Eine Frau fotografiert während des Rundgangs zur Eröffnung der neuen Ausstellung «Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner» im Museum Barberini das Gemälde «Boulevard de Clichy» (l, 1901) von Pablo Picasso. In Potsdam werden ab dem 05.09.2020 dauerhaft etwa 100 Werke von Malern des Impressionismus und Nachimpressionismus ausgestellt. Das Museum erhält die Bilder als Dauerleihgabe von Museumsgründer Plattner. (Quelle: dpa/S. Stache)
Bild: dpa/S. Stache

Impressionisten-Sammlung im Barberini - "Das Museum wurde für diesen Moment gebaut"

Sonnabend öffnet im Potsdamer Museum Barberini die erste eigene Dauerausstellung: "Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner". Mit der Leihgabe führt der Kunstmäzen das Museum seiner eigentlichen Bestimmung zu. Von Magdalena Bienert

Obwohl es ein denkwürdiger Moment für den Museumsstifter ist, spart sich Hasso Plattner in Corona-Zeiten lieber die Anreise aus seinem Zweitwohnsitz in den USA. Tochter Stefanie spricht dafür Grußworte bei der Pressekonferenz im Potsdamer Nikolaisaal.

Hasso Plattner war zuletzt im Februar in Berlin, um die umfangreiche Monet-Retrospektive vorzustellen. Dabei kündigte er in Plauderlaune an, dass er seine gesamte Impressionisten-Sammlung dem Museum als Dauerleihgabe überlassen werde. Er selbst habe sich sehr gute Kopien anfertigen lassen, um nicht auf seine Meisterwerke verzichten zu müssen.

Seine Leidenschaft für die meist sanften Motive der (hauptsächlich) französischen Impressionisten komme, so der 76-Jährige, auch daher, dass die Gemälde den Betrachter unmittelbar miteinbeziehen: "Wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen. Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies."

103 Werke in einer einmaligen Sammlung

20 Jahre lang sammelte der SAP-Mitbegründer und Kunst-Mäzen Bilder von Impressionisten - ohne Berater, wie Museumsdirektorin Ortrud Westheider betont: "Ich kenne keine andere Sammlung dieses Umfangs und dieser Qualität, die von einem einzigen Privatmann zusammengestellt wurde." Vor dreieinhalb Jahren sei das Museum "für diesen Moment gebaut worden".

Bislang besaß das Barberini keine eigene Sammlung. Das ändert sich nun mit Plattners 103 Gemälden. Damit verfolge er ein klares Ziel, erklärt Westheider: "Er wollte diese Sammlung in die neuen Länder bringen, um die Risse und Wunden zu heilen, die durch zwei Diktaturen hier entstanden sind. Es ist auch ein Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, denn die Bilder in ihrer Zeit waren im kaiserlichen Deutschland weniger gut gelitten."

Jetzt sei das Barberini mit seinen 34 Monets, zwölf Sisleys, mehreren Caillebottes, Renoirs oder Pissarros "eines der größten Impressionismus-Zentren". Nur im Pariser Musée d'Orsay sind aktuell mehr Impressionisten in Europa zu sehen.

Das Barberini wird zum Impressionismus-Zentrum

Mit dieser Leihgabe kann das Museum endlich seiner Bestimmung folgen: forschen, sich austauschen und auf Wechselausstellungen reagieren. Im November öffnet parallel eine Schau über Impressionismus in Russland.

Neben so beeindruckenden Bildern wie einem frühen Picasso, Monets flirrendem Getreideschober oder seinem Blick auf den nächtlichen Hafen von Le Havre, ist die Wahl der Themenräume das Besondere an dieser Ausstellung. Wie schon bei der Monet-Retrospektive ist der empfohlene Rundgang nicht chronologisch aufgebaut, sondern thematisch. Vorbei an "Künstlergärten" mit Monets Seerosen oder üppigen Bauerngärten von Camille Pissarro streifen die Besucherinnen hin zu "Paris und die Peripherie", wo Picasso mit dem "Boulevard de Clichy" von 1901 vertreten ist.

"Museum Barberini Frontansicht"; © Helge Mundt / Museum Barberini
Das Museum Barberini in PotsdamBild: Helge Mundt / Museum Barberini

Unspektakuläre Motive mit komplexen Strukturen

Das Schöne: Diese Ausstellung bleibt, es besteht kein Grund zur Eile. "Das meditative Betrachten ist für Impressionisten wichtig, man muss sie wirken lassen. Die Bilder sind unspektakulär im Sinne vom Motiv, aber die sind so komplex in der Pinsel- und Lichtführung, der Farben und der kompositorischen Anlage – man braucht Zeit beim Ansehen!", sagt Kurator Daniel Zamani. Menschen aus der Region könnten deswegen öfter kommen und die Sammlung "peu à peu" erkunden.

Beitrag von Magdalena Bienert

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