Archivbild: Nasrin Sotudeh in ihrem Haus in Teheran. (Quelle: dpa/K. Farzaneh)
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Nasrin Sotudeh im Hungerstreik - Berlinale fordert Freilassung von iranischer Menschenrechtlerin

Die Europäische Filmakademie und die Berlinale haben die Freilassung der iranischen Menschenrechtlerin Nasrin Sotudeh gefordert. Im Film "Taxi Teheran" sei sie als letzter Fahrgast ins Auto eingestiegen und habe offen über ihr Engagement für politische Gefangene gesprochen. Mit ihrer Art habe sie das Publikum verzaubert, teilten die Filminstitutionen am Freitag in Berlin mit.

Die inhaftierte Bürgerrechtlerin ist seit mehreren Wochen im Hungerstreik, um gegen die Haftbedingungen der politischen Gefangenen während der Corona-Pandemie zu protestieren. Im Iran ist eine Online-Kampagne zur sofortigen Freilassung Sotudehs angelaufen. Die Aktion trägt den Hashtag #freenasrin ("Lasst Nasrin frei").

"Ihr Zustand ist kritisch"

Iranischen Medienberichten zufolge war sie 2018 wegen "staatsfeindlicher Propaganda" zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ihr Mann sagt, das Revolutionsgericht habe sie zu einer Haftstrafe von 33 Jahren und sechs Monaten sowie zu 148 Peitschenhieben verurteilt. Später war auch von 38 Jahren die Rede.

"Ihr Zustand ist kritisch und sie muss sofort entlassen werden, um medizinisch versorgt werden zu können", forderten die Filmakademie und die Berlinale. Film- und Kulturinstitutionen auf der ganzen Welt sollten sich anschließen und eine PEN-Petition unterzeichnen.

Der Film "Taxi Teheran" von Jafar Panahi hatte bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2015 den Goldenen Bären gewonnen.

Aktueller Bärengewinner zu Haftantritt aufgefordert

Im März hatte sich die Berlinale für den ebenfalls iranischen Gewinner des diesjährigen Goldenen Bären eingesetzt: Der Regisseur Mohammad Rasoulof war dazu aufgefordert worden, eine Haftstrafe anzutreten. Mit Bestürzung hätten sie von der Haftanordnung der iranischen Behörden gegen ihn gehört, teilten die Leiter der Berlinale darauhin mit. "Es ist erschütternd, dass ein Regisseur so hart für seine künstlerische Arbeit bestraft wird", hieß es in der Mitteilung.

Rasoulof war wenige Tage zuvor für seinem Film "There Is No Evil" [hier unsere Berlinale-Filmkritik] über die Todesstrafe in seinem Land mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden. Zum Festival hatte er nicht anreisen können. Der Film soll am 5. November unter dem Verleihtitel "Doch das Böse gibt es nicht" in die deutschen Kinos kommen.

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