Saal in der Villa Elisabeth
Audio: Inforadio | 21.09.2020 | Hans Ackermann | Bild: imago images / Rolf Zöllner

Konzertkritik | Bach in der Villa Elisabeth - Zauberhafte Variationen ganz ohne Schnörkel

Die "Goldberg-Variationen" von Johann Sebastian Bach, komponiert für Cembalo, werden heute meist auf modernen Flügeln gespielt. In der Berliner Villa Elisabeth gab es das Werk am Sonntag in einer anderen Besetzung, der Hans Ackermann viel abgewinnen konnte.

Ganz allein spielt Carmen Alcántara die vierte Variation. Mit ihrem prächtigen Instrument ist die spanische Harfenistin auf der Bühne der musikalische Mittelpunkt. Zu ihrer Rechten haben sich die drei Streicher platziert, der Cellist Joan Bachs, die Bratscherin Kim Esther Roloff und der Geiger Gabriel Adorjan. Auf der linken Seite spielt das Bläsertrio mit Yu-Tung Shih, Fagott, Daniel Gatz, Klarinette und der Flötistin Magdalena Bogner.

Mit ihrer Querflöte gehört der jungen Musikerin der Auftakt des Abends. Begleitet von der Harfe spielt Bogner die ersten Töne der Aria, übergibt das Thema dann an den Klarinettisten, der den melodischen Bogen weich weiterführt. Wenn die Aria nun gefühlvoll durch die verschiedenen Instrumente wandert, Flöte und Klarinette sich schließlich romantisch ineinander verschlingen, wird die Qualität der transparenten und farbenreichen Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs "Goldberg-Variantionen", dem wohl bekannteste Variationswerk des Barock, deutlich.

Bearbeitung von Heribert Breuer

Die Bearbeitung stammt von Heribert Breuer. Er ist Komponist, Chorleiter und Orgelvirtuose und war viele Jahre Professor für Chorleitung und Kontrapunkt an der Berliner Universität der Künste. Im Jahr 1991 hat Breuer außerdem die renommierte Berliner Bach-Akademie gegründet.

Kunstvoll hat Breuer Bachs Cembalo-Noten in eine Partitur für das siebenköpfige Kammermusik-Ensemble übertragen - drei Streicher, drei Bläser und eine Harfe. Als Nebeneffekt könne man dadurch die komplexen Stimmverläufe anschaulich auf der Bühne verfolgen, erläutert der im Saal anwesende Breuer dem Publikum in einer kurzen Einführung vor dem Konzert.

Freude nach Monaten der Kurzarbeit

Die sieben Musiker aus dem Orchester der Komischen Oper Berlin hätten nach Monaten der Kurzarbeit, wie Breuer dem Publikum erzählt, mit großer Freude die Aufführung seiner Musik übernommen. Das Konzert ist dabei auch ein Geschenk zum 75. Geburtstag, den Breuer am 27. September feiern wird. An diesem Tag wird es im Kammermusiksaal der Philharmonie ein weiteres Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach geben. Beteiligt sind dann unter anderem Instrumentalsolisten der Berliner Bach Akademie und Heribert Breuer als Dirigent.

Ohne Verzierungen

Eine Klavierfassung der "Goldberg-Variationen" dauert in der Regel rund 90 Minuten. Das Ensemble um den Geiger Gabriel Ádorjan stimmt die letzte Variation, das Quodlibet, aber schon nach einer guten Stunde an. Den einfachen Grund dieser "Kurzfassung" hatte Heribert Breuer ebenfalls vor dem Konzert erläutert: Er verzichtet in seiner Bearbeitung bewusst auf die vielen Wiederholungen - aufwendig verziert, verlängern sie in der Klavierfassung das Werk beträchtlich.

Und die Entschlackung hat noch einen weiteren Effekt: In der Kürze kann das Konzert auch gleich noch die Corona-Vorschriften erfüllen.

Sendung: Inforadio, 21.09.2020, 07:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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