07.09.2020, Berlin: Eine Besucherin der Auftaktpressekonferenz zur Berlin Art Week betrachtet im Kindl, dem Zentrum für zeitgenössische Kunst, Teile des vierteiligen Kunstwerks "I Know What A Closed Fist Means" des Künstlers Lerato Shadi. (Quelle: dpa/Riedl)
Audio: Radioeins | 07.09.2020 | Interview Moritz van Dülmen | Bild: dpa/Annette Riedl

Interview | Art Week in Berlin - "Live und in echt und miteinander"

Berlin nähert sich diese Woche mit der Art Week und dem Gallery Weekend vorsichtig den Begegnungen in Galerien und Museen. Für Organisator Moritz van Dülmen kommt damit etwas Licht in dunkle Corona-Zeiten für Kulturschaffende. Zum Glück spielt das Wetter mit.

rbb: Herr van Dülmen, wie funktioniert die Art Week in Corona-Zeiten?

Moritz van Dülmen: Grundsätzlich ist das Gute an der Art Week, dass sie sowieso stadtweit und dezentral stattfindet, weil sie ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Partnern ist, die sich vom Stadtrand bis in die Innenstadt verteilen. Das kommt uns in Corona-Zeiten natürlich zu Gute. Außerdem wird das Wetter super - das konnten wir natürlich nicht planen - aber das ist gut für uns, weil ganz viele Vernastlatungen draußen stattfinden können. Dazu kommen digitale Angebote, die das Programm abrunden. Aber ich bin froh, dass es endlich wieder rausgeht auf die Straße - live und in echt und miteinander.

Für viele Künstler sind die Corona-Zeiten schwierig. Wie ist die Stimmung in der Szene?

Das ist ganz schwierig zu sagen. Es gibt ja keinen Wettbewerb, wem es schlimmer geht als dem Anderen. Es geht den Galeristen genauso schlimm wie den Messebetreibern. Das ist alles ein ganz großes Drama.

So gesehen ist es für alle auch psychologisch wahnsinnig wichtig, dass man wieder ein Zeichen setzt. Im Sommer haben wir überlegt, können wir es machen und kann man es wagen? Wir haben uns als Galeristen und Kunstmachende zusammengeschlossen, um für das Publikum wieder was zu anzubieten.

Und das war für alle Akteure in der Stadt wichtig, um zu sehen, dass es wieder losgeht und wir aus dieser Depression rausmüssen. Es ist noch lange keine Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Es ist nicht wieder alles gut und wir wissen nicht, wohin es geht. Dem Kunstmarkt in Berlin ist es auch vor Corona nicht nur blühend gegangen. Einzelnen Playern geht es supergut - an vielen Stellen ist es aber auch nicht immer einfach. So gesehen ist es gut, dass es wieder losgeht.

Messe, Galerien und Projekträume 2020

Welche Schwerpunkte gibt es für die Besucher in diesem Jahr?

Es gibt die großen Player, die dabei sind, im Hamburger Bahnhof oder etwa Marc Bauer in der Berlinischen Galerie. Im Flughafen Tempelhof findet die Messe "Positions Berlin" statt. Das sind große Highlights. Ich denke, die Ausstellung von mehr als 100 zeitgenössischen Künstlern im Berghain-Studio mit der Boros Foundation ist ein großer Überraschungscoup zur Art Week, der auch über Berlin hinaus schon große Wellen geschlagen hat.

Aber es gibt natürlich jede Menge kleine und feine Projekte, die man entdecken kann. Im Brücke-Museum in Dahlem ist eine tolle Ausstellung mit Werken von Vivian Suter zu sehen. Da gibt es Wochenende Programm für Familien mit Kindern. Im Times Art Center in der Brunnensraße sind Fassadeninstallatationen und Illuminationen zu sehen. Für mich ist es schwierig, einzelne Sachen hervorzuheben. Es ist eine riesige Entdeckungsreise, zu der wir einladen und da ist für jeden was dabei.

Das Interview mit Moritz van Dülmen führten Julia Menger und Kerstin Hermes für Radioeins. Dieser Text ist eine redgierte und gekürzte Version des Gesprächs, das Sie oben im Beitrag im Audio hören können.

Was ist die Art Week?

Die Berlin Art Week, als Zusammenschluss verschiedener Partner 2012 ins Leben gerufen, will die wichtigsten Akteure der zeitgenössischen Kunst in Berlin versammeln: private Galerien, eine Kunstmesse, Privatsammlungen und Künstlern betriebene Projekträumen.

  • 55 Partner mit mehr als 150 Ausstellungen und Veranstaltungen
  • Stadtweite Kooperation: Intervention ›Wir (alle) sind das Volk‹ des Künstlers Hans Haacke im öffentlichen Raum mit Partnern der Berlin Art Week
  • Messe Positions findet in zwei Hangars in Tempelhof statt
  • Take It Digital: Neue digitale Formate zur Berlin Art Week 2020

Die Berlin Art Week ist ein Projekt von Kulturprojekte Berlin. Sie wird ermöglicht durch die Förderung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa sowie der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

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