Archivbild: Der Schriftsteller Günter de Bruyn, aufgenommen am 20.06.2007 in seinem Haus im brandenburgischen Görlsdorf (Oder-Spree) (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Video: Abendschau | 08.10.2020 | Theresa Majerowitsch/Anja Herr | Bild: dpa/Patrick Pleul

Im Alter von 93 Jahren - Schriftsteller Günter de Bruyn ist tot

Der vielfach ausgezeichnete Autor Günter de Bruyn ("Buridans Esel", "Der Hohlweg") ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der gebürtige Berliner, der seit Jahrzehnten in Brandenburg lebte, galt als Chronist der Mark. Er starb in einer Klinik in Bad Saarow.

Der in Berlin geborene Schriftsteller Günter de Bruyn ist tot. Das gab Rolf Lindemann, Landrat des Landkreises Oder-Spree, am Donnerstag bekannt. Zuvor hatte die Märkische Allgemeine [maz-online.de] berichtet. Der 93-jährige Autor sei bereits am 4. Oktober in einer Klinik in Bad Saarow (Oder-Spree) gestorben, hieß es.

Chronist und Erzähler mit Bezug zur Region

Mit de Bruyn "verliere man einen Autor, dessen gemeinschafts- und identitätstiftendes schöpferisches Werk auch für die Bürger und Bürgerinnen im Landkreis Oder-Spree von großer Bedeutung sei", sagte Lindemann. Der Autor habe sich seinen Lesern und Leserinnen stets mit großem menschlichen Einfühlungsvermögen genähert und als Chronist und Erzähler immer wieder den sehr konkreten Bezug zu seiner Lebensumgebung in der Region hergestellt.

Er habe wiederholt auf die naturräumlichen Schätze, auf die weiten Landschaften und auf das kulturelle Erbe hingewiesen, das im Märkischen wohne. Nicht zuletzt sei Günter de Bruyn, so Lindemann, ein "Mensch aus unserer Mitte" gewesen, der in vielfältiger Weise und über ein langes schöpferisches Leben hinweg die Bürgertugenden exzellent verkörpert habe.

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach der Familie de Bruyns in einem Schreiben sein Beileid aus. Demnach habe Günter de Bruyn zeitlebens auf unverwechselbare Weise von der Schönheit, der Geschichte und den Eigentümlichkeiten Brandenburgs erzählt. In vielen seiner Werke fänden sich Liebeserklärungen an die Mark und ihre Menschen.

De Bruyn wurde vielfach ausgezeichnet

De Bruyn galt schon zu DDR-Zeiten als bedeutender Schriftsteller und lebte seit mehr als 50 Jahren sehr zurückgezogen in der Nähe von Beeskow (Oder-Spree) in Brandenburg. Seine Werke "Hochzeit in Welzow", "Buridans Esel (Glück im Hinterhaus)" und "Märkische Forschungen" waren zu DDR-Zeiten verfilmt worden.

Günter de Bruyn, der vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet wurde und der unter anderem auch Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes war, galt als sehr bescheiden. Zuletzt hatte er ungern und äußerst selten Interviews gegeben.

Sendung: Brandenburg aktuell, 08.10.2020, 19:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Wäre das nicht der richtige Zeitpunkt, mal wieder eine Romanverfilmung zu senden.
    Da "Glück im Hinterhaus" bereits zum Jahresanfang bei rbb-retro gezeigt wurde, könnte jetzt "Märkische Forschungen" folgen.

    Vielen Dank im Voraus

  2. 5.

    Die Welt und dieses Land verliert einen höchst bedeutenden Mann und meinen Lieblingsschriftsteller.

    Ich hoffe seine Familie konnte wenigsten würdevoll Abschied nehmen - unter bizarren Bedingungen in einem „geschlossenen„ Krankenhaus.

  3. 4.

    Er wird mir fehlen !

  4. 3.

    Schade - Obwohl er Berliner war, war er so märkisch.

  5. 2.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich möchte Sie auf einen Fehler aufmerksam machen. Bei "Glück im Hinterhaus" handelt es sich um die Verfilmung des Buches "Buridans Esel". Beides-Buch und Film waren ob ihrer künstlerischen Qualität viel gelesen bzw. viel gesehen in der DDR.
    Mit freundlichen Grüßen
    Antje Meurers

  6. 1.

    Und diese Meldung kommt beim RBB irgendwo weit unten unter ferner liefen?

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