Archivbild: Besucher gehen nach der Eröffnung der James-Simon-Galerie die Treppe nach oben. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 22.09.2020 | Maria Ossowski | Bild: dpa/Soeren Stache

Anhörung im Kulturausschuss - Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht zerschlagen, sondern befreien

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz soll neu aufgestellt werden. Das haben Vertreter von Wissenschaftsrat, Museen und sogar der Stiftung selbst im Berliner Kulturausschuss bekräftigt. Doch die Rieseninstitution zu verändern, wird dauern. Von Maria Ossowski

Es wird eine Herkulesarbeit. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) soll reformiert werden, das hat der Wissenschaftsrat empfohlen. Vor allem die 19 Museen müssen mehr Besucher anlocken. Bei einer Anhörung im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses kamen dazu am Montag erneut Experten zu Wort.

Der Wissenschaftsrat, vertreten durch Generalsekretär Thomas May, bekräftigte dabei noch einmal, dass die größte deutsche Kulturinstitution komplett neu gedacht und neu aufgestellt werden muss. Nur das Wort Zerschlagung, in den Medien süffig kolportiert, sei falsch. Per Video zugeschaltet mit schlechter Tonqualität, aber klaren Worten möchte May keine Zerstörung, keine Skandalisierung.

Stärke durch Vielfalt

Die unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammengeführten Einrichtungen sollten sich nach außen erkennbar selbständiger verhalten und autonom entscheiden können, so May. Sie würden aus dem Verbund "eher befreit denn zerschlagen".

Eine Reform der Stiftung mit ihren rund 2.000 Mitarbeitern und den Hierarchieebenen Präsident und Hauptverwaltung, Generaldirektionen und Direktoren erscheint auch Gero Dimter, dem SPK-Vizepräsidenten, notwendig. Nur würde er gern das Dach erhalten, sei es auch als Serviceangebot, um alle Museen und Bibliotheken, Archive und die Forschung zu vernetzen. "Die Stärke erschöpft sich gerade aus der Vielfalt ihrer Sammlungen und Bestände aus unterschiedlichen institutionellen Formen und Logiken und aus der großen Bandbreite der SPK versammelten geisteswissenschaftlichen, kulturwissenschaftlicher Sozialwissenschaftlichen musikwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Disziplinen", so Dimter.

Aufgaben, aber keine Verantwortung

Schon im August haben 19 Museumsdirektoren in einem öffentlichen Brandbrief "Hier" gerufen. Nach dem Motto: Wir wollen dabei sein, wir wollen mitsteuern. Wir brauchen eigene Etats, wir wollen Personalhoheit. Wir brauchen Planungssicherheit, und zwar ab sofort. Nicht erst in fünf Jahren.

"Im Augenblick ist es so, dass die Aufgaben bei uns liegen, die Kompetenz vielleicht auch, aber die Verantwortung nicht", sagte etwa Matthias Wemhoff, der das Museum für Vor- und Frühgeschichte leitet. Es gebe kaum Zeichnungsberechtigung, keine Budgethoheit oder ähnliches. "Der ganze Prozess muss sich daran messen lassen, wie weit es gelingt nun wirklich Einheiten zu schaffen, die in einem hohen Maße selbstständig sind", so Wemhoff.

Die Struktur verändern, das dauert

Das Problem: 16 Länder sitzen im Stiftungsrat, es ist mühsam, sie alle unter einen Hut zu bekommen. Alle wollen, selbst bei geringer finanzieller Beteiligung, mitmischen. Was andererseits vernünftig ist, denn es geht um die föderalen Aufgaben in der Kultur, darum, zu viel Zentralismus zu vermeiden.

Einen Großteil der Kosten für die Stiftung trägt der Bund. Den vertritt Günter Winands, Abteilungsleiter bei der Kulturstaatsministerin. Schnell soll die Stiftung reformiert werden. Aber schnell ist relativ. Immerhin ist sie im Grundgesetz verankert. Und ihre Struktur komplett zu verändern, vielleicht gar das Dach abzuschaffen, das dauert.

Wenn die Struktur verändert werden soll, müsse man an das Gesetz herangehen – und das bedürfe der Zustimmung des Bundesrats, erklärte Winands: "Damit erklärt sich auch, dass dieser Prozess nicht von heute auf morgen geht. Ein Gesetzgebungsprozess dauert länger, der muss viel länger austariert werden, der muss auch mit den Ländern besprochen werden."

Wie geht es weiter? Eine Reformkommission wird Ende Oktober die Roadmap festlegen, die einzelnen Schritte. Letztlich sollen die Museen attraktiver werden, auch digitaler. Und selbständiger. Warten wir es ab.

Sendung: rbbKultur, 22.09.2020, 07:10 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

4 Kommentare

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  1. 4.

    Natürlich ist die Besitzstandswahrung der Blocking Point. Es sind einfach viel zu viel hochbezahlte Generaldirektionen und Direktoren an Board. Es fehlt jemand, der vorangeht und das Dickicht lichtet. Die jetzige politisch Verantwortliche und Merkel-Vertraute Grütters scheint es nicht zu sein.

  2. 3.

    Einfach Onkel Gogl fragen oder:
    https://www.preussischer-kulturbesitz.de/fileadmin/user_upload_SPK/documents/mediathek/ueber_uns/rp/rechtliche_ordnung_spk_berlin_2014.pdf

  3. 2.

    An welcher Stelle ist denn bitte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Grundgesetz verankert? Ich habe da nichts gefunden.

  4. 1.

    Die Idee, diese einmalige Stiftung mit ihrem Erbe von weltgeschichtlicher Bedeutung überhaupt zu zerschlagen, halte ich für abstrus und einen Versuch der linksgerichteten Regierung, den Namen Preußen endgültig zu tilgen.

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