Steven Sowah (mi) hält am 14.09.2020 den Preis als Bester Nachwuchsschauspieler bei den First Steps Award in Berlin (Quelle: Florian Liedel)
Audio: Inforadio | 15.09.2020 | Hans Ackermann | Bild: Florian Liedel

Preisverleihung First Steps Award in Berlin - Steven Sowah als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet

Bei den First Steps Award wurden am Montag die besten Abschlussarbeiten an deutschsprachigen Filmhochschulen in Berlin geehrt. Mit drei Preisen kann die Filmuniversität Babelsberg auf einen erfolgreichen Jahrgang blicken. Von Hans Ackermann

Sad (Steven Sowah) sitzt in Abschiebehaft. Wütend schleudert der junge Iraker in einer Arrestzelle seine Monologe heraus: "Mensch und Mensch ist nicht dasselbe", lautet das Fazit seiner Erfahrungen. "Das Boot ist voll, es reicht", hat er immer wieder zu hören bekommen.

Sad ist die Hauptfigur im Film "Dreck", den der Berliner Regisseur Ali Tamim als Abschluss seines Regie-Studiums an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf" gedreht hat. Der nominierte Film kann sich am Montagabend bei der Verleihung der First Steps Awards in Berlin im Wettbewerb gegen den Kölner Beitrag "Lychen 92" nicht durchsetzen, aber Steven Sowah erhält für "Dreck" als bester Nachwuchsschauspieler den Götz-George-Nachwuchspreis.

Große Konkurrenz aus Baden-Württemberg

Die stärkste Konkurrenz für die Potsdamer und Berliner Filmhochschulen ist an diesem Abend die Filmakademie Baden-Württemberg. Dort in Ludwigsburg kann man sich am Ende des Abends über vier der insgesamt zehn Preise freuen. Darunter auch der mit 20.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie abendfüllender Spielfilm für den Film "The Trouble with Being Born".

Das geheimnisvolle Drama handelt vom Zusammenleben zwischen Androiden und Menschen, eine philosophisch-futuristische Geschichte, inszeniert von der Regisseurin Sandra Wollner. Mit Blick auf das aktuelle Flüchtlingsdrama auf der griechischen Insel Lesbos nutzt die gebürtige Österreicherin ihre Dankesrede für einen politischen Appell, fordert ihre Regierung auf, "endlich aufzuhören, Ängste zu schüren". Ängste vor einer möglichen Invasion in einer Lebensrealität wie in Österreich zu schüren, sei "einfach nur absurd".

Abschiebung als Komödie

Sandra Wollner hat mit ihrem Erfolg die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin aus dem Rennen geworfen: für den vielversprechenden Spielfilm "Toubab" waren sowohl Regisseur Florian Dietrich als auch die beiden Hauptdarsteller nominiert. Der Film zeigt die Abschiebung als Komödie: Ein Senegalese erfährt auf dem Amt, dass ihn nur noch "die Ehe mit einer deutschen Staatsangehörigen" vor der Ausweisung bewahren kann. Statt einer "Staatsangehörigen" heiratet Babtou nun aber seinen Freund Dennis.

Eine gute Geschichte erzählen, dieses Credo jedes guten Films wird mehrfach vorgetragen, an einem Abend, bei dem das Publikum aus Sicherheitsgründen, wie es zu Beginn heißt, nur aus den Nominierten selbst besteht. Per Einspielung geben prominente Kollegen wie Christoph Maria Herbst wichtige Ratschläge: "Liebe Nominierte, das Wichtigste für euch Schauspielende: am Filmset geht es immer um das Team."

Ohne Angst

Wie Filmteams derzeit überhaupt arbeiten können, welche Bedingungen der Nachwuchs braucht, bleibt an diesem durchaus festlichen Abend unausgesprochen. Am Ende erhält die Produzentin Pia To allerdings den "No-Fear"-Preis. To hat an der Filmuniversität Babelsberg den Kurzfilm "Trading Happiness" produziert, "8.000 Kilometer von zuhause entfernt", wie sie erzählt. Bei komplizierten Dreharbeiten in abgelegenen vietnamesischen Dörfern sei keine Angst zu haben, eben "No-Fear", die einzig vernünftige Devise für Filmschaffende. "Wir können etwas sagen, wir müssen das nutzen und dürfen uns nicht sagen lassen, was wir nicht können und was wir nicht dürfen!"

Von Babelsberg bis Bozen

Mit drei Preisen - Bester Kurzfilm ("Interstate 8"), Bester Nachwuchsschauspieler und No-Fear-Preis - kann die Filmuniversität Babelsberg auf einen erfolgreichen Jahrgang blicken. Nominiert waren aus Babelsberg unter anderem noch der Regisseur Duc Ngo Ngoc für "Trading Happiness", der Dokumentarfilm "Displaced", eine Spurensuche der Filmemacherin Sharon Ryba-Kahn, sowie das Drehbuch "Sprit & Segen" von Seraina Nyikos.

Doch bei Drehbuch und Bildgestaltung, Werbefilm und Langfilm hat am Ende die Filmakademie im baden-württembergischen Ludwigsburg die Nase vorn. Der beste Dokumentarfilm kommt aus der Zelig-Schule für Dokumentarfilm in Bozen: "Neverland", ein Beitrag des albanischen Regisseurs Erald Dika, der darin sein weitgehend unbekanntes Heimatland vorstellt.

Sendung: Inforadio, 15.09.2020, 06:55 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

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