbst auch immer wieder in Frage stellt. Die als Letzte zufrieden ist mit dem, was sie gemacht hat. Das erschwert doch das Leben sehr, oder?

Wenn ich mich als Künstlerin beurteile, als Schauspielerin, dann finde ich, schulde ich das dem Beruf. Wenn ich mich als private Person immer wieder hinterfrage, mute ich mir das selbst zu, und muss es eigentlich auch aushalten. Ich bin privilegiert - so wie ich leben und arbeiten kann ... das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich finde, dann muss man auch mit diesen Fragen umgehen können. Es ist nicht so, dass ich nur in größter grüblerischer Pose irgendwo herumsitze und über mein Leben sinniere. Ganz im Gegenteil. Ich nehme so sehr teil an meinem Leben. Ich nehme auch an dem Lachen, an dem Humor und an den Widersprüchen, an den Peinlichkeiten und allem, was mich auch ausmacht, teil. Da ist nicht ständig sofort der Reflex, es zu korrigieren.

Offenbar lachen Sie auch gern über sich. Zumindest hatte ich den Eindruck, als ich die Satire "Nicht tot zu kriegen" gesehen habe – wie Sie da das Klischee einer Diva spielen. Da nehmen Sie sich doch ganz schön selbst auf die Schippe, oder?

Ja, und sehr gerne. Aber wenn Du nicht über Dich selber lachen kannst – worüber lacht man eigentlich? Über Verletzungen anderer? Es gibt ja diese Art zu lachen, eher schadenfroh. Das bin ich nicht. Ich glaube, wenn man selbst über sich lachen kann, hat man einen ganz gesunden, einen ausgeprägten Humor – der kann auch ziemlich schwarz sein.

Wobei auch dieses Lachen auf Bitter-Ernstem beruht. Stichworte: Karriereknick, Erfolglosigkeit. Die Frau, die Sie in dem Film verkörpern, neigt auch dazu, viel zu viel Alkohol zu trinken. Haben Sie eigentlich auch solche Phasen erlebt? Wenn ich überlege, was Sie alles gemacht haben – dann denke ich, Sie haben schon durchgehend eine erfolgreiche Laufbahn gehabt.

Das sind fünfzig Jahre im Schnelldurchlauf. Aber es gab natürlich auch Hängepartien. Und es ist auch gut, dass es die gab. Es ist auch Teil des Zweifels, den man braucht und den dieser Beruf sowieso beinhaltet. Wie geht es eigentlich immer weiter? Oder geht es vielleicht auch nur in eine Richtung weiter? Bin ich irgendwann auch mal fähig, die Richtung selbst mitzubestimmen? Da war auch gerne mal das Glas Rotwein neben mir. Aber das ist auch heute in absolut entspannten Situationen neben mir. Insofern gibt es diese Parallelität nicht.

Ich glaube, was mich und diese Filmfigur unterscheidet – die sicherlich manche Schnittstellen hat: Ich bin immer gern weitergegangen. Ich bin auch immer gern dahin gegangen, wo ich eher das Gefühl hatte: Ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Und die Figur in dem Film wollte bleiben, sie ist stehengeblieben in ihrer Zeit. Das sieht man an ihrem ganzen Äußeren, an ihrem Erscheinungsbild. Aber sie will geliebt werden. Da treffen wir uns wieder – wir wollen geliebt werden. Wir wollen gesehen werden. Das ist sicherlich auch ein Teil unseres Berufes, wie wir das erfüllen können.

Die Schauspielerin Iris Berben steht am 01.07.2020 mit dem Landesverdienstorden in der Staatskanzlei in Düsseldorf (Quelle: dpa/Fabian Strauch)
Für Ihr politisches und soziales Engagement wurde Iris Berben mehrfach ausgezeichnet - hier mit dem Landesverdienstorden Nordrhein-Westfalens. Bild: dpa/Fabian Strauch

Geliebtwerden bis zur Selbstaufgabe?

Ich weiß nicht, ob ich soweit gehen würde. Das glaube ich nicht.

Zu Ihren Erfahrungen gehört, dass Menschen, die für Sie wichtig waren, nicht mehr leben. Da fällt mir Diether Krebs ein. Wie gehen Sie damit um?

Das ist Schmerz. Das ich richtiger Schmerz. Gerade wenn man Menschen nah war. Und Diether ist sicherlich in meiner Biografie jemand, von dem ich sehr, sehr viel gelernt habe. Der ein – als Mann würde man sagen - Kumpel war. Und ich nenne ihn einen Komplizen, einen wirklichen Freund. Er hat mir in allen zweifelnden Momenten immer wieder Sicherheit gegeben. Er hat mir auch so viel über diesen Beruf beigebracht.

Das sind Verluste, die wirklich wehtun. Menschlich tun sie weh, aber sie tun auch weh, weil eigenwillige Künstler und Menschen Lücken hinterlassen, von denen man nicht weiß, ob sie wieder gefüllt werden. Die hatten so etwas Eigenes und Unverwechselbares. Man hofft immer wieder, dass es weitergeht. Aber unsere Welt hat gerade viel mit Gleichmacherei und viel mit political correctness zu tun, nirgendwo anecken zu wollen. Ich denke immer, dass es gute Komplizen waren, die man hatte und die man verloren hat.

Iris Berben und Diether Krebs in "Sketchup" (Quelle: dpa/United Archives)
Von 1985 bis 1986 spielte Iris Berben an der Seite von Diether Krebs in der Comedy-Reihe "Sketchup"Bild: dpa/United Archives

Eine Komplizenschaft haben Sie immer mit dem Publikum gelebt. Sie haben sich auch immer politisch engagiert, zum Beispiel gegen Antisemitismus. Wenn Sie darauf blicken, müssen Sie doch sehr traurig sein?

Ja. Jetzt in diesen Zeiten stellt man sich ganz besonders oft die Frage, ob es irgendetwas gebracht hat, hat es irgendwas genützt? Und ich finde keine Antwort – außer: was ist die Alternative? Es gibt keine. Man muss weitermachen. Man muss dranbleiben. Man muss eben auch da versuchen, möglichst viele Komplizen zu finden und zu suchen und ihnen auch klarzumachen, wie wichtig es ist, laut zu werden. Nicht nur für sich selbst zu behaupten: ich lebe das ja nicht, ich bin ja ganz anders. Wir merken, dass unsere Welt sehr viel mit Lautstärke zu tun hat. Und die, die am lautesten schreien, werden gerade da, wo Menschen Angst haben und sich allein gelassen fühlen, besonders laut gehört. Vielleicht müssen wir auch neue Wege einschlagen. Uns hinterfragen, auf welche Weise wir Menschen erreichen können, die sich alleine gelassen fühlen. Das wird sicherlich eine unserer Hauptarbeiten sein, wenn es ein "nach Corona" geben wird.

Auf eines habe ich immer gewartet, Frau Berben. Sie sind auch eine Geschäftsfrau – wann werden Sie eigentlich Regie führen?

Bohren Sie nur weiter an diesem Punkt. Da bohre ich selbst dran - und ein paar andere auch. Und dann verlässt mich wieder der Mut. Ich bin es schon mal angegangen und dachte, ich hätte ein ganz tolles Projekt. Mir hätte es gefallen, weil es auch mit mir zu tun gehabt hätte. Ein ganz außergewöhnliches Buch. Dass ich Regie führen dürfte, ist an ein paar Stellen angekommen, wo es wichtig wäre. Aber das, was ich machen wollen würde, ist noch nicht so angekommen. Und noch will ich nicht das machen, was man mir anbietet, sondern das, was ich denke, was aus meiner Sicht wichtig wäre zu erzählen.

Können Sie nicht Ihren Sohn Oliver als Produzenten zur Seite nehmen?

Ich werde mal einen günstigen Augenblick abwarten (lacht).

Zum Schluss des Gespräches möchte ich persönlich bleiben im Zusammenhang mit den beiden Filmen "Nicht tot zu kriegen" und "Mein Altweibersommer". Beide Filme sind sehr unterschiedlich, doch beide Filme haben eine stark romantische Ebene. Ist Iris Berben Romantikerin?

Ja klar bin ich das - bei aller Rationalität und bei jeder Rotzigkeit, die ich sonst habe. Beim "im Leben stehen" und "am Leben teilhaben und es wahrnehmen wollen" bin ich es. Versteckt, leise, still und manchmal auch etwas lauter kommt die Romantikerin durch.

Das Interview mit Iris Berben führte Peter Claus, rbbKultur.

Der Text ist eine redigierte Fassung. Das vollständige Interview können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: rbbKultur, 10.08.2020, 16:10 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Tolle Schauspielerin!
    Alles Gute zum Geburtstag!
    Wie sieht man mit 70 so klasse aus?
    Rosa Roth habe ich sehr gerne gesehen.
    Und SketchUp-DVDs habe ich zu Hause. Herrlich!
    Beim Erbe der Guldenburgs habe ich sie auch sehr gerne gesehen.

  2. 8.

    Nachträglich die allerherzlichsten Glückwünsche! Ich wünsche Ihnen, liebe Iris Berben, die Erfüllung Ihres Regie-Traumes! Bin jetzt schon sehr gespannt darauf.

  3. 7.

    Sie weiß was man in Deutschland tun muß.

  4. 6.

    Glückwunsch zum runden Geburtstag, Frau Berben. Für mich eine der besten und authentischsten Schauspielerinnen im Land. Was ich besonders schätze: sie sieht zwar meistens top gestylt aus, aber sie besitzt den Mut zur "Hässlichkeit". z.B, in "Sketchup" oder (mit wenig MakeUp) in "Die Protokollantin". Hoffe, man wird weiter viel von ihr ansehen können.

  5. 5.

    Tolles Interview! Gute Fragen und gute Antworten! Ach so und natürlich: Happy Birthday!

  6. 4.

    Liebe Frau Berben,
    in der deutschen Kinowelt sind Sie für mich DIE Geschätzte. Sie vermitteln den Eindruck, Ihre darstellerische Kunst sei nicht "gespielt", sondern authentisch. Sie scheinen mir, in den von Ihnen interpretierten Charakteren immer Sie selbst zu sein, mit Ihrem natürlichen Charme, der so bewundernswert ist. Ihre Filme sind stets intelligent und nie banal.
    Bleiben Sie, wie Sie sind. Die Welt braucht keine "Barbie Puppen".
    Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag von einer der Millionen-Schar Zuschauer
    Maria M., Berlin

  7. 2.

    Eine wunderbare, authentische Schauspielerin! Ich bin sehr neugierig auf weitere Filme mit ihr.
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Frau Berben!

  8. 1.

    Herzlichste Glückwünsche zu so einem tollen Geburtstag, liebe Iris Berben! Sie sind eine ganz tolle Frau und Künstlerin. Machen Sie weiter so. Ich wünsche Ihnen noch ganz viele Jahrzehnte auf Mutter Erde. Alles Gute, Glück und Gesundheit und immer eine Portion Spaß. Beste Grüße K.S.

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