Berlin: Die Arbeiten auf der Baustelle des Berliner Stadtschlosses laufen weiter. (Quelle: dpa/Sommer)
Bild: dpa/Sommer

Coronavirus als Grund - Berliner Humboldt-Forum wird weitere 33 Millionen Euro teurer

Kapazitätseinschränkungen, Ablaufstörungen und Terminverzögerungen durch die Corona-Pandemie sollen den Bau des Berliner Humboldt Forums um weitere 33 Millionen Euro verteuert haben. Aufbringen soll das Geld der Haushaltsausschuss des Bundestags.

Der Bau des Berliner Humboldt Forums verteuert sich um weitere 33 Millionen Euro. Damit ist der vom Bundestag gesetzte Kostenrahmen von 644 Millionen Euro gesprengt. Nun wird mit 677 Millionen Euro gerechnet. Die Stiftung Humboldt Forum bestätigte am Freitag Medienberichte, die sich auf das Bundesbauministerium beriefen.

Erst im vergangenen November waren die Baukosten um knapp 50 Millionen auf insgesamt 644 Millionen Euro gestiegen. Der Grund damals: technische Mängel und Sicherheitsprobleme am Bau, zum Beispiel an Heizung und Kühlanlagen.

Phasenweise Eröffnung soll im Dezember 2020 starten

Als Grund werden diesmal die zusätzlichen Kosten wegen des Coronavirus genannt. "Die Auswirkungen der weltweiten Covid19-Pandemie beeinträchtigen neben zahlreichen anderen Baustellen des Bundes auch die des Humboldt Forums", erklärte ein Sprecher der Stiftung. "Insbesondere in den Bereichen Personal, Material und Logistik kam es in der Folge zu Kapazitätseinschränkungen, Ablaufstörungen und Terminverzögerungen mit entsprechenden Kostensteigerungen."

Die Rekonstruktion des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern soll ein modernes Kulturzentrum werden. Der umstrittene Bau hatte sich bereits mehrfach verteuert und verzögert. Nun ist der Haushaltsausschuss des Bundestags gefragt, der die zusätzlichen Millionen aufbringen soll.

"Der bisherige Plan für die phasenweise Eröffnung ändert sich nicht", betonte die Stiftung. Start des Eröffnungsjahres bleibe der 17. Dezember 2020. Laut dem Fahrplan sollen erste Teile des Kultur- und Ausstellungszentrums zunächst für vier Tage pro Woche öffnen. Regulärer Betrieb in einigen Bereichen ist von Ostern an geplant, also Anfang April.

Teileröffnung schon wegen Corona verschoben

Die zunächst für September geplante erste Teileröffnung des Humboldt-Forums war coronabedingt verschoben worden. Nach insgesamt drei Eröffnungsetappen soll das Forum bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein. Das rund 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Diskutiert wird dabei auch über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken.

25 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 25.

    Ich will noch eine zweite Antwort geben, dies in Bezug auf Hamburg:
    Die Straße Unter den Linden in Berlin sehe ich als dasjenige an, was die immer noch fehlende städtebauliche Verbindung zwischen dem alster-orientierten Teil der Hamburger Innenstadt und dem elb-orientierten Teil der Hamburger Innenstadt ist.

    Letztgenannter Teil wurde ja in den 1960ern und 70ern faktisch gar nicht mehr als Teil der Innenstadt begriffen - zumindest nicht auf Touristenplänen und so auch vom eigentlichen Selbstverständnis der Hamburger Stadtväter her.

    Dieses Verhältnis hat sich mit der Verlagerung des Sitzes von Gruner + Jahr in den 1980ern, mit der Aufwertung der Kehrwiederspitze, der Restaurierung der Speicherstadt und spätestens seit dem Bau der Elbphilharmonie gewandelt. Dennoch gibt es immer noch keine städtebauliche, fußläufige Achse zwischen "Alster-Hamburg" und "Elb-Hamburg". Immer noch getrennte Welten.

    Analog ist es mit den "Linden". Kein Finale, ohne dass ein Anfang gesetzt würde.

  2. 24.

    Mit einem Kampf zwischen "vorletzter Diktatur" und "letzter Diktatur" hat der Abriss des Palastes der Republik überhaupt nichts zu tun, wohl aber mit sorgsamer Stadtgestaltung und mit dem Begreifen, dass die stadtbildprägendste Straße des Berliner Zentrums, die Straße Unter den Linden, sowohl Anfang als auch Ende braucht.

    Die Gebäude im Verlauf dieser Straße wurden bei allseitiger Einigkeit sorgsam restauriert, teilweise sogar rekonstruiert, gleich so verhielt es sich, was das Ende, das Finale der Straße angeht, mit dem Brandenburger Tor. Nur beim Anfang, beim Auftakt, setzte sich im Ergebnis eine Straßenverhunzung durch - zuerst die Sprengung, dann der Aufmarschplatz, dann der Palast ohne jeglichen Bezug zu den "Linden."

    Das ist der Grund. Nicht die Asbestbelastung und nicht irgendein Revanchismus, der allenfalls bei einer Handvoll Unverbesserlicher der Grund gewesen sein mag.

  3. 23.

    An dieser Stelle stand ein voll funktionsfähiges, repräsentatives Gebäude mit vielen Nutzungsmöglichkeiten, 1990 gerade einmal vierzehn Jahre alt, also quasi neu. Mehr muss man dazu gar nicht sagen.
    Und für die städtebaulichen Unzulänglichkeiten davor hätten sich wohl schöne Lösungen finden lassen, mit nur einem Teil des nun verbauten Geldes.
    Dieses Geld bringt übrigens nicht der Haushaltsausschuss des Bundestags auf, wie hier schon richtig bemerkt wurde, sondern wir alle als Steuerzahler. Die privaten Spenden für diesen Bau hielten sich ja letztlich in Grenzen und dienten eher für ein paar hübsche Figürchen und Ähnliches.

  4. 22.

    Mir ist nach wie vor nicht klar, warum der Palast der letzten Diktatur auf deutschem Boden abgerissen wurde, um an seine Stelle den Palast der vorvorletzten Diktatur zu setzen. Sehr gaga. Was will man damit andeuten? Die sog. gute alte Zeit sei wieder da? Ich werde keinen Fuss in diesen Betonbau mit aufgeklebter Fassade setzen. Die Chance für etwas Neues, Modernes wurde vertan. Schade.

  5. 21.

    Ich gebe IHNEN gewiss Recht darin, dass es hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, dass es zu Umbauten kommt, auf die Inanspruchnahme ankommt. Über das Ausmaß ließe sich allerdings streiten. Zählt die Komplettrekonstruktion des Hildesheimer Marktplatzes dazu, die sieben romanischen Kirchen in Köln, die Hamburger Michaeliskirche, der Dresdner Zwinger, allessamt ja Bauten, die nach Zerstörung entweder durch Brand, Krieg oder Verfall rekonstruiert worden sind?

    Deshalb die Einschätzung: Sollte es hinsichtlich des Humboldt-Forums überhaupt zu Veränderungen im Inneren kommen, dann allenfalls in Richtung kompletter Rekonstruktion unter ggf. Zurücknahme moderner Gestaltung. Die Baufluchten werden aber eingehalten werden. Dazu steckt zu viel "Geist" dahinter.

  6. 19.

    zähle doch bitte mal 5 Beispiele auf, die die 100 Jahre (ach was 40 Jahre) ohne die bemängelten Umbauten ausgekommen sind.
    Es wird sie sicherlich geben, aber nicht mit dieser intensiven Nutzung.

  7. 18.

    Dass es sich um eine Teilrekonstruktion handelt, war von Anfang an bekannt. Am Wichtigsten ist die Westseite des Gebäudes, die zur Straße Unter den Linden hin ausgerichtet ist und sich ästhetisch auf die Linden bezieht, dann die Nordseite, die Lustgartenseite, die sich auf das Alte Museum bezieht. Genau das hat der Vorgängerbau nicht vermocht.

  8. 17.

    Ich glaube das wir in Deutschland inzwischen gar nichts mehr planmäßig hinbekommen. Gefühlt sind nur noch Dilettanten und Stümper am Werk die nicht, aber auch gar nichts mehr hinbekommen. Einfach schlimm wie Steuergelder verschludert werden.

  9. 16.

    Rekonstruktion ? Nein, Neubau !
    Hätte man den Investoren das sagen müssen ?

  10. 15.

    Zudem: Im Vergleich zum Flughafen, der maximal 30 oder 40 Jahre unverändert bleibt, bis er wieder und wieder um- und teilweise neugebaut wird, sind die vergleichsweise geringen Mehrkosten beim Humboldt-Forum gut angelegtes Geld. Es darf mit Fug und Recht angenommen werden, dass sich die äußere Gestalt des Gebäudes für mehr als 100 Jahre nicht verändern wird und auch die innere Gestaltung maximal in geringen Teilen.

    Wer den Zeithorizont der Geldausgabe berücksichtigt - wieviel Geld wird in welchem Zeitraum ausgegeben? - für den ist das Humboldt-Forum nahezu ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. So gesehen.

  11. 14.

    Beim BER wurden es beachtliche 5 Milliarden mehr und es werden schon wieder weitere 770 Millionen benötigt. Dazu sind im Vergleich doch die 33 Millionen für das Humboldt-Forum wirklich nix. Und am Ende: Was regt man sich überhaupt auf? Die sogenannten Verantwortlichen haben wir doch alle selbst gewählt.

  12. 13.

    Ich verstehe diese Kommentare nicht. Sind denn wirklich alle so überracht oder ist das Heuchelei um seinen eigenen Frust abzubauen. Hat denn wirklich irgend jemand geglaubt, dass es keine erneute Kostensteigerung geben wird? Dieses Jahr gibt es 5 Parties. 31.10. BER, 8.11. good bye Tegel, 6.12. Verlängerung der U2 , am 17.12. Teileröffnung des Berliner Schlosses und am 31.12. Sylvesterparty. Preisfrage: Welche Party fällt aus?

  13. 12.

    Der Steglitzer Kreisel, Pergamonmuseum, Staatsoper, BER, Humboldtforum. Bauen, umbauen und sanieren ist in Berlin seit jeher etwas ...speziell. Die erneute Kostensteigerung beim Humboldtforum kann daher nicht wirklich überraschen.

  14. 11.

    Auf der einen Seite preußische Glückseeligkeit, auf der anderen Seite das Bilderstürmen nach chinesischen Vorbild.
    Mich wundert es nur, warum sich da noch nicht die gemeldet haben, die anderenorts Denkmäler zerstören und die Geschichte dich krude Einfälltigkeit umschreiben wollen.
    Das der Kasten aber teurer wird, war abzusehen, wie eine Eröffnung in 10, 15 Jahren.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  15. 10.

    Es ist daß nächste Fass ohne Boden wo unsere Steuergelder verbrannt werden unter dem Deckmantel des Senats und der Bundesregierung. Corona als faule Ausrede zu nehmen finde ich als die größte Lüge und Witz den ich bisher gehört habe.

  16. 9.

    @Frank

    1945 fast vollständig zerstört, der kümmerliche Rest wurde 1950 auf Weisung von olle Ulbricht endgültig gesprengt....

  17. 8.

    Warum wird dem Steuerzahler weiter in die Taschen gegriffen für diesen Traum vom preußischen Disneyland? Die Geschichte wird verharmlost und als Feigenblatt stellt man neben den Herrschersstatuen auch ein paar Skulpturen aus dem Rest der Welt auf.

    Die Monarchie hat ein Glück 1918 in Deutschland geendet, bloss leider nicht in den Köpfen von Gestalten wie Jauch, Gauck und Co. Kritisch mit Geschichte umgehen, heisst nicht für 644 Millionen ein Schloss wieder aufstehen zu lassen und es anders zu nennen.

  18. 7.

    Berlin hat's ja.

  19. 6.

    Erst der Abriss des "Palast der Republik" aus politischen Gründen, dann der Prästisch Protzbau des Herrn Boddin genannt "Stadtschloß" - aus angeblichen Spendengeldern!
    Und warum wird jetzt "Corona" vorgeschoben damit der Steuerzahler diesen Protz bezahlen?!
    Die Heuchelei und der Betrug am Wähler finden kein Ende!
    Wer weiß was uns noch im Namen von Corona auf getischt wird ???

Das könnte Sie auch interessieren