Archivbild: Außenansicht des Heimathafen Neukölln am 24.11.2012. (Quelle: dpa/Detlef Zmeck)
Audio: Inforadio | 30.09.2020 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/Detlef Zmeck

Konzertkritik | Song-Slam im Heimathafen Neukölln - Für den Gewinner eine Flasche Schnaps und Hustenbonbons

Beim Song-Slam im Heimathafen Neukölln treten - in einem nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit - meist unbekannte Musiker gegeneinander an. Nach coronabedingten Ausfällen war es am Dienstag wieder soweit. Endlich, bilanziert anschließend Hendrik Schröder.

 

Der Modus ist wie folgt: Sechs Musikerinnen und Musiker spielen, immer zwei treten gegeneinander an, die besten drei spielen noch einen Song - und dann gibt es einen Gewinner. Der bekommt eine Flasche Schnaps und eine Tüte Hustenbonbons.

Aber als erstes wird am Dienstagabend im Heimathafen Neukölln der Applaus geübt. Die beiden launigen Moderatoren in schlecht sitzenden Anzügen wollen wissen, wie zum Beispiel eine fünf klingt auf der Applaus Skala des Publikums oder eine siebeneinhalb. Das Publikum donnert los. Dann kommt mit Marie Feiler der erste Act auf die Bühne, sie singt mit Westerngitarre einen Song über Kippen und Bier - über die elementaren Themen eben. Dann setzt sich Taltsie an den pechschwarzen Flügel, super Stimme, der Applaus bebt, Taltsie ist weiter.

Applaus für den "Vergangenheitsman"

Es ist schön, mal wieder im Heimathafen zu sein. Die rot bezogenen Stühle stehen in kleinen Gruppen hygienegerecht weit genug auseinander, und trotzdem nah genug, dass es noch gemütlich ist. Vielleicht 100 Besucher sind da, das ist ordentlich. Alle haben was zu trinken und beste Laune. Die futuristischen Kronleuchter strahlen von der Decke, die Moderatoren machen sich zwischen den Künstlerinnen und Künstlern sehr professionell und witzig zum Horst.

Und schon geht es weiter mit Thomas Franz, der in Schiebermütze und mit Verpeilo-Habitus auf die Bühne schlurft und einen ziemlich lustigen Song über Vergangenheitsman singt.

Danach tritt eine Frau mit mega Stimme auf, die aber nicht lustig ist. Jetzt wird es schwierig für die Publikums-Jury. Entscheiden soll am Ende der sogenannte Power-Applaus, und der bedeutet: drei Sekunden lang klatschen, so laut es geht. Wieder unentschieden. Dann muss doch per Handzeichen eine Entscheidung gefällt werden. Es ist herrlich. So richtig ernst darf man das natürlich nicht nehmen, das ist ja wie für Äpfel oder gegen Birnen klatschen oder für Kaffee oder Tee. Macht aber auch keiner, im Publikum nicht und von den Künstlerinnen und Künstlern auch niemand.

Ein introvertierter Vulkan

Am Ende gewinnt übrigens nicht Merle, die Lieder über Elefanten auf dem Cello spielt. Es gewinnen nicht Nevis und Esther, die so studimäßig und perfekt zweistimmig einen Song über "zusammen die Nacht durchmachen" singen. Es gewinnt der Lustige, Thomas Franz. Am Ende spielt er noch einen durchgeknallten Keyboard-Song über einen introvertierten Vulkan, der nicht mehr ausbrechen mag. Super Typ. Super Veranstaltung.

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