Internationales Congress-Centrum in Berlin (Quelle: rbb|24/Sebastian Schöbel)
Audio: Inforadio | 19. 10. 2020 | Sebastian Schöbel | Bild: rbb|24/Sebastian Schöbel

Stillgelegtes Kongresszentrum - Linke fordert Teilöffnung des ICC für Kunst und Kultur

Schmutzige Fassade, erloschene Lichter, verrammelte Türen: Seit 2014 wartet das ICC auf einen Plan, wie es wieder zum Kongresszentrum werden kann. Die Linke fordert nun wenigstens die Teilnutzung für Kulturschaffende. Von Sebastian Schöbel

Das seit 2014 stillgelegte Kongresszentrum ICC sollte zum Teil für Künstlerinnen und Künstler geöffnet werden. Das sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Katalin Gennburg, dem rbb. Sie kritisierte dabei auch den bisherigen Umgang mit dem Baudenkmal als "absolut nicht in Ordnung": Es sei nicht nachvollziehbar, dass das ICC bis 2017 noch für Flüchtlinge genutzt wurde, seitdem aber "vergammelt", so Gennburg. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg."

Mit Blick auf den fehlenden Raum für Kunstschaffende in Berlin sei die Teilöffnung des riesigen Gebäudes an der Messe auch eine Möglichkeit, den Kreativen der Stadt während der Pandemie zu helfen. Gennburg hat dabei nicht nur die weiten Flure und Säle des ICC im Blick, sondern auch die große Bühne in Saal 1. Eine ähnliche Forderung hatte zuvor bereits der Berufsverband Bildender Künstler*innen Berlin aufgestellt.

Senatsverwaltung: Teilnutzung nicht möglich

Gennburg verweist auf das Jahr 2015, als das ICC für zur provisorischen Flüchtlingsunterkunft gemacht wurde. Insgesamt fast zwei Jahre wohnten Menschen in dem Gebäude, dafür wurden unter anderem Sanitäranlagen für mehr als 800.000 Euro hergerichtet und zum Teil auch neue Leitungen gelegt, weil die alten verkeimt waren.

In einer bislang unveröffentlichten parlamentarischen Anfrage Gennburgs an den Senat, die rbb|24 vorliegt, wird eine Teilöffnung allerdings ausgeschlossen. Seit der Stilllegung im Mai 2014 "ruht die baurechtliche Betriebsgenehmigung". Die Stilllegung beruhe auf einer Prüfung durch den TÜV Rheinland, bei der "erhebliche Funktionseinschränkungen der technischen Anlagen (insbesondere der Sprinkleranlage sowie der Gebäudeleittechnik)" gefunden wurden. "Ohne eine Sanierung und Wiederherstellung der Betriebssicherheit ist eine Wiederinbetriebnahme des ICC aufgrund der fehlenden Genehmigungsfähigkeit nicht möglich", so die zuständige Senatsverwaltung für Wirtschaft. "Dies umfasst auch sämtliche Konzepte und Ideen für eine Zwischennutzung."

Technik nicht mehr nutzbar

Man habe bereits diverse Anfragen aus der Kulturbranche erhalten, bestätigte Emanuel Höger, Sprecher der Messe Berlin, dem rbb. So sei unter anderem auch die Schaubühne am ICC interessiert gewesen. Doch schon wegen der Brandschutzauflagen sei eine Nutzung des Gebäudes derzeit nicht möglich, so Höger. Auch die technischen Anlagen seien nicht nutzbar. Für viele Maschinen gebe es keine Ersatzteile mehr, sie dürften also nicht bedient werden. Und die hydraulische Bühne sei heruntergefahren und gesichert, so Höger. "Die kriegen sie nicht hoch."

Die Messe Berlin kostet der ICC-Stillstand derzeit eigenen Angabe 1,5 bis 2 Millionen Euro. In welchem Zustand sich das Gebäude innen befindet, kann man derzeit auch von außen gesehen werden: Die berühmte Aluminiumfassade ist zum Teil erheblich verschmutzt und unansehnlich. Vollständig gereinigt wurde die ICC-Fassade laut Senatsverwaltung für Wirtschaft im Jahr 1998. So bald wird sich das wohl auch nicht ändern: Die Fassadenreinigung gehört laut Wirtschaftsverwaltung nämlich nicht zum Auftrag, den man der Messe Berlin für den Stillstandsbetrieb erteilt hat.

Internationales Congress-Centrum in Berlin (Quelle: rbb|24/Sebastian Schöbel)
Verlassene Lobby des ICC | Bild: rbb|24/Sebastian Schöbel

Vergabe an Investor zieht sich hin

Unterstützung für ihren Vorschlag bekommt Gennburg von Berlins Atelierbeauftragten Martin Schwegmann. Die Stadt habe bis zu 10.000 bildende Künstler, aber nur 1.000 geförderte Ateiliers und Atelierwohnungen. Er kritisierte, dass ihm der zugang zum ICC für eine Prüfung der Örtlichkeiten bisher verweigert worden sei. Er forderte auf Nachfrage des rbb, das ICC "kurz- und mittelfristig für eine Kunst und Kulturnutzung teilzuöffenen". Als Vorbild verwies Schwegmann auf das einst von Abriss bedrohte Haus der Statistik, das derzeit im Rahmen eines Pionierprojektes mit Kunst- und Kulturnutzung erschlossen wird.

Der Senat hatte zuletzt geprüft, ob es Interesse von Investoren am denkmalgeschützten ICC gibt. Insgesamt 13 Vorschläge wurden vorgelegt, darunter auch der Plan, das ICC in eine Art riesiges Gewächshaus zu verwandeln. Zudem gibt es mehrere Pläne, das alte Parkhaus abzureißen und das ICC mit einem Hotel zu erweitern. Derzeit laufen laut Senatsverwaltung für Wirtschaft die Vorbereitungen für die Schadstoffsanierung und ein Konzeptverfahren. Vermarktet werden wird das ICC aber erst nach der Abgeordnetenhauswahl 2021, heißte es auf Nachfrage der Linken. Der bislang ambitionierteste Plan des Senats, den Auftrag für die Revitalisierung des ICC noch vor der Wahl zu vergeben, wäre damit vom Tisch.

21 Kommentare

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  1. 21.

    Ich glaube nicht, dass es bei der Gegenüberstellung Palast der Republik und ICC um "Ost" oder "West" geht.

    Meine eigene Position dazu ist, dass keines der beiden Gebäude eine Urbanität ausstrahlt oder sich gar positiv auf das jeweilige weitere Umfeld bezieht. Das ICC ist geradezu Prototyp einer anti-urbanen Stadtgestaltung, die eine wüste Zäsur in diesen Bereich von Berlin gerissen hat und immer noch reißt. Um einen empfindsam zusammengehörigen Stadtraum zu bekommen, müsste allerdings mehr abgerissen und umgebaut werden als das ICC.

    Der Palast der Republik hat sich in keinster Weise auf die Architektursprache der "Linden" bezogen, dessen Anfangspunkt ein Bau an dieser Stelle immer war. Der Endpunkt der "Linden" ist mit dem Brandenburger Tor gesetzt. Das Humboldt-Forum in Gestalt des früheren Berliner Schlosses ist geeignet, diesen Anfang der "Linden" zu setzen.

  2. 20.

    Abreißen und eine funktionale Messehalle dahin. Das wäre für die Bau- und Unterhaltskosten am günstigsten. Abreißen ging beim Palast doch auch, warum nicht hier?

  3. 19.

    Die SED-Linke "fordert".
    Ich dachte, das ICC ist Asbestverseucht?
    Wenn dem so ist, dann kann ja diese Partei ihre Parteitage darin abhalten.
    Man sollte das Ding einfach abreißen und gut ist.

  4. 18.

    Abreissen den häßlichen Klotz und ein schönes Wohn- und Gewerbeviertel bauen.

  5. 17.

    Klar ist der was besseres. Oder denken Sie wirklich, dass der Abriss des Palastes eine baurechtliche Entscheidung war? Sonst bekommt die Berliner Verwaltung ja nichts gebacken, aber da hat der Durchgriff der Politik mal geklappt.

  6. 16.

    Der RRG Senat besitzt nicht nur keine Problemlösungskompetenz (eher eine Problemerzeugungskompetenz) sondern wegen seiner reichhaltigen Geschenke an sein Klientel auch kein Geld mehr irgendetwas zu bewegen. Die rotgrüneöko Jugend wird sich noch umgucken in welche Situation sie ihre Lieblingspaerteien manövrieren und sie ihre Zukunft finanzieren sollen. Mit Null Spielräumen durch horrende Schulden, verrottete und vergammelte Infrastuktur und vergraulte Investoren.

  7. 15.

    Die Nutzung des ICC für Corona-Patienten wäre eine TOLLE Idee gewesen, aber für den Senat natürlich viel zu einfach: Statt dessen wird für das Pop-Up_Krankenhaus doch lieber eine funktionstüchtige (!) Messehalle blockiert, die für die Eisenbahn-Messe von extremer Bedeutung ist (Gleisanschluss!).
    Es hätte in Berlin viele Möglichkeiten (ICC, Tempelhof) für dieses Behandlungszentrum gegeben, aber es musste ja die wichtigste Halle der Berlin Messe sein.
    Das ICC wird bei diesem Senat noch in alle Ewigkeit im Dornröschen-Schlaf verharren müssen.
    Besser irgendeine Nutzung als gar keine!
    Die Architektur ist übrigens nicht ohne Grund als Denkmal geschützt, sie verkörpert die Trutzburg, die Berlin (West) gerne selbst sein wollte.

  8. 14.

    Ehrlich gesagt: Ich würde den Bau mehr als Mahnmal denn als Denkmal bezeichnen. Denkmal klingt positiv und es werden Erwartungen geweckt. Dieser Bau verkörpert dagegen das glatte Missverständnis, eine bewohnte Stadt incl. deren Umfeld mit einer Mondlandschaft zu verwechseln. Es gibt wohl kaum einen Bau, der treffender für eine anti-urbane Utopie steht als das ICC.

    Von allen Seiten abgeriegelt per sechs- und achtspurigen Straßentrassen, zu Fuß Gehende bevorzugt in Tunnel hineingezwungen, leidlich zugestanden eine Radverkehrsführung in den späten 1980ern, entgegen der ursprünglichen Planung.

    Muss dazu aber so ein Bau gerade an diesem Ort erhalten werden?

  9. 13.

    Offenbar lässt man das ICC absichtlich vergammeln. Damit man hinter sagen kann: Die Renovierung lohnt sich nicht, weil alles vergammelt ist. Eigentum verpflichtet! Das gilt auch dann, wenn der Eigentümer die Öffentliche Hand ist. Wenn hier das letzte Mal vor 22 Jahren die Fassade gesäubert worden ist, dann läuft da etwas völlig schief. Da kann man schon von Vorsatz reden. Bei einem Privat-Eigentümer würde man von einem unseriösen Unternehmen sprechen. Da wären Ämter und Politik ganz schnell dabei. Hier ist es aber die öffentliche Verwaltung, die eine Millionen-Immobilie ganz bewusst verkommen lässt. Eine Schande.

  10. 12.

    Der mit Asbest belastete Palast der Republik ist schon lange abgerissen. Wann beginnt der Senat endlich diesen alten Westbau abzureißen??? Oder ist dieser Bau etwas besseres????

  11. 11.

    Ich war bei so vielen Konzerten und Veranstaltungen im ICC. Es gehört zu Alt West- Berlin einfach mit dazu. Lasst es am Leben.

  12. 10.

    Das ICC ist ein Beispiel dafür,dass der Senat über keinerlei Problemlösungskompetenz verfügt.
    Diese jahrelange Rumeierei ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten.

  13. 9.

    Abreißen und was neues modernes hinbauen solche Asbest verseuchten Ruinen braucht kein Mensch.

  14. 8.

    Krampfstern Galactica ...

  15. 7.

    Was interessiert denn die an der Öffnung? Es gibt nur eine Forderung anstelle vom einem vernünftigen Konzept diese Bruchbude wieder herzurichten. Bastelt doch mal einen Finanzplan und stellt fest das dieses Gebäude lieber abgerissen oder verkauft werden sollte.
    Solch sinnlose Forderungen *hust

  16. 6.

    Bitte benutzt nicht das Ostzonen- oder auch "DDR" Wort "Kulturschaffende" ..einfach eklig!

  17. 5.

    Hat Lederer mit der Clubcommission schon festgelegt welche Diskos wo ihre Floors, nach Schnelltests selbstverständlich, ausrichten und ob Sven an der Tür grimmig schauen darf?

  18. 4.

    Dass ICC ist ein Wahrzeichen Berlins, es sollte bleiben... für Kunst und Kultur .

  19. 3.

    Reisst dieses Ufo endlich ab, asbestverseucht und hässlicher geht nicht.

  20. 2.

    Es gibt derzeit dich wesentlich wichtigere Themen und dringendere Investitionen.
    Dann müssen die „Künstler“ eben warten oder selbst das Geld aufbringen.

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