"Staatsoper für alle" Unter den Linden (Quelle: rbb/Maria Ossowski)
Audio: Inforadio | 07.09.2020 | Maria Ossowski | Bild: rbb/Maria Ossowski

Konzertkritik | Beethoven auf dem Bebelplatz - "Staatsoper für alle" als Sieg der Musik

Der Platz neben der Staatsoper ist groß genug, deshalb durfte die Staatskapelle am Sonntag unter Dirigent Barenboim dort spielen. Zwar nur vor fünf Prozent der üblichen Zuhörer - aber immerhin ein Anfang, findet Maria Ossowski.

2.000 statt 40.000 Besucher, Sitzinseln mit Klappstühlen statt Sitzkissen auf dem Boden, alles wie immer kostenlos, aber mit strenger Personenkontrolle. Die Staatsoper für alle ist seit 14 Jahren Tradition Unter den Linden. Doch an diesem Sonntagabend im Jahr 2020 ist sie schon deshalb einzigartig, weil sie überhaupt stattfindet. Das ist ein Sieg der Logistik, der Technik und vor allem der Leidenschaft für Musik.

Zwei Geburtstage gilt es zu feiern: den 250. von Beethoven und den 450. der Staatskapelle. Vor allem aber, und dies ist das größte Fest, darf das Orchester nach fünf Monaten endlich wieder spielen, und sogar der Chor darf singen.

Anne-Sophie Mutter spielt Beethovenromanzen innig und weich

Zunächst, nach der Egmont-Ouvertüre, hat die Geigerin Anne-Sophie Mutter einen glamourösen Auftritt; sie spielt zwei Beethoven-Romanzen innig und weich. Dazu wechselt das Licht der Scheinwerfer auf den barocken Fassaden von rot zu gelb und blau. Das ist schon arg schön und in diesen Zeiten hie und da ein verstohlenes Tränchen wert.

Drosten im Publikum

Im Publikum sitzen viele Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen, die Karten sind ein Dankeschön der Oper für ihren Einsatz. Der Regierende Bürgermeister hört zu, in der ersten Reihe ebenfalls der Virologe Christian Drosten. Ihn hatte die Moderatorin zu Beginn gefragt, ob die Abstände auf dem Platz in Ordnung seien. Er war zufrieden.

70 Minuten Gänsehautfeeling und der Höhepunkt des Abends beginnen, als Daniel Barenboim den Taktstock hebt und Pianissimo-Klänge der Neunten Sinfonie einsetzen. 60 Chorsängerinnen und -sänger haben nicht auf der Bühne, sondern im Abstand von zwei Metern zueinander außen um das Publikum herum Aufstellung bezogen. Sie tragen Headsets, kleine Mikrofone. Es ist dunkel, die Scheinwerfer strahlen auf die Staatskapelle und ihren Dirigenten, es herrscht "Freude schöner Götterfunken".

Jubel und Standing Ovations

Die Solisten Waltraud Meier, Julia Kleiter, Andreas Schager und René Pape verleihen dieser weltverbindenden Musik ebenfalls ihren besonderen Glanz. Zwei Großbildleinwände übertragen das Bühnengeschehen bis in die letzten Reihen, leider immer einen Achtel-Takt zu spät, was aber dem Zauber des Abends keinen Abbruch tut.

Das Orchester mit seinem charismatischen Dirigenten darf spielen, der Chor und die Solisten dürfen singen. Darum geht’s, und das war langen Jubel und Standing Ovations wert.

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2 Kommentare

  1. 1.

    Wird das Konzert im RBB Fernsehen gesendet, z. B. Der RBB MACHT KONZERT

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