Bücher liegen gestapelt © imago images/Panthermedia
Bücher liegen gestapelt | Bild: imago images/Panthermedia

Internationales Literaturfestival Berlin - Wer schreibt, der bleibt

Immerhin: Nur ein Viertel des Internationalen Literaturfestivals musste wegen Corona in den digitalen Raum verlegt werden. In den kommenen zehn Tagen wird also ganz analog viel gelesen, diskutiert und vorgetragen. Angereist sind Literaturgrößen aus der ganzen Welt. Von Antje Bonhage

 

Von einem "kleinen Wunder" spricht Ulrich Schreiber, der Festivaldirektor, und bringt damit seine Freude zum Ausdruck - darüber, dass das ILB in einer Zeit der Pandemie überhaupt stattfinden kann. 150 Autorinnen und Autoren aus 50 Ländern nehmen teil.

Mario Vargas Llosa eröffnet das 20. Internationale Literaturfestival Berlin.
| Bild: imago images / Stefan Zeitz

Viele von ihnen kommen persönlich nach Berlin. Oder sie sind bereits hier: Etwa der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der im Kammermusiksaal der Philharmonie eine engagierte Eröffnungsrede hielt. "Literatur ist gemacht für schwierige Umstände", sagte der 84-Jährige: Sie dürfe nicht nur unterhalten. Literatur könne Missstände aufdecken und Unzufriedenheit ausdrücken, unser Unbehagen an der Realität und unseren Wunsch nach Veränderungen. "Literatur ist ein Schlüssel auf dem Weg zu einer besseren Welt." Vargas Llosa gehört zu den führenden Schriftstellern Lateinamerikas, das derzeit in verschiedenen Regionen durch politische Krisen geschüttelt wird.

Auch Olga Tokarczuk ist dabei. Die polnische Schriftstellerin erhielt im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Literatur – rückwirkend für 2018, weil die Auszeichnung in dem Jahr nicht vergeben worden war. Neun Romane und drei Erzählbände hat sie bisher veröffentlicht, ihre Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt. Tokarczuk setzt sich in ihrem Werk unter anderem kritisch mit dem polnischen Nationalismus und Patriotismus auseinander.

Schwerpunkt: Umweltthemen

Ein Schwerpunkt des Programms ist das Thema Umwelt: Eine eigene Reihe befasst sich mit Bioökonomie, dem Schwerpunktthema des Wissenschaftsjahrs 2020. Diskutiert wird unter anderem über Baumschutz, über Insektensterben, Big Data und die Ökonomisierung der Natur. Eröffnet wird die Reihe am Freitag mit einer Diskussionsrunde im Berliner Futurium.

Auch um Rassismus in verschiedenen Teilen der Welt wird es auf dem Festival gehen, oder um Geschlechterrollen.

Teil des ILB ist auch ein großes Jugendliteraturprogramm. Zum Beispiel gibt es einen Poetry Slam für Schülerinnen und Schüler zum Angebot: ein Schulprojekt, bei dem Teenager eigene Essays und Gedichte über Europa, Heimat und Zukunft vortragen. Und schließlich findet im Rahmen des Festivals auch der 10. Graphic Novel Day statt.

Digitale Schalten aus der ganzen Welt

Etwa ein Viertel des Programms findet digital statt. Prominente Autorinnen und Autoren, die pandemiebedingt, nicht nach Berlin reisen können, werden online zugeschaltet. Unter ihnen auch die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende, der israelische Autor und Friedensaktivist David Grossman sowie Richard Ford und Joyce Carol Oates aus den USA.

Festivalzentrum ist in diesem Jahr das silent green Kulturquartier in Berlin Wedding, denn das frühere Zentrum, das Haus der Berliner Festspiele, wird derzeit saniert. Weitere Veranstaltungsorte sind – neben dem Futurium und dem Kammermusiksaal der Philharmonie: die Amerika-Gedenkbibliothek, das Berliner Instituto Cervantes und das Haus der Kulturen der Welt.

In den zehn Tagen Festival gibt es Lesungen, Gespräche, Diskussionen und erstmals ist das Literaturfestival auch mit digitalen Formaten am Start: Livestreams und auf Video aufgezeichnete Literaturgespräche.

Sendung: rbbKultur, 10.09.2020, 8:10 Uhr

Beitrag von Antje Bonhage

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