21.10.2020, Berlin: Medienvertretern fotografieren Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum. (Quelle: dpa/dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 22.10.2020 | R. Unruh | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Vandalismus auf Museumsinsel - Wie sollen Sicherheitsvorkehrungen in Museen künftig aussehen?

Nachdem gezielte Vandalismusschäden auf der Berliner Museumsinsel publik wurden, wird nun über die Sicherheitsvorkehrungen debattiert. Mehr Personal? Mehr Videoüberwachung? Glücklich sind Museumsverantwortliche mit beiden Möglichkeiten nicht.

Nach den Anschlägen auf Ausstellungsobjekte auf der Berliner Museumsinsel stellt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die Art der Präsentation infrage. "Wir wollen, dass die Museen offen sind, dass nicht jeder Sarkophag hinter Panzerglas versteckt wird, dass ein direkter Kontakt der Besucher zu den Objekten möglich ist", sagte er am Donnerstag im rbb: "Aber können wir das weiterhin so aufrechterhalten? Das ist die Frage, die wir uns alle stellen müssen."

In mehreren Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin waren am 3. Oktober von Unbekannten Ausstellungsstücke mit einer öligen Flüssigkeit besprüht worden. Betroffen sind insgesamt 63 Objekte in der Alten Nationalgalerie, dem Pergamonmuseum und im Neuen Museum, etwa ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen sowie Bilderrahmen von Gemälden. Die Schäden waren erst am Mittwoch öffentlich gemacht worden.

"Wir können nicht neben jeden Sarkophag eine Aufsicht stellen"

Die Staatlichen Museen würden nun ihre Sicherheitsvorkehrungen überprüfen, sagte Parzinger im rbb-Kulturradio. Mehr Videoüberwachung ist nach seiner Ansicht aber keine Lösung. Die Museen hätten bereits viel Videomaterial, das jetzt ausgewertet werde. Das sei in Zeiten von Corona aber schwierig, "denn wer ein Museum betritt, trägt natürlich eine Maske". Auch könnten die Museen nicht "neben jeden Sarkophag eine Aufsicht" stellen, so Parzinger.

Der Stiftungspräsident appellierte auch an die Museumsbesucher, aufmerksam zu sein. Diese sollten Mitarbeiter informieren, wenn sie auffälliges beobachteten. "Wir haben alle Verantwortung, das kann man nicht nur an Videokameras und Aufsichten delegieren."

Museumsbund fordert mehr Hilfen

Der Deutsche Museumsbund hat nach den Anschlägen auf Kunstwerke der Berliner Museumsinsel mehr Hilfe der Träger für die Einrichtungen angemahnt. Wenn es etwa Bedrohungslagen gebe und Museen heutzutage auch verbal bedroht würden, müsse man sie wahrscheinlich besser schützen, sagte Präsident Eckart Köhne am Donnerstag im Inforadio des rbb auf die Frage, wie solche Vorfälle verhindert werden könnten. Einen Anschlag dieser Art habe es noch nicht gegeben. "Da würde man sich wünschen, dass man nach einem solchen Vorfall die Schuld nicht wieder bei den Museen sucht", sagte Köhne. Vielmehr müssten die Träger der Einrichtungen fragen, wie die Häuser in ihrer Arbeit unterstützt werden könnten.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte am Mittwoch gesagt, die Staatlichen Museen zu Berlin müssten sich Fragen nach ihren Sicherheitsvorkehrungen stellen lassen. Es sei zu klären, "wie diese vielen Beschädigungen unbemerkt vonstattengehen konnten und wie solche Angriffe in Zukunft verhindert werden sollen". Die Vize-Direktorin der Staatlichen Museen, Christina Haak, entgegnete, es gebe ein Sicherheitskonzept, dass immer entlang von Gefahrenlagen weiterentwickelt werde. Hundertprozentige Sicherheit für die Objekte hieße, "dass wir sie der Öffentlichkeit entziehen".

Unterdessen sucht die Polizei weiter nach dem Täter oder den Tätern. Sie bitte Zeugen, sich mit Hinweisen zu melden. Die Restauratoren der Staatlichen Museen haben mittlerweile die Flüssigkeit von vielen Ausstellungsobjekten entfernen können, wie Parzinger im rbb sagte. Sie hätten nach den Anschlägen sofort mit den ersten Maßnahmen begonnen.

Sendung: Inforadio, 22.10 2020, 07:05 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    „Unterdessen sucht die Polizei weiter nach dem Täter oder den Tätern.“

    Interessant, dass hier nicht die korrekte Schreibweise „Täter_innen“ verwendet wird. Laut RBB kann es also nur ein Mann gewesen sein.

  2. 4.

    Leider gibt es Menschen, die mit Synapsen unterversorgt sind und daher sollte man Sicherheitsschleusen wie am Flughafen an Museen installieren. Es handelt sich hier schließlich um Kulturgüter und Kostbarkeiten ... Warum muss immer erst was passieren ? mit etwas logischen Menschenverstand und Sicherheitsdenken hätte man das verhindern können ...

  3. 3.

    Kameras, Kameras und noch mehr Kameras! Anders wird man so etwas nicht mehr in den Griff bekommen! Mir ist es doch egal, wenn ich ein Museum gehe und da hängen überall Kameras, die alles aufzeichnen. In Banken und Gerichten ist es doch schon lange Praxis und wird von der Bevölkerung geduldet. Wenn ich einmalige Exponate anderen zur Schau stelle, dann ist das doch wohl gerechtfertigt.

  4. 2.

    "Die Museen hätten bereits viel Videomaterial, dass jetzt ausgewertet werde. Das sei in Zeiten von Corona aber schwierig, "denn wer ein Museum betritt, trägt natürlich eine Maske"."

    Ich hätte schon gedacht, dass mehr Videoüberwachung in diesem Zusammenhang etwas bringt. Der oder die Täter*in/nen werden ja nicht mit dem Mund, sondern vermutlich mit den Händen agiert haben und die Hände sind nicht maskiert. Man hätte dann also Videoaufnahmen von zwar maskierten, aber klar überführten Menschen und könnte damit an die Öffentlichkeit gehen. Gerade bei bewegten Bildern kann man auch trotz Maske oft schnell erkennen, um wen es sich handelt, mir fällt da der seltsame Gang des einen Verdächtigen beim Goldmünzen-Raub ein, der wenig später aufgrund der Videoaufnahmen verhaftet wurde.

  5. 1.

    Die Fotographen beseelt wie bei den Ausgrabungen von Tutanchamun. Ein Irrer beschäftigt die Kripo und die Öffenlichtkeit.
    Gut zu hören, dass an vielen Objekten die mysteriöse Flüssigkeit bereits entfernt werden konnte. I Berlin sucht einen Irren wie 1931 als Fritz Lang seinen Klassiker drehte.

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