Jimi Hendrix bei einem Konzert im Berliner Sportpalast im Jahr 1969 (Quelle: dpa/akg-images)
Audio: Radioeins | 18.09.2020 | Interview mit Helmut Heimann | Bild: dpa/akg-images

Zum 50. Todestag - So waren Jimi Hendrix' Konzerte in Berlin

Am Freitag jährt sich der Todestag von Jimi Hendrix zum 50. Mal. Insgesamt spielte der mit nur 27 Jahren verstorbene Sänger und Gitarrist vier Konzerte in drei Jahren im damaligen West-Berlin. Welche Spuren hinterließ der Gitarren-Gott? Von MC Lücke

Als Jimi Hendrix mit seiner Band im Rahmen ihrer ersten Europatournee 1967 nach Berlin kam, wurde er vom Veranstalter als "einmaliges Sondergastspiel" beworben. Zwei der insgesamt vier Deutschland-Konzerte fanden am 15. Mai in der Neuen Welt in Neukölln statt: am Abend um 19 Uhr und nachmittags zuvor um 15 Uhr, was damals nicht so ungewöhnlich war, wie es sich heute im Rückblick anhört.

Nur wenige Tage hingen in der Stadt verteilt Plakate, die den großen US-Gitarristen ankündigten: "Englands Beat-Sensation 1967 Jimmy Hendrix mit seinen Welterfolgen 'Hey Joe' und 'Purple Haze'". Jimis Name wurde im Übrigen nicht nur auf den Plakaten, sondern auch auf den Eintrittskarten falsch geschrieben.

Backstage gab es Currywurst

Beide Konzerte waren nicht ausverkauft. Hendrix wurde als bescheiden und höflich geschildert, war clean, soll sich im Backstage an der Currywurst erfreut haben. Seine einzige Beschwerde dem Veranstalter gegenüber war, dass seine Experience-Mitstreiter Mitchell und Redding auf dem Plakat nicht entsprechend gewürdigt wurden.

Von den Konzerten ist nicht viel übermittelt. Die einzige Aufnahme wurde bereits wenige Monate später bei Aufräumarbeiten versehentlich wieder gelöscht und so gibt es nur noch einige wenige Fotos. Obwohl das Konzert im Mai stattfand, begrüßte Jimi Hendrix seine Fans mit den Worten: "Happy New Year first of all". Zumindest eine der beiden Shows dauerte nur etwa 25 Minuten. Hendrix soll dabei seine typischen Merkmale gezeigt haben, wie auf die Knie zu gehen und liegend auf dem Boden zu spielen. Nicht allen Fans soll dieses Entertainment gefallen haben. Jimis Show wurde in einem Augenzeugenbericht als "gekünstelt" bezeichnet, gleichzeitig war selbiger Zeuge von der Virtuosität und Genauigkeit von Hendrix' Gitarrenspiel schwer beeindruckt.

Zwischen den beiden Shows besuchte Jimi Hendrix, vorbildlich wie jeder US-Tourist bei seinem ersten Besuch in der damals geteilten Stadt, den Checkpoint Charlie.

Der US-amerikanische Rocksänger und Gitarrist Jimi Hendrix spielt seine elektrische Gitarre mit der Zunge und den Zähnen während eines Konzertes mit seiner Band "Jimi Hendrix Experience" in Großbritannien (Quelle: dpa/UPI)
Hendrix spielte auch schon mal mit Zähnen und Zunge Gitarre | Bild: dpa/UPI

Süße Rauchschwaden im Sportpalast

Das zweite Hendrix-Konzert fand 1969 im alt-ehrwürdigen Sportpalast statt, einem Berliner Baudenkmal, das 1973 traurigerweise abgerissen wurde. Es gab diesmal kein Nachmittags-Konzert, dafür aber süße Rauchschwaden, die den Sportpalast fortwährend durchzogen. Aufgrund der vermehrten Anwesenheit von Rockern kam es auch immer wieder zu einzelnen Handgemengen und kleineren Ausschreitungen. Zwei Jahre nach seinem ersten Auftritt in West-Berlin waren die Zeiten rauer geworden und Jimi Hendrix weit weg von jeder Unschuld.

Mit "Fire" und einem infernalischen Drumsolo eröffnete die Experience ihre Show, "Foxy Lady", "Red House" und "Come on" befanden sich im Programm und ihre Adaption von "Sunshine of Your Love" geriet zum musikalischen Höhepunkt. Beworben wurde die zweite Show der Experience auf den Ankündigungsplakaten übrigens mit "Die Rakete der Pop-Musik". Für Jimi Hendrix selbst ging es wahrscheinlich erst nach der Show so richtig ab, lernte er doch das Münchener Model Uschi Obermayer kennen, 1969 wohnhaft in der West-Berliner Kommune 1.

Dank der offenherzigen Uschi wissen wir ganz genau um die Qualität ihrer Beziehung zu Jimi Hendrix. Es habe sich bei dem Gitarristen um eine "Drei-Nächte-Affäre" gehandelt. Weiter bezeichnete sie Jimi als ihren schönsten und einfühlsamsten Liebhaber.

"Für das Publikum war das einfach zu hoch"

Das letzte der drei Konzerte von Jimi Hendrix in West-Berlin ist akustisch festgehalten. Und es klingt nicht gut. Die PA war noch schlechter als Jimis Stimme, die von einer Erkältung angeschlagen war. Bei "Hey Joe" waren neben seiner Gitarre auch die Backing Vocals lauter als Jimis Stimme.

Zwei Tage vor seinem Gig in der Deutschlandhalle hatte Hendrix ein Konzert in der dänischen Stadt Aarhus nach nur drei Songs abbrechen müssen und sich vom Publikum mit den Worten "I've been dead a long time" verabschiedet. Ob Hendrix an diesem Abend in Berlin zumindest auf seiner Gitarre gut war, darüber streiten sich Zeugen noch heute. Die Mehrheit der Fans war aber damals wohl unzufrieden mit der Show.

Der Gitarrist Robin Trower, der mit seiner Band Procol Harum damals vor Hendrix beim Festival "Berlin Super Concert '70" auf der Bühne der Deutschlandhalle war, versuchte die Gleichgültigkeit der Berliner Fans wie folgt zu erklären: "Ich glaube, das war für das Publikum einfach zu hoch, was Hendrix da auf der Bühne gemacht hat. Ich meine, ich bin auch Gitarrist - und selbst ich komme manchmal nicht hinterher bei dem, was Jimi mit seiner Gitarre anstellt. Wie soll es da erst den Leuten ergehen?"

Von Berlin nach Fehmarn zu seinem letzten Gig

Und in der Tat, wenn man sich den Mitschnitt anhört, so gibt es nach jedem Song einen kurzen, sehr braven, fast emotionslosen Beifall vom Publikum, gefolgt von den jeweiligen nahezu geräuschlosen Pausen vor dem nächsten Song. Andere Konzertbesucher zeigten sich von seinen "egozentrischen Solo-Eskapaden" genervt. Es war in jedem Fall kein schöner letzter Berlin-Besuch von Jimi Hendrix, der sich sofort nach dem Gig auf den Weg zu seinem letzten Open Air-Konzert machte, dem "Love and Peace"- Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn. Hier wurde Jimi Hendrix sogar ausgebuht. Dieser beleidigte zurück, beschimpft das Publikum mit "You Mothas" und gab lakonisch zum besten: "Mir ist es egal, ob ihr mich ausbuht, solange ihr den Ton trefft."

Traurig, dass sein letztes großes Konzert als Desaster in Erinnerung geblieben ist. Eigentlich wollte Jimi Hendrix gar nicht auf Europa-Tournee gehen. Nach drei Jahren rund um die Welt und zurück war er komplett ausgebrannt. Von heute aus betrachtet, hatte er wahrscheinlich einen Burn-out, im wahrsten Sinne des Wortes. Nur hat die Musikindustrie damals ebensowenig auf die Befindlichkeiten der KünstlerInnen geachtet, wie zuletzt bei Amy Winehouse. Die Verträge waren fix, the show must go on.

Der Jimmy-Hendrix-Gedenkstein am Flügger Strand auf Fehmarn erinnert an den Auftritt des Rockmusikers beim "Love-and-Peace-Festival", das am 6. September 1970 hier stattgefunden hat (Quelle: dpa/Markus Scholz)
Auf Fehmarn erinnert ein Stein an den Auftritt von Jimi Hendrix beim "Love-and-Peace-Festival" | Bild: dpa/Markus Scholz

Tod im Londoner Hotelzimmer

Und vielleicht war alles noch viel schlimmer als wir lange wussten. 2009 beschuldigte Hendrix' ehemaliger Roadie James Wright den Hendrix-Manager Michael Jeffrey gar des Mordes: Jeffrey habe eine Lebensversicherung für Hendrix abgeschlossen und sich selbst als Begünstigten eingesetzt, um sich eine Versicherungssumme in Höhe von 1,2 Millionen Pfund auszahlen zu lassen.

Als Jimi Hendrix am 18. September, genau zwei Wochen nach seinem letzten Berlin-Konzert, von seiner Freundin Monika Dannemann bewusstlos in ihrem Londoner Hotelzimmer aufgefunden wurde, deutete zumindest nichts auf einen Suizid hin. Hendrix hatte am Vorabend große Mengen Rotwein getrunken, dazu vor dem Schlafengehen gleich neun Schlaftabletten genommen, die 18-fache Normaldosis von Vesparax, einem Barbiturat, das heute nicht mehr verschrieben wird.

Man kann sein Ende als "Außerirdischer" auf Erden leider nicht annähernd poetisch beschreiben, so wie es sein Schaffen verdient hätte. Es war ebenso schrecklich, wie profan: Jimi Hendrix erstickte an seinem Erbrochenen.

Sendung: Inforadio, 17.09.2020, 09:45 Uhr

Beitrag von MC Lücke

9 Kommentare

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  1. 9.

    Die Geschmäcker sind ja gottseidank verschieden und Jimis Musik muß ja auch nicht jedem gefallen.
    Da frag ich mich aber nur, wenn mir die Musik nicht gefällt, warum ich dann überhaupt einen Kommentar hinterlasse.
    Und in den 60iger Jahren haben viele Musiker mit Drogen hantiert, bloß mal so nebenbei.
    Dafür ist dieses Jahrzehnt aber musikalisch wertvoll, weil: da wurde die Musik wirklich noch von Hand gemacht .... siehe den Song dazu von Reinhard Mey.
    Heutzutage ist es so, daß jeder, der glaubt, drei Akkorde auf der Gitarre zu können und in ein Mikrofon zu fur….., denkt - er mache Musik.
    Bloß gut, daß es trotzdem noch solche Musiker wie die Band "The Winery Dogs" und noch einige andere gibt, welche handgemachte Musik abliefern.

  2. 8.

    hab ihn in der Deutschlandhalle gesehen , kostenlos ................., möge er nun in Frieden ruhen.............

  3. 7.

    hab ihn in der Deutschlandhalle gesehen , kostenlos ................., möge er nun in Frieden ruhen.............

  4. 6.

    Nicht einmal mein positiv gestimmter Kommentar wird zugelassen. Unverzeihlich. Also nochmal von vorne. Jimi Hendrix wird immer in meinem Herzen bleiben. Leider hatte ich nie das Vergnügen ihn je Live zu erleben. Aber dafür habe ich mal Ten Years After( Iam going Home) und Canned Head Live erlebt. Großartig war’s.

  5. 5.

    Erst heimlich Westradio hören und dann meckern - wenn das der ABV gewusst hätte <scnr> .

  6. 4.

    Ich war damals mit einem guten Freund und seiner (1A Wasserpfeife!) in der Deutschlandhalle (Super Concert '70) dabei.
    Es war für die damalige Zeit unfassbar, VIER der Top-Bands erleben zu dürfen. Leider trat Jimi erst als Letzter und weit weit nach Mitternacht auf. Und tja, was soll ich sagen, der Inneraum leerte sich zunehmend, denn es war wirklich spät und man war eigentlich nach Ten Years After, Canned Heat und Procol Harum gut abgefüllt(plus Vorband Birth Control). Jimi wirkte müde und hart ausgedrückt, fast so ein bißchen wie das Abziehbild seiner selbst. Mit anderen Worten gesagt, er kam nicht wirklich mitreißend und begeisternd rüber. Schade! - Für mich ganz persönlich kann ich aus späterer und heutiger Sicht sagen, dass sein Tod einige Tage später eine gewisse Stringenz hatte ...
    Als beste Band das Abends habe ich übrigens Canned Heat in Erinnerung ... und das, obwohl sie gerade ihren Sänger verloren hatten.
    Und natürlich lebt Jimi als großes Idol der Zeit auf immer in uns!

  7. 3.

    Ob er nun der größte Gitarrist aller Zeiten war, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Er war sicher einer der stilbildensten und außergewöhnstlichten Gitarristen aller Zeiten. Und viel zu früh von uns gegangen ist er außerdem.

  8. 2.

    In der DDR hieß es damals er sei drogenabhängig gewesen. Seine Musik gefiel mir überhaupt nicht - auch heute nicht.

  9. 1.

    In unseren Herzen und auf dem Plattenteller, lebt der größte Gitarrist aller Zeiten für immer weiter!

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