200 Menschen demonstrieren für den Erhalt einer koreanischen "Friedensstatue" in Berlin-Moabit. (Bild: rbb/C.Toledo)
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Video: rbb|24 | 13.10.2020 | Material: Camilo Toledo | Bild: rbb/C.Toledo

Streit zwischen Japan und Korea-Verband - Friedensstatue in Moabit darf vorerst bleiben

200 Menschen haben in Berlin-Mitte für den Erhalt der Friedensstatue für die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt demonstriert. Der Korea-Verband hatte die Bronzeskulptur erst Ende September enthüllt - dann gab es Druck aus Japan.

Der Bezirk Berlin-Mitte hat seine Anordnung an den Korea-Verband, die "Friedensstatue" bis zum 14. Oktober aus Moabit zu entfernen, vorläufig zurückgezogen. Wie ein Sprecher des Berliner Verwaltungsgerichts rbb|24 am Dienstag sagte, hat der Bezirk damit auf einen Eilantrag des Verbands reagiert, der kurz zuvor beim Gericht eingegangen war. Nun darf die Statue stehen bleiben - zumindest so lange, "bis eine grundsätzliche Bewertung des Verwaltungsgerichts vorliegt", erklärte Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) am Dienstagabend.

Das Denkmal an der Bremer/Ecke Birkenstraße in Moabit ist den Opfern sexualisierter Kriegsgewalt gewidmet und zeigt beispielhaft eine Zwangsprostituierte des japanischen Militärs während des Zweiten Weltkriegs.

Japanische Regierung reagierte laut Bezirk "irritiert"

Der Korea-Verband hatte die Figur erst am 28. September mit Genehmigung der Kommission Kunst im Stadtraum aufgestellt. Kurz darauf hatte der Bezirk dem Verband die Genehmigung für die Figur entzogen und diese Entscheidung mit "Irritationen" über die Gestaltung des Denkmals begründet.

Die Skulptur thematisiere nicht sexualisierte Gewalt im Allgemeinen sondern konzentriere sich "ausschließlich auf das Verhalten der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg", wie der Bezirk bereits am Freitag mitteilte. Irritationen habe es demnach unter anderem in Japan "auf nationaler Ebene" gegeben.

Einem Bericht der taz zufolge soll der Außenminister der nationalkonservativen Regierung in Japan Anfang Oktober in einem Gespräch mit Außenminister Heiko Maas (SPD) seinen Unmut über die Figur geäußert haben. Der "politische Druck" sei laut taz daraufhin über die Berliner Senatskanzlei auf den Bezirk ausgeübt worden. Der sei dann "eingeknickt", wie ein Sprecher des Korea-Verbands rbb|24 sagte.

Senatskanzlei forderte vom Bezirksamt Mitte eine "schnelle Lösung"

Die Pressestelle des Auswärtigen Amts äußerte sich auf Anfrage von rbb|24 nicht zu dem Vorgang. Die Berliner Senatskanzlei teilte mit, man habe Gespräche mit der japanischen Botschaft und dem Bezirksamt geführt und sich dort für eine "schnelle Lösung" eingesetzt.

Danach forderte der Bezirk den Korea-Verband auf, die erst kürzlich aufgestellte Statue bis zum 14. Oktober abzubauen. Bürgermeister von Dassel begründete die Kehrtwende am Freitag so: "Mit der "Friedensstatue" und ihrer Texttafel wird ein politisch-historisch belasteter und komplexer Konflikt zwischen zwei Staaten aufgegriffen, der sich nicht für die Aufarbeitung in Deutschland eignet."

Der Korea-Verband hat daraufhin einen offenen Brief für den Erhalt der Statue veröffentlicht, über ein Onlineformular haben sich inzwischen mehr als 1.900 Unterstützer eingetragen.

Für die Statue setzt sich auch die Frankfurter Studentin Angela Lee mit einer Online-Petition ein, die bereits 5.200 Mal unterschrieben wurde. "Die Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg darf sich auch in Berlin nicht auf die Schauplätze in Deutschland beschränken. Deshalb ist die Statue wichtiger Teil einer kontinentübergreifenden Bildung", so Lee im Gespräch mit rbb|24.

200 Menschen demonstrieren für Friedensfigur

Am Dienstag versammelten sich nach einem Aufruf des Korea-Verbands rund 200 Menschen in der Birkenstraße in Moabit, um für den Erhalt der Friedenstatue zu demonstrieren. "Wir sind gegen den Abbau der Skulptur, weil die Statue an den Mut der Überlebenden erinnert, die das Schweigen über die sexualisierte Gewalt der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg gebrochen haben. Diese Statue ist aber nicht als Kritik an Japan gedacht, sondern steht als Symbol für die Rechte der Frauen", sagt ein Sprecher des Verbands rbb|24 am Dienstag.

Die Statue sei ein genereller Protest gegen sexualisierte Gewalt in Kriegen, insbesondere gegen Frauen. Als Beispiel sei das Vorgehen der japanischen Armee gewählt worden, die schätzungsweise 200.000 Mädchen und Frauen gezwungen hatte, sich für japanische Soldaten zu prostituieren. Japans Regierung nannte die Opfer, die vor allem aus China, Korea und anderen Staaten im Pazifikraum stammten, "Trostfrauen".

Grüne kritisieren Parteikollegen von Dassel

Dass ausgerechnet ein Grüner Bezirksbürgermeister den Abbau eines solchen Denkmals anordnet, stößt auf bei der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus auf Kritik. Fraktionssprecherin Laura Neugebauer sagte rbb|24, von Dassel habe die Werte der Grünen dem politischen Druck aus Japan untergeordnet. "Die Reaktion des Bezirks ist ein unglaublich falsches Signal. Die Grünen stehen für Kunstfreiheit und sind zu hundert Prozent solidarisch mit den Opfern von Zwangsprostitution", so Neugebauer. Die Grünen-Fraktion fordere ihren Parteikollegen von Dassel auf, die Staue doch zu genehmigen.

Benedikt Lux, innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sagte am Dienstag, der Bezirk sei vor dem Druck aus Japan "eingeknickt": "Die Statue wurde zuerst genehmigt und dann gab es Druck von der japanischen Regierung, die sehr revisionistisch und nationalistisch ausgerichtet ist", so Lux am Rande der Demonstration.

Gerade auch wegen der deutschen Geschichte, die in anderen Ländern zu großem Leid geführt habe, sei es wichtig, dass in Berlin daran erinnert werde.

Von Dassel fordert Kompromissvorschlag

Das Bezirksamt selbst teilte am frühen Dienstagabend mit, in der Angelegenheit "vorerst keine weiteren Entscheidungen treffen", sondern abwarten, bis die grundsätzliche Bewertung des Verwaltungsgerichts vorliegt.

"Wir werden die Zeit nutzen, um unsere eigenen sowie die Argumente aller beteiligten Akteurinnen und Akteure in diesem komplexen Disput erneut gründlich abzuwägen", erklärte von Dassel am Dienstagabend. "Wir wünschen uns einen Kompromissvorschlag, der den Interessen des Korea-Verbands sowie den Interessen der japanischen Seite gerecht werden kann. Es wäre begrüßenswert, das Mahnmal so zu gestalten, dass alle Beteiligten damit leben können."

Sendung: Abendschau, 13.10.2020, 19.30 Uhr

25 Kommentare

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  1. 24.

    Während des 2. Weltkriegs gab es in den von Deutschen besetzten Gebieten Europas übrigens auch Wehrmachtsbordelle.
    Gibt es für die Frauen, die dort ausgebeutet wurden, eigentlich schon ein Mahnmal?
    Oder sollte man neben der von Japan beanstandete Skulptur am besten noch eine zweite aufstellen?

  2. 23.

    Während sehr viele Nationalitäten in D für und gegen alle möglichen Geschehnisse in ihren Heimatländern demonstrieren dürfen, mit allen monetären und infrastrukturellen Nebenwirkungen, wird nun um dieses berechtigte Denkmal gestritten. Schämen sollen sich die Beteiligten! Vielmehr sollte Japan die Hand der Versöhnung ausstrecken, anstatt sich auf politischer, wie juristischer Ebene, einmal mehr ins Aus zu schießen.

  3. 22.

    Ich dachte, Deutschland sei das Symbol einer Nation, die Fehler gemacht hat, aber Bedauern und Entschuldigung gegenüber den anderen zeigt, was Aufrichtigkeit ist. Und diese Haltung führte dazu, dass Deutschland ein wahrer Führer der Welt wurde, der eine Welt mit wahrer Menschlichkeit führt, nicht wie die USA, die nur durch Macht führen. Ihre Meinung würde andere, die wie ich denken, zu einem Missverständnis von Deutschland machen.
    Deutschland ist das einzige Land, das die Länder lehren und führen kann, die andere mit Macht regieren und ihre Schattenseiten verbergen wollen.
    Bitte denken Sie, was ist Ihr Stolz auf Deutschland.
    (Sorry that I am not good at German. it is Google translation.)

  4. 21.

    Ja, das müsste auch vom Korea-Verband viel stärker thematisiert werden, da gebe ich ihnen recht.

  5. 20.

    Ich empfehle, die Quellenangaben in Beitrag 18 zu lesen. Von Ihnen beschriebene Vorwürfe sind ja bereits sehr häufig gemacht worden.

  6. 19.

    wäre es nicht aufrichtiger, wenn die Koreanischen Friedensverbände an eigene Kriegsverbrechen an Vietnamesischen Frauen erinnern würden? Denn da bleibt die Entschuldigung ja noch aus...

  7. 18.

    Warum wird nicht auch den Vietnamesischen Frauen, die von Koreanischen Soldaten missbraucht wurden, ein Denkmal gesetzt? Es sollte genau daneben gestellt werden....

    Die Japanische Regierung hat sich im Gegensatz zu der Koreanischen entschuldigt und Kompensationen bezahlt.

    https://www.theguardian.com/global-development/2019/jan/19/women-raped-by-korean-soldiers-during-vietnam-war-still-awaiting-apology

    https://www.scmp.com/news/asia/east-asia/article/1895536/comfort-women-deal-compensation-and-apology-shinzo-abe-rivals


    https://en.m.wikipedia.org/wiki/List_of_war_apology_statements_issued_by_Japan

  8. 17.

    Mich erinnert das an den seinerzeitigen Bundestagsbeschluss zum türk. Vorgehen gegenüber den Armeniern, der dann auf Druck der Erdogan-Reg. seitens der deutschen Regierung als bloße Meinungsbekundung des Parlaments abgetan wurde - ohne jegliche rechtliche Bindungswirkung.

    Hier ist es nun die Genehmigung eines Berliner Bezirks. Vielleicht hat sich noch nicht zur Trump-Regierung rumgesprochen, dass es in Potsdam-Babelsberg einen Hirosihima-Platz gibt, der die Heldenhaftigkeit der USA etwas in Frage stellt und scheint es der derzeit. japan. Regierung verborgen geblieben zu sein, das in der Ausstellung im Schloss Cecienhof das brutale Vorgehen der japanischen Armee mit sehr klaren Worten zitiert worden ist. Im Kontext des gesamten Krieges wohlgemerkt, nicht allein auf Japan konzentriert.

    Die Begehrlichkeiten nat. Regierungen scheinen unbegrenzt, die Vergangenheit des Landes in strahlendem Licht erscheinen zu lassen. Fällt es schwer zu vermitteln, das dieses Land anders tickt?

  9. 16.

    Zutat: "Was ist mit dem Missbrauch durch: Deutsche, Amerikaner, Sowjets, Franzosen und Briten?"

    Die erste bronzene Friedensstatue wurde 2011 vor der japanischen Botschaft in Seoul errichtet. Mittlerweile gilt sie international als Symbol gegen Kriegsverbrechen an Mädchen und Frauen.

    Zur Friedensstatue in Berlin: „Die Friedensstatue soll mahnen und erinnern, sowie den Ansporn geben, Verbrechen an Mädchen und Frauen zu verfolgen, zu ahnden, und letztendlich aus der Welt zu schaffen“, so Nataly Jung-Hwa Han, die Vorsitzende des Korea-Verbands.

    https://www.koreaverband.de/blog/2020/09/28/friedensstatue-berlin/

  10. 15.

    Was Sie in Bombay machen würden, ist Ihre Sache. Aber weshalb soll Koreanerinnen und Koreanern, die in Berlin leben, hier verwehrt werden, an solche Verbrechen zu erinnern?

    Und weshalb werden zumindest manche Herrschaften von Rot-Rot-Grün bei einem Themenkomplex, der ihnen sonst sehr wichtig scheint und bei dem sie recht laut sind, ganz, ganz leise, wenn jemand von draußen bloß laut und rüpelhaft genug brüllt?

    Bei nächster Gelegenheit kommen dann wieder Phantasien, wie heldenhaft man sich, hätte man damals gelebt, den Nazis entgegengestellt hätte, womöglich mit Sitzblockaden und so ...? Und "nie wieder, nie wieder" usw. Und heute, wo einem - im Gegensatz zu damals - gar keine ernsthafte Gefahr droht, zieht man sofort den Schwanz ein? Nennt man das nicht Maulheldentum?

  11. 14.

    Informationstafel Zur Bedeutung der FriedensstatueDie Tracht der Statue verweist auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die abgeschnittenen Haare deuten die gewaltsame Verschleppung der Mädchen und Frauen an. Die Fäuste und angehobenen Fersen drücken das Leben in Scham und Isolation auch nach der Heimkehr aus, aber auch den Willen, trotz Demütigungen nicht aufzugeben. Der Vogelauf ihrer Schulter steht für Frieden, Freiheit und die Verbundenheit zwischen den Lebenden und den Toten. Der Schatten der Statue, als Mosaik in die Bodenplatte eingelassen, zeichnet den Umriss einer alten Frau. Er steht für die verronnene Zeit und verdeutlicht das lange Warten auf Gerechtigkeit. Der weiße Schmetterling ist ein Symbol für die Wiedergeburt und die Hoffnung auf eine aufrichtige Entschuldigung durch die Verantwortlichen. Der freie Stuhl lädt uns ein Platz zu nehmen und die Gefühle der Betroffenen nachzuempfinden. Er steht für das Versprechen aller künftigen Generationen, sich gegen das Vergessen...

  12. 13.

    Lesenswert die Pressemappe des Korea Verbandes zur Aufstellung der Statue. Darin wird die lokale Verbundenheit mit dem Kiez deutlich. Hier der Text auf der Gedenktafel: "Friedensstatue Statue of Peace Im Zweiten Weltkrieg verschleppte das japanische Militär unzählige Mädchen und Frauen aus dem gesamten Asien-Pazifik-Raum und zwang sie zur sexuellen Sklaverei. Die Friedensstatue erinnert an das Leid dieser sogenannten Trostfrauen. Sie würdigt den Mut der Überlebenden, die am 14. August 1991 ihr Schweigen brachen und sich gegen eine Wiederholung solcher Verbrechen weltweit einsetzen. Eine Schenkung von The Korean Council forJustice and RemembrancefortheIssuesof Military Sexual Slavery by Japan, errichtet von der AG „Trostfrauen“ des Korea Verbands im Bündnis für die Friedensstatue.14. August 2020"
    www.koreaverband.de/wp-content/uploads/2020/09/Pressemappe-Friedensstatue.pdf

  13. 12.

    Sie vielleicht nicht, aber indische jüdische Nachfahren von Geflüchteten vielleicht schon*. Interessanter Bericht im Mumbai Mirror der IndiaTimes: https://mumbaimirror.indiatimes.com/mumbai/other/stories-of-the-holocaust/articleshow/73823186.cms
    Unweit von Mumbai in Cape Town steht z.B. auch ein Holocaust Museum: https://ctholocaust.co.za/
    Haben Migrant*innen nicht das Recht ihrer Geschichte zu Gedenken in ihrer neuen Heimat?! Und zumindest dort (hier) vor diesbezüglicher Unterdrückung beschützt zu werden?
    @rbb Was steht denn auf der Gedenktafel in Moabit?
    *einfach mal Holocaust und Mumbai in die Suchmaschine eingeben ...

  14. 11.

    Berlin ist eine weltoffene Stadt. Wo ist da das Problem? Kaum ein Berliner kennt die Bremer Straße in Moabit. Die Japaner sowieso nicht.

  15. 9.

    Genau stattdessen sollte man auf allen Völkern der Welt rum trampeln, vermutlich hat jeder Dreck am Stecken. Was für eine jämmerliche Argumentation

  16. 8.

    Zitat: "Den Mayas, Inkas und Azteken wurde sehr viel unrecht angetan. Vielleicht könnten die Grünen ja ein Mahnmal hierzu als Ersatz aufstellen."

    Und vlt. könnten Sie sich alternativ zu Ihren zynischen Kommentaren einfach mal ein Ei braten, oder, soweit vorhanden, ein erquickliches Gespräch mit einem Mitbewohner führen . . . oder oder oder

    Hier geht es um den Missbrauch hundertausender Frauen durch Japanische Kriegsteilnehmer, und nicht um Ihren Grünen-Hass, Rudolfo.

  17. 7.

    Unglaublich, diese Art, „gute Beziehungen zu Japan“ und das „friedliche Zusammenleben im Bezirk“ zu pflegen.

    Mit der gleichen jämmerlichen Begründung könnte man sich z.B. auch um eine klare Haltung zum Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg drücken.

  18. 6.

    Hallo liebe RBB, das ist nicht der "Streit zwischen Japan und Korea-Verband".
    Sondern gegen Sexismus, Rassismus, Faschismus, Kolonialismus und Krieg!!

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