Neugestalteter Nieplitz-Uferbereich. (Quelle: rbb/S. Hakenjos)
Antenne Brandenburg | 24.10.2020 | Susanne Hakenjos | Bild: rbb/S. Hakenjos

LaGa Beelitz 2022 - In Beelitz wächst die Vorfreude auf das große Gartenfest

Die Bauarbeiten für die Landesgartenschau Beelitz 2022 sind zu einem Viertel beendet. Auf einem stillgelegten Klärwerksareal entsteht ein Amphitheater, ein Ausflugsdampfer dient als Cocktailbar. Auch ein slawisches Dorf wird nachgebaut. Von Susanne Hakenjos

Südlich der Beelitzer Altstadt schmiegt sich das Gelände der künftigen Landesgartenschau (LAGA) an das Flüsschen Nieplitz. Herbststauden blühen schon farbenprächtig, zum Wasser hinab führen breite Treppenstufen in hellem Beton und Granit, sie laden zum Sitzen ein. Hier lässt sich bereits mehr als erahnen, wie sich dieses Gelände in eineinhalb Jahren als farbenprächtiger Mittelpunkt der LAGA-Schau präsentieren wird.

Stolz zeigt Bürgermeister Bernhard Knuth bei einer Sonntagsführung die Fortschritte: "Man kann schon richtig toll was sehen. Hier etwa die neue Uferabflachung an der Nieplitz, die führt zur Verlangsamung des Fließgewässers, sodass hier kleine Inseln entstehen." 16 unterschiedliche Bereiche werden im 15 Hektar großen Kerngelände für die Schau angelegt. Die Garten- und Landschaftsbauer sind trotz Corona im Zeitplan, sagt der Beelitzer Bürgermeister, zugleich erster Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH.

Bürgermeister Bernhard Knuth vor dem Archegärten-Areal. (Quelle: rbb/S. Hakenjos)
Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth | Bild: rbb/S. Hakenjos

Alle Wege sind in unterschiedlichen Stadien bereits vorhanden, nun bekommen sie noch verschiedene Deckschichten. "Und dann sind wir jetzt auch dabei, weitere Bäume und Sträucher zu pflanzen. Allein an Stauden sind es ja 45.000", so Knuth. Wechselflor ist auf rund 3.500 Quadratmetern geplant, die Flächen für Staudenpflanzungen umfassen 4.800 Quadratmeter. 228 Obstbäume kommen neu in die Erde, 119 andere Bäume und 236 Gehölze und Sträucher.

Gartenschau-Attraktionen entstehen

Ein großer gusseiserner Garten-Pavillon steht bereits, hier wird es einen Cafébetrieb geben. An weiteren Attraktionen wird gerade gearbeitet: Im Röhricht wird unter Planen ein altes Ausflugsschiff zur Cocktailbar "BEEThoven" umgebaut. "Da hatten wir die Idee, dass das dann so aussieht, als würde es Richtung Nieplitz herangefahren kommen. In Wirklichkeit wurde der 20 Tonnen schwere Kahn mit dem Tieflader hierher gebracht. Das ist ein ausgemusterter Loreley-Dampfer von 1927," erläutert der Bürgermeister den vielen interessierten Zuhörern seiner zweieinhalbstündigen Sonntagsführung die Herkunft des Schiffs, das auch nach der LAGA dann Beelitz bereichern soll. Nachhaltige Nachnutzungen sind stets mitgedacht. Im Pavillon darf später etwa geheiratet werden.

Stück für Stück lässt sich verfolgen, wie sich das Gelände im Süden der Altstadt verändert: Ein neuer Mühlenteich wird gebaut, das ehemalige Mühlenfließ wird mit einem flachen Kanal nachempfunden, eingefasst von einem Staudenband. Etwa 20 Zentimeter tief dürfen im Kanal später heiß gelaufene Füße im Wasser gekühlt werden. Bis zum Start der Schau soll übrigens auch die historische Beelitzer Wassermühle saniert und zum Standort für ein Museum und die Stadtbibliothek ausgebaut sein.

Spuren slawischer und noch älterer Besiedelung

Weiter westlich schließt sich im LAGA-Gelände die offene Landschaft der sogenannten Archegärten an. Auf der Insel zwischen der Nieplitz und den Beelitzer Bullenwiesen haben Archäologen Spuren einer Siedlung slawischen Ursprungs gefunden: "Hier gibt’s sogar bis zu 3.000 Jahre alte archäologische Funde", so der Rathaus-Chef. Auf diesem Areal der "Ur-Beelitzer" entsteht ein nachgebautes Slawendorf mit Bauten aus Holz und Stroh.

Unter einem großen offenen Rundbau findet das "Grüne Klassenzimmer" Platz: Schließlich wird es über 250 Veranstaltungen für Kinder während der LAGA geben. Danach wird es für die Beelitzer Schulhort-Kindern ein Platz für Naturerfahrungen. Zu einem spannenden Ort gerade auch für Jüngere wird das Biotop-Areal mithilfe eines Holzbohlenstegs verwandelt. Fast fertig führt er durch wild verwunschene Botanik. Mithilfe von Audio-Technik wird hier dann die Geschichte vom Froschkönig umgesetzt und mit einer zusätzlichen Holz-Plattform wurde ein Ort für Märchen-Erzählungen geschaffen.

Das brachliegende Klärwerksgelände – verwandelt in ein Amphitheater mit Naturbühne

Fast alle Areale sind bereits frei zugänglich und können auch auf eigene Faust erkundet werden, bis auf das Gelände des vor dreißig Jahren stillgelegten Klärwerks. Der Bürgermeister öffnet das Schloss an einem Bauzaun, dahinter türmt sich ein Haufen Schotter. Bei den Abbrucharbeiten auf dem seit Jahren brachliegenden Gelände wird gerade viel alter Beton abgeräumt: "Hier entsteht ein Amphitheater mit Naturbühne", so der Bürgermeister.

"Für diese Landesgartenschau-Hauptbühne mit wunderbarem Blick auf die Altstadt suchen wir übrigens noch einen passenden Namen", verrät Gartenschau-Sprecherin Marina Ringel: "Wir sammeln tolle Vorschläge, wird einer ausgewählt, ist uns das auf alle Fälle eine Gartenschau-Jahreskarte wert!" Generell planen die Beelitzer eine Gartenschau für alle zum Mitmachen: Auf der neuen Bühne werden nicht nur Stars erwartet: Beim regelmäßigen LAGA-Treff "Sommergarten" werden sich auch die verschiedenen Ortsteile kulturell und musikalisch präsentieren. Annette Kitzmann, Leiterin des Beelitzer Frauenchors will bereits mit Proben starten.

Ehemaliges Klärbecken auf dem LAGA-Gelände. (Quelle: rbb/S. Hakenjos)
Das alte Klärwerkbecken soll bleiben | Bild: rbb/S. Hakenjos

Wasserpflanzen-Areal historisches Absenkbecken

Vom alten Klärwerk übrig bleibt ein großes, rundes Klärbecken aus massivem Beton mit zwei verschieden hohen Ebenen. Dieses frühere Absenkbecken erhält ein völlig neues Gesicht und prägt den späteren Wasserpflanzen-Bereich, schwärmt Bürgermeister Knuth: "Innen wird es mit Licht illuminiert, sodass man auch hineinschauen kann. Hier gibt’s dann auch schwimmende Blumen-Inseln und in der Mitte eine Fontänen-Anlage. Und es wird außen rundum begehbar sein", verspricht er den Neugierigen, die bereits einen Blick in die historischen Becken werfen dürfen.

Eine Nachnutzung, die sich kein Beelitzer hätte so träumen lassen: "Fantastisch", schwärmt etwa die frühere Ortsvorsteherin Karin Höpfner: "Die Gartenschau ist ein echter Gewinn für Beelitz". Viele sehen das künftige Gartenschau-Gelände nun zum ersten Mal: "Ich staune wirklich, aber man muss ja dann auch rechtzeitig anfangen" findet ein älterer Beelitzer, und gerade auch junge Leute finden es "Total spannend, was hier alles passiert."

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.10.2020, 15 Uhr

Beitrag von Susanne Hakenjos

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich kenne das ein oder andere Klärwerk im Land Brandenburg.
    Auch ohne Millionen Steuergeld sind es Kleinode des Wachtums.
    Na hoffentlich finden dort in Beelitz die alten Flaschensammler einiges.

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