Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Medienvertretern Spuren der Sachbeschädigungen im Neuen Museum. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: rbb|24 | 21.10.2020 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Vorfall bereits am 3. Oktober - Dutzende Exponate auf Berliner Museumsinsel beschädigt

Im Pergamonmuseum und weiteren Ausstellungsräumen auf der Berliner Museumsinsel sind 63 Kunstwerke beschädigt worden. Zu dem Vorfall kam es bereits Anfang Oktober. Täter und Motiv sind noch unklar.

Auf der Berliner Museumsinsel sind insgesamt 63 Ausstellungsobjekte von einem oder mehreren Unbekannten beschädigt worden. Die Polizei und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) bestätigten entsprechende Medienberichte auf einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag. Der Angriff ereignete sich demnach bereits am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit.

Unter den beschädigten Objekten sind drei bis vier Leihgaben, sagte die stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, am Mittwoch. Aus ermittlungstechnischen Gründen und weil man zunächst die Leihgeber informieren wollte, habe man mit der Veröffentlichung des Falles gewartet. Laut der Wochenzeitung "Zeit", die am Dienstag in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk zuerst darüber berichtete, handelt es sich um einen "der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands".

"Wir fühlen uns ganz besonders angegriffen"

Ein oder mehrere unbekannte Täter hätten die 63 Objekte in insgesamt vier Museen mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt, hieß es. Betroffen sind Exponate unter anderem im Pergamonmuseum, im Neuen Museum und der Alten Nationalgalerie. Darunter seien ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Rahmen von Gemälden in der Alten Nationalgalerie. Die Flüssigkeit habe darauf sichtbare Flecken hinterlassen.

Man habe "Erste-Hilfe-Maßnahmen" eingeleitet und beispielsweise Kompressen aufgelegt, um den Schaden zu begrenzen, sagte die Direktorin der Ägyptischen Sammlung, Friederike Seyfried am Mittwoch. Restauratoren sind seit dem Vorfall mit der Rekonstruierung beschäftigt. Seyfried erklärte, dass es sich nicht um "herausragende Exponate" handele, es aber dennoch eine "schmerzliche Erfahrung" sei. "Wir fühlen uns ganz besonders angegriffen."

Wie die "Zeit" [Bezahlangebot] am Mittwoch schreibt, soll der Angriff etwa eine Stunde gedauert haben und von mehreren Personen an den verschiedenen Standorten gleichzeitig ausgeführt worden sein. Die Polizei bestätigte das nicht. Der Leiter des zuständigen Polizeidezernats, Carsten Pfohl, sagte: "Wir können bis heute nicht eingrenzen, wann die Sachbeschädigung erfolgt ist." Es komme eine Zeit zwischen 10 und 18 Uhr in Frage. Die Auswertungen von Überwachungsbildern haben bisher keinen Ergebnisse geliefert. Derzeit geht die Polizei von einem Einzeltäter aus.

Objekte stehen in keinen offensichtlichen Zusammenhang

Auch das Motiv ist bisher unklar. "Die Objekte wurden nach unserem Dafürhalten wahllos ausgewählt", so Pfohl. Die beschädigten Objekte würden in keinem inhaltlichen Zusammenhang stehen. Ebenfalls unklar ist bisher, wie die farblose Flüssigkeit auf die Objekte gelangte. Pfohl erwähnte die Möglichkeit, dass Flüssigkeiten z.B. wie im Zirkus durch eine Spritzblume am Revers verteilt worden sein könnten. Weitere Informationen, um welche Substanz es sich genau handele, machten Museumsleitung und Polizei nicht, da es sich um "Täterwissen" handele.

Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet.

"Akt des Vandalismus"

Dem "Tagesspiegel" zufolge wurden Besucher, die für den 3. Oktober Museumstickets gebucht hatten, vom Landeskriminalamt (LKA) angeschrieben und dringend um Mithilfe gebeten. Dezernatsleiter Pfohl erklärte, dass sich an diesem Tag mehr 3.000 Leute auf der Museumsinsel aufgehalten hätten. Davon hätten 1.400 ihre Tickets inklusive Registrierung im Vorverkauf erstanden. Von den 2.000 verkauften Tagestickets habe man aber keine persönlichen Angaben.

Zunächst gab es Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang zu einem Aufruf des Verschwörungsideologen Attila Hildmann. Er hatte unter anderem Anfang September in einer Chatgruppe geschrieben, dass sich im Pergamonmuseum "der Thron des Satan" befinde, der unweit vom Privatwohnsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) liegt.
Die Polizei wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen. Es werde "in alle Richtungen" ermittelt, sagte Pfohl.

Vizegeneraldirektorin Haak sieht stattdessen einen möglichen Zusammenhang zur Jugendszene, die sich seit der Lockerung der Corona-Maßnahmen regelmäßig auf der Museumsinsel und im angrenzenden James-Simon-Park aufhalte. Sie erklärte, dass während des Sommers bereits Grafitti und zerschnittene Transparente sowie Müll auf dem Kolonadenhof entdeckt wurden. Ob diese mit dem jetzigen Angriff zusammenhängen, sei aber unklar. "Wir hätten gerne eine Einsortierung der Motivation", sagte Haak und sprach von einem "Akt des Vandalismus".

Museumsinsel ist ein Publikumsmagnet

Die Museumsinsel gehört seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Anfang Oktober feierte das Pergamonmuseum seinen 90. Geburtstag. Benannt ist es nach seiner bekanntesten Attraktion, dem Pergamonaltar. Er stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus und gehörte zur Residenz der mächtigen Könige von Pergamon, die im Westen der heutigen Türkei eine Kulturmetropole nach dem Vorbild Athens schufen.

Als eines der wenigen Museen in Deutschland lockt das Pergamon jährlich mehr als eine Million Menschen an - wenn es komplett geöffnet ist. Die zwischen zwei Spreearmen gelegene Gruppe aus Altem Museum, Bode-Museum, Alter Nationalgalerie, Neuem Museum mit der berühmten ägyptischen Pharaonen-Büste der Nofretete und der James-Simon-Galerie als jüngstem Bau zog zusammen knapp 3,1 Millionen Menschen an.

Sendung: Inforadio, 21.10.2020, 7:30 Uhr

43 Kommentare

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  1. 43.

    'Monika Grütters sagt (2016):
    „Künftig soll es so sein, dass nach Deutschland nur dann ein Kunstwerk aus einem anderen Staat eingeführt werden kann, wenn es eine Ausfuhrgenehmigung des Herkunftsstaates bei sich trägt.“

    Nach langen Debatten, nach Interventionen Kunsthändlern und Künstlern, von Verbänden wie der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, der Deutschen Numismatischen Gesellschaft, von Interessensgruppen bis hin zu Verbänden von Paläontologen, nach jeder Form von Pro und Contra wurde das Gesetz Ende Juni ohne Gegenstimmen vom Bundestag verabschiedet und auch vom Bundesrat bestätigt. In Kraft trat es am 6. August 2016. Insgesamt finden Organisationen wie der Deutsche Kulturrat, dass das Gesetz ein Schritt in die richtige Richtung sei.'
    Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/raubgrabungen-das-schmutzige-geschaeft-mit-der-antike.976.de.html?dram:article_id=330465

    Kleinere Artefakte finden sich aber noch auf Flohmärkten, selbst gesichtet und angezeigt!

  2. 42.

    Leider wird es zukünftig nötig sein, Taschen und Personen zu durleuchten. Zusätzlich Kontaktdaten hinterlassen.

  3. 41.

    So viele erbärmliche Feiglinge sind zur Zeit in Berlin unterwegs, Hauptsache etwas kaputt machen. Wie krank müssen einige Menschen sein.

  4. 40.

    Vielleicht gab es ermittlungstaktische Gründe dafür. Die Schade der Kulturzerstörung fremder Kulturen wird jedenfalls ewig auf diesen vermutlich Rechten Tätern lasten. Aber wahrscheinlich sind die auch noch stolz drauf.

  5. 39.

    Es handelt sich um einen Terroranschlag aller übelster Sorte. Der Schändung von Kultur! Das ist wie damals die SA!

  6. 38.

    Weniger empört - und der Realität näher - wäre hier wohl:
    "aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sofort an die große Glocke gehängt wurde ..."

    Und das ist nicht schlimm, sondern wohl eher als intelligent zu bezeichnen!

  7. 37.

    Attila Hildmann mit dem Projekt Kulturgüter in Herkunftsländer zurückzubringen?
    Den Quatsch glauben Sie doch selbst nicht.
    Und Frankreich macht bitte was vor?
    Dass allein schon Propaganda als Beteiligung an der Tat gewertet werden muss?
    Ich glaube, Sie bringen einiges durcheinander.
    Ich habe übrigens generell nichts gegen Linke, gibt einige Gute, aber gerade von dieser Seite kommen doch die meisten Ideen zur historischen Aufräumaktion (Denkmälersturz, Flaggenverbot usw.)

  8. 36.

    Gibt es keine Überwachungskamera ? Wie konnten diese Leute den Eingang betreten mit diesen Material für diese Beschädigung ?

  9. 35.

    Wenn Sie mich schon zitieren hätten Sie wenigstens meinen Schreibfehler korrigieren können. Es war bestimmt ein Einzeltäter. Ein Irrer halt. Der ist bestimmt ein paar Tage später noch einmal aufgetaucht, um sich von seinem `Werk` zu beseehlen.

  10. 34.

    Am schlimmsten ist, dass uns diese Sauerei verschwiegen wurde.

  11. 33.

    .IckeMittwoch, 21.10.2020 | 13:56 Uhr
    Antwort auf [rbb-24-nutzer] vom 21.10.2020 um 12:23
    "Eben jene, namhafte Museen wie auf der Museumsinsel sind Abnehmer für diese kriminell erworbenen Objekte."

    ""Wie kommen Sie darauf? Nein, das ist nicht richtig. Die illegal eingeführten oder einzuführenden Objekte findet man vornehmlich auf Flohmärkten. Wer sie kauft oder anbietet macht sich strafbar. Bei Verdacht: Zoll informieren.""

    Ich finde den Kontext den "rbb-24-nutzer" hier herstellt nicht richtig. Der eine Sachverhalt hat mit der Beurteilung des anderen nichts zu tun.
    Aber Ihnen ist offenbar die notwendige, für die Fortentwicklung unseres Selbstbildes und unserer internationalen Beziehungen zentrale Diskussion entgangen, womit wir mit kolonialer Selbstherrlichkeit seit 2 Jahrhunderten unsere Museen füllen. Daneben findet der internationale Raubkunst-Kulturmarkt mit relevantem Umsatz NICHT auf Flohmärkten statt. Der ist ähnlich organisiert wie die Drogenmafia.

  12. 32.

    nettmööglichBRBMittwoch, 21.10.2020 | 14:59 Uhr
    Antwort auf [Martina] vom 21.10.2020 um 13:47
    "... eine Bewegung, Organisationen oder auch nur Einzelpersonen, die sich für die Rückgabe von Kunst- und Kulturgütern - zum Teil sind es übrigens die sterblichen Überreste von MENSCHEN - aus kolonialen Zusammenhang einsetzen ..."

    ""Da frage ich mich schon, wie kommen sie denn darauf? Ich habe die weder gemeint noch genannt. ""

    Na dann sagen Sie doch wen Sie meinen, statt dräuende Andeutungen zu machen über irgendwen der irgendwie am Tag der Deutschen Einheit irgendwie Deutschland nicht liebt.

    Wer sind denn "die ganz Anderen" die Ihnen einfallen?

  13. 31.

    "... eine Bewegung, Organisationen oder auch nur Einzelpersonen, die sich für die Rückgabe von Kunst- und Kulturgütern - zum Teil sind es übrigens die sterblichen Überreste von MENSCHEN - aus kolonialen Zusammenhang einsetzen ..."

    Da frage ich mich schon, wie kommen sie denn darauf? Ich habe die weder gemeint noch genannt.

  14. 30.

    "Eben jene, namhafte Museen wie auf der Museumsinsel sind Abnehmer für diese kriminell erworbenen Objekte."
    Wie kommen Sie darauf? Nein, das ist nicht richtig. Die illegal eingeführten oder einzuführenden Objekte findet man vornehmlich auf Flohmärkten. Wer sie kauft oder anbietet macht sich strafbar. Bei Verdacht: Zoll informieren.

  15. 29.

    Wie kommen Sie auf den "Gedanken" eine Bewegung, Organisationen oder auch nur Einzelpersonen, die sich für die Rückgabe von Kunst- und Kulturgütern - zum Teil sind es übrigens die sterblichen Überreste von MENSCHEN - aus kolonialen Zusammenhang einsetzen, zerstören oder Beschädigen die Gegenstände, deren Rückgabe oder Überführung in die Herkunftsländer sie erreichen wollen? Über Ihre weite Herholung sollten Sie sich noch einmal tatsächlich machen, was die Einordnung als "Gedanke" verdient.

    Ansonsten - gibt es einen inhaltlich-propagandistischen Zusammenhang zu Hildmann, wäre bei ihm mit grossem Besteck einzureiten. Frankreich macht gerade vor, das Propaganda für die Tat, als Beteiligung und Voraussetzung für die Tat angesehen werden muss. (Gegen Linke übrigens immer schon die Haltung)
    Im übrigen kommt es nicht drauf an ob jemand etwas als "linke Politik" ausgibt. Sondern ob es "linke Politik" sein kann. Kenne keinen relevanten "Linken" der eine solche Tat verteidigte. Sie?

  16. 27.

    Was für einen hanebüchenen Unsinn schreiben Sie, ausgerechnet die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Hehler- Organisation zu diffamieren, das ist üble Nachrede und eigentlich strafbar.
    Mir ist nicht ganz klar, warum dieser Kommentar hier veröffentlicht werden darf.

  17. 26.

    Die Dummheit und Dreistigkeit dieser Verschwörungstheoretiker kennt keine Grenzen.
    Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, dass das nicht bemerkt wurde. Gibt es keine Überwachung im Museum? Hat man gespart oder war die Aufsicht unaufmerksam?

  18. 25.

    Und was machten die Leute die dort für die Sicherheit zuständig sind ? Mit dem Handy gespielt ?

  19. 24.

    Das ist auch wirklich nicht zu verstehen. Die Person wird doch kein Gespenst gewesen sein. Irgendjemand muss doch etwas mitbekommen haben. Noch dazu wo die Besucherzahlen zur Zeit recht übersichtlich sind.

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