Volker Bruch und Liv Lisa Fries in Staffel 3 "Babylon Berlin" (Quelle. Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019)
Bild: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

Interview | 3. Staffel "Babylon Berlin" ab 11. Oktober - "Es wird viel düsterer"

Am Sonntag startet die 3. Staffel "Babylon Berlin" im Ersten. Die Hauptdarsteller Volker Bruch und Liv Lisa Fries haben sich in der Serie mittlerweile eingelebt, sagen sie im Gespräch. Allerdings nähern sich im Film jetzt die Goldenen Zwanziger ihrem bitteren Ende.

rbb: Herr Bruch, wir tauchen wieder ein ins Berlin der späten 20er Jahre: Wie geht es in der neuen Staffel für den von Ihnen gespielten Kommissar Gereon Rath weiter?

Volker Bruch: Gereon Rath ist jetzt ein bisschen in Berlin angekommen. Er ist nicht mehr so grün hinter den Ohren und hat diese Stadt als sein neues Zuhause akzeptiert. Und dann geht es relativ schnell an die Ermittlungen im Stummfilm-/Tonfilmmilieu in Babelsberg. Die gesamte Staffel schlittern wir auf den Börsencrash zu, den Schwarzen Freitag. Das ist der Rahmen der Staffel. Das passiert jetzt alles, die Schlinge zieht sich zu.

Um die ersten Staffeln gab es einen ziemlichen Hype. Hat das für Sie den Erwartungsdruck erhöht oder lässt der Erfolg Sie jetzt entspannter rangehen?

Volker Bruch: Von Druck habe ich eigentlich nie was gespürt, bei dem gesamten Projekt nicht. Weder am Anfang, noch jetzt. Wir machen einfach alle unsere Arbeit so gut wie möglich. Dadurch, dass die Vorlagen so toll sind, also sowohl die Roman- als auch die Drehbuchvorlagen, und die Umsetzung so viel Spaß gemacht hat, ist das für mich schon die halbe bis dreiviertel bis fünfundneunzig Prozent der Miete. (lacht)

Was ist für Sie der größte Unterschied zu den vorangegangenen zwei Staffeln?

Volker Bruch: Wir haben schon alles etabliert und können wirklich in die Vollen gehen von Anfang an. Beim Drehen hatte ich ein bisschen Bedenken nach dieser langen Pause, ob das gut funktioniert. Es gab Kostümproben, wo ich meine Sachen anhatte und im Spiegel diesen Typen gesehen habe und dachte: Ja, der sieht so ähnlich aus wie dieser Kommissar aus dieser Serie, aber es hat nicht so richtig gepasst. Am ersten Drehtag hat sich das zum Glück sofort gelegt. Das Arbeiten war wieder möglich und ich war wieder Gereon Rath. Das war sehr erleichternd.

Foto aus der 3. Staffel von "Babylon Berlin" Gereon Rath (Volker Bruch) (Quelle: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019)Volker Bruch als Gereon Rath in "Babylon Berlin"

Frau Fries, Sie spielen die ehrgeizige Kriminalassistentin Charlotte Ritter mit Berliner Schnauze - wie haben Sie die 3. Staffel im Vergleich zu den anderen empfunden?

Liv Lisa Fries: Ich finde, es ist diesmal viel dichter an den Figuren dran. Das liegt natürlich unter anderem daran, dass wir sie sehr gut kennen. Wir wissen schon so ein bisschen, was sie wollen, wo sie hinwollen. Bei den ersten Staffeln bestand die Herausforderung darin, all diese Figuren überhaupt erst zu begreifen. Da wurde sehr stark aufgefächert. Wir kennen dieses Gesellschaftsbild, das ist schon skizziert, und jetzt verdichtet es sich noch viel mehr. Die Kamera fährt einfach noch mal dichter ran. Das ist auch eine visuelle Angelegenheit. Die Geschichte ist dieses Mal auch fokussierter, es geht um einen Mord im Filmgeschäft. Hier wird es viel düsterer.

Es deuten sich auch düstere Zeiten an: Die Machtübernahme der Nationalsozialisten steht bevor, die Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Es herrscht viel Angst und Unsicherheit. Sehen Sie da Parallelen zur heutigen Zeit?

Volker Bruch: Es ist immer Angst, die die Menschen manipulierbar macht. Wir haben damals so eine hohe Arbeitslosigkeit gehabt, der erste Weltkrieg war nicht lange her. Es gab keine Systeme, die alles sozial auffangen, keine Hilfsorganisationen, keine Programme, die das abfedern konnten, da sind wir heute ganz anders aufgestellt. Trotzdem muss man natürlich solche Sachen genau beobachten und immer wieder hinterfragen und sich selber nicht in Ruhe lassen und überprüfen, wo die Reise hingeht.

"Babylon Berlin" fängt aber nicht nur die dunklen Seiten der damaligen Zeit sehr nah ein, sondern auch die wilden, lebensfrohen.

Volker Bruch: Die Partys waren schon toll. Was wir am Set erlebt haben, war ein großer Spaß. Das hat etwas Berauschendes, auch beim Drehen, gehabt, wo wir beispielsweise im "Holländer" (Anm. d. Red.: in der Serie ein Nachtclub) getanzt haben. Wir waren so nass geschwitzt, es gab kaum Luft da unten - und wir haben mit 150 Leuten eins aufs Parkett gelegt, das war unfassbar.

Charlotte (Liv Lisa Fries, re.) und Vera (Caro Kult) amüsieren sich (Quelle: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019)Die Serie fängt nicht nur die dunklen Seiten der damaligen Zeit auf, sondern auch die wilden und lebensfrohen

Wenn Sie etwas aus der damaligen Zeit mitnehmen könnten ins Jetzt, was wäre das?

Liv Lisa Fries: Die Musik, die Mode, die Architektur, das Innendesign. Also ästhetisch entspricht mir das alles sehr. Da würde ich gerne den einen oder anderen Plastikstuhl heute abschaffen und gegen die schönen Holzmöbel eintauschen.

Das Frauenbild von damals würden Sie wahrscheinlich nicht so gerne mitnehmen wollen?

Liv Lisa Fries: Na ja, in der Zeit hat sich ja auch viel entwickelt. Da ging eigentlich die Emanzipation der Frau los, die dann brachial hinter den Herd zurückgeschlagen wurde in der Nazi-Zeit. Aber die Anfänge davon, die würde ich durchaus gerne sehen und unterstreichen wollen. Natürlich weit davon entfernt, wie es heute ist, aber heute sind wir auch noch nicht am Ende.

Die ersten beiden Staffeln haben Sie zusammen mit der ganzen Filmcrew angeschaut. Haben Sie das dieses Mal wieder gemacht?

Volker Bruch: Wir haben ein tolles Team-Event gehabt. Im "Delphi" war das gesamte Team: 500 Leute zusammen in einem Kino, und wir haben an einem Tag tatsächlich alle zwölf Folgen geschaut. Danach waren wir noch in der Bar "Tausend" feiern, das ist in der Serie "Der Holländer". Das war sehr schön. Das sind so tolle Leute, mit denen man auch so viel Zeit verbracht hat. Wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet und nach was sucht, an was tüftelt, dann ist das was sehr Intimes und das bringt einen sehr nahe.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Liv Lisa Fries und Volker Bruch führt Silke Mehring.

Der Text ist eine redaktionell bearbeitete Fassung.

Podcast-Tipp

Herbst 1929 - Schatten über Babylon
radioeins

Radioeins - Herbst 1929 - Schatten über Babylon

Der Berliner Autor und Regisseur Volker Heise erzählt in einer neuen Podcastserie zum Start der dritten Staffel von Babylon Berlin über sechs Episoden hintergründig und spannend von den letzten goldenen Tagen der 20 Jahre: Die Zeit, bevor der Winter einbricht.

Sendung: Inforadio, 09.10.2020, 07:55 Uhr

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Was mir an der Serie nicht gefällt ist die unrealistische weibliche Hauptfigur. Ihr positiv frecher Charakter passt nicht zu ihrem sonstigen Leben: Sie prostituiert sich und wird auch von ihrem mordenden Chef im Puff besucht. Ich denke keiner steckt das so locker fröhlich weg. So etwas kann nur ein Mann schreiben. Auch wenn es so in der Filmindustrie üblich sein sollte.

  2. 2.

    Schön wenn Sie wieder was zu meckern haben. Sie können eben keinesfalls ausschließen, dass auch eine solche Anzahl Autos unterwegs war in den Einstellungen. Klar gab es mehr Pferdekutschen und Straßenbahnen. Aber beides kann nur unter hohen Kosten dargestellt werden.

  3. 1.

    Sicherlich ein Lob für die unermessliche Arbeit und die versuchte Detailtreue. Und doch bleibt etwas zu Kritisierendes in mir hängen: Das Leben der 1920er Jahre scheint mir aus heutiger Sicht rückwärts projiziert. Das betrifft vor allem das Straßenleben.

    Keineswegs war es seinerzeit so, dass alleinig die einschlägig im Film gezeigte Automobile die Fahrbahnen beherrschten. Vielmehr waren die Fahrbahnen unterhalb der Bürgersteige so etwas wie Mischverkehrsflächen, auf denen neben Kfz. auch Pferdekutschen in hoher Zahl und auch Menschen in höherer Zahl zu Fuß quer über die Fahrbahnen gingen.

    Dass der Fußverkehr nahezu allein auf dem Bürgersteig, die Fahrbahnen allein dem motorisierten Verkehr dienten und die Fahrbahnen nur auf kürzesten Wege von zu Fuß Gehenden zu queren seien, gab es vor den 1930ern in diesem Ausmaß nicht. Allgemeine Regelung wurde das erst in den 1930ern und hielt an bis in die 1980er.

Das könnte Sie auch interessieren