Blick auf den Berliner Spreepark im Plänterwald (Quelle: Imago Images/Olaf Kraehn)
Audio: Inforadio | 07.09.2020 | Jan Menzel | Bild: Imago Images/Olaf Kraehn

Entwicklungsplan für Berliner Spreepark - Die Rückkehr der verschollenen Dino-Köpfe

Noch rosten im Berliner Spreepark alte Fahrgeschäfte vor sich hin. Dabei sind die Pläne für die Wiederbelebung relativ weit gediehen. Schon im September geht es in die Detailplanung. Unterdessen freuen sich die Projektentwickler über einen ehrlichen Finder. Von Jan Menzel

Wer einmal auf den verschlungenen Pfaden an den zugewucherten Fahrgeschäften, dem verfallenen englischen Dorf, den alten Booten mit Schwanenhals vorbeigeschlendert ist, kann sich dem Zauber nur schwer entziehen. "Ein magischer Ort" sei der Berliner Spreepark, schwärmt Umweltstaatssekretär Stefan Tidow (Grüne). Ein Ort, der nur darauf warte, wachgeküsst werden.

Für die Aufgabe brauchen die Projektentwickler, Landschaftsplaner und Architekten vor allem drei Dinge: Geld, Geduld und Glück. Projektleiter Christian Pfeuffer ist in der komfortablen Situation, dass er über all das verfügt. Pfeuffer arbeitet für das Landesunternehmen Grün Berlin. Er soll hier im Plänterwald das Alte behutsam mit dem Neuen verbinden. Es soll ein Konzept sein, das sich rechnet und nachhaltig ist. Pfeuffer und seine Kollegen sollen all das mit den Ideen der Bürger unter einen Hut bringen.

Baustelle am Eierhäuschen im Treptower Park. (Bild: rbb/Jan Menzel)
| Bild: rbb/Jan Menzel

Eierhäuschen soll 2022 eröffnen, Riesenrad zwei Jahre später

Eine dieser Ideen ist eine Dinosaurier-Wiese mitten im Spreepark. "Die Geschichte aufnehmen" nennt Pfeuffer das. Die alten, noch vorhandenen Kunststoff-Reptilien aus DDR-Zeiten sollen aufgestellt und, so gut es geht, repariert werden. Einer dieser Saurier, ein Tyrannosaurus Rex, liegt graffitibeschmiert und mit einem Loch im Bauch auf dem Rasen. Bei einem anderen Reptil fehlt der Kopf.

Aber hier kommen nun der glückliche Zufall und der ehrliche Finder ins Spiel. Pfeuffer kann sich über die unerwartete Rückkehr von zwei alten Dinosaurierköpfen freuen. Ein junger Mann sei auf sein Team zugekommen. "Er meinte, er hätte die beiden Köpfe an der S-Bahn gefunden", berichtet der Projektleiter. Der Mann habe die Köpfe lange Zeit in seinem Garten gehabt und habe sie zurückbringen wollen. Sie hätten haargenau auf die Dinosaurier gepasst, die noch im Spreepark waren, sagt Pfeuffer. "Das fand ich sehr schön."

Doch bis wieder Kinder auf der Dino-Wiese spielen können, wird noch etwas Zeit vergehen. 2022 eröffnet zunächst das dann frisch sanierte Eierhäuschen. Es soll wieder ein Lokal sein, mit einem großen Biergarten für 250 Besucher, Ausstellungsräumen und einer Künstlerresidenz unterm Dach.

Die begehbare Achterbahn

Noch etwas mehr Geduld brauchen die Freunde des Riesenrads. Die meisten Stahlteile der 31 Jahre alten Konstruktion seien intakt, nur einzelne Gondeln müssten ersetzt werden, sagt Co-Projektleiterin Melanie Huland. "Wir müssen aber das Ganze erst einmal komplett abbauen, um dieses Riesenrad sanieren und wieder in Betrieb nehmen zu können." 2024 solle sich das weithin sichtbare Zeichen des Spreeparks wieder drehen, verspricht sie.

Nicht abgebaut, sondern überbaut wird dagegen der legendäre "Spreeblitz" - die Achterbahn mit der markanten Tunneleinfahrt in Gestalt eines Drachenkopfes. In dessen Schlund wird künftig aber kein Achterbahn-Wagen mehr rasen. "Aus der Rahmenplanung heraus resultuiert die Idee, dass man diese Achterbahn begehbar macht", sagt Huland. Konkretere Pläne gibt es noch nicht. Nicht vor 2026 wird der begehbare "Spreeblitz" fertig sein.

Projektentwickler rechnet mit Kosten von 70 Millionen Euro

Grün Berlin entwickelt den Spreepark schrittweise. Das Gelände soll dann auch etappenweise eröffnet werden, mit einem großen Unterschied zum alten Vergnügungspark: Der neue Spreepark wird kein Rummel sein. Er solle Natur und Kultur zusammenbringen und ein Park für jeden Tag sein, beschreibt Umweltstaatssekretär Tidow das Konzept. "Wo man nicht nur aus besonderem Anlass hingeht, sondern wo man an Wochenenden, auch täglich, sein kann, ohne große Zugangshürden."

Geplant ist also ein Alltags-Park für Berliner und die Gäste der Stadt, die übrigens klimabewusst anreisen sollen, nicht mit dem Auto sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder besser noch übers Wasser. Der Anleger am Eierhäuschen wird dazu ertüchtigt, sowohl für Ausflugsfahrer als auch für Kanus.

Am nötigen Geld werden die ambitionierten Pläne jedenfalls nicht scheitern. Insgesamt kalkuliert der Landesbetrieb Grün Berlin als Entwickler und Park-Betreiber mit Investitionen von rund 70 Millionen Euro für das gesamte Gelände. Einen ersten Vorgeschmack auf den neuen Spreepark sollen in den nächsten Monaten sogenannte "Laborwochen" bieten, in denen Künstler und Umweltaktivisten Veranstaltungen und Projekte durchführen und erproben. Im September sollen die ersten Treffen stattfinden.

Sendung: Abendschau, 07.09.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

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5 Kommentare

  1. 5.

    Das soll also ein "Park" werden, "...Wo man nicht nur aus besonderem Anlass hingeht, sondern wo man an Wochenenden, auch täglich, sein kann, ohne große Zugangshürden."

    Ich habe, angesichts des allgemeinen Zustandes der Berliner Grünanlagen, eine ungefähre Vorstellung, wie dieser "Park" nach einem halben Jahr aussehen wird.

  2. 4.

    Gutes Timing mit den Dinoköpfen. Passend zur Projektvorstellung sind die Dinger wieder da. Fragen an den jungen Mann, warum erst jetzt die Freigabe der Köpfen erfolgt sind wohl nicht erwünscht.

  3. 3.

    Moin zusammen,

    Absolut beschämend, 25/30 Jahre hat man das Areal verkommen lassen nach der Devise, der Osten Berlins braucht soetwas nicht.
    Politische Verantwortung sieht anders aus, aber so sieht gelebte „Widervereinigung“ aus (genau; ohne „ie“)

    Bin gespannt, wann dieses endgültig irgend welchen Spekulanten überlassen wird.
    Hurra, Neoliberalismus

    Mfg

  4. 2.

    Der arme Plänterwald wird zum Hippiedorf. Wieder eine Chance für Berlin verspielt.

  5. 1.

    Eine unendliche Geschichte mit dem Spreepark. Es gibt nunmal Dinge, da fällt die Zeit ihr Urteil drüber. Und über den Spreepark hat sie das längst getan. Baut den maroden Kram ab und lässt den Menschen ihre schöne Erinnerung an die alte Zeiten.

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