Filmstill aus "The Earth Is Blue as an Orange" von Iryna Tsilyk (Quelle: Ukrainisches Filmfestival Berlin)
Audio: Inforadio | 05.11.2020 | Larissa Mass | Bild: Ukrainisches Filmfestival Berlin

Ukrainisches Filmfestival Berlin - Das Unsichtbare sichtbar machen

Das erste "Ukrainian Film Festival Berlin" möchte den Zuschauern ukrainische Lebensrealität näher bringen. Im Programm gibt es Autorenfilme, Kurzfilme und Diskussionsrunden. Ursprünglich als Hybrid-Festival geplant, ist es nun nur online zu sehen. Von Larissa Mass

Wadim reist in die Karpaten - er hat den Auftrag, verschiedene Tiergeräusche für ein kanadisches Videospiel aufzuzeichnen. Begleitet wird er dabei von seiner anhänglichen Mutter, die in einer Lebenskrise steckt. Für die Behörden macht er sich damit verdächtig - für seine Mutter ist er ein Rätsel. Der Spielfilm "My Thoughts Are Silent" von Antonio Lukich portraitiert einen rührenden Mutter-Sohn-Zwist, humorvoll und tragisch.

Auch solche privaten Geschichten fernab des seit sechs Jahren dauernden Krieges in der Ostukraine sind Teil der ukrainischen Filmszene, die das erste "Ukrainian Film Festival Berlin" den deutschen Zuschauern näher bringen will. "Seeing the unseen - бачити небачене", das Unsichtbare sichtbar machen lautet das Motto. Die Initiatoren möchten neue unabhängige Filme aus der Ukraine zeigen, die ansonsten in Deutschland kaum zugänglich sind.

Kriegszone im Osten

Mit-Organisatorin Ivanna Kozak erklärt, dass sie mit der Filmauswahl auch ein realistisches Bild der Lebenswirklichkeit in der Ukraine widerspiegeln möchten.

"My thoughts are Silent" spielt im Westen des Landes. Er wurde vor zwei Jahren gedreht, doch der Krieg im Osten des Landes ist kein Thema. "Man ist im Westen und ganz weit weg", sagt Ivanna Kozak, "Man hört es in den Medien, und klar denkt man darüber nach, aber man versucht auch weiter zu machen und genau das zeigt der Film."

Ebenfalls einen Blick in den Alltag der Westukraine wirft Nadia Parfan mit ihrem Dokumentarfilm "Heat Singers": Der Gewerkschaftsführer eines kommunalen Heizungsunternehmens in der Westukraine organisiert einen Chor für Mechaniker, Handwerker, Disponenten, Buchhalter und andere Mitarbeiter. Ausgezeichnet wurde dieser humorvolle Einblick als bester Dokumentarfilm bei den "Ukrainian Film Academy Awards 2020".

Filmstill aus "My Thoughts Are Silent" von Antonio Lukich (Quelle: UFFB)
Filmstill aus "My Thoughts Are Silent" von Antonio Lukich | Bild: UFFB

Erstärkte ukrainische Filmszene

Neben Dokumentationen und Spielfilmen zeigt das Festival auch Kurzfilme und bietet Live-Streams und Fragerunden mit den Machern der Filme an. Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt die ukrainische Filmszene in Form eines Festivals zu präsentieren, meint Ivanna Kozak. In den letzten zehn Jahren ist die ukrainische Filmszene professioneller geworden, zum einen hat sich die nationale Kulturförderung stark verbessert, Filmemacher haben durch Finanzierungen und Stipendien nun die Chance auch mehr Zeit und Arbeit in die Dreharbeiten zu stecken, was einen deutlichen Qualitätsanstieg bedeutet.

Außerdem, so Kozak, habe sich seit den Maidan-Protesten 2014 auch viel in den Köpfen der Kreativen im Land verändert: "Die haben nicht gesagt, egal wir fahren nach Amerika, um da Karriere zu machen. Nein, die sind noch stolzer geworden und sagen, dass haben wir überlebt und wir möchten darüber Filme machen, egal unter welchen Bedingungen!"

Von Hybrid- zu Onlinefestival

Ursprünglich sollte das Filmfestival als Hybridfestival on- und offline stattfinden, aufgrund des Kultur-Lockdowns ist es nun ein reines Onlinefestival. Trotzdem möchten die Organisatoren die Filme in den nächsten Monaten, sobald dies wieder möglich ist, auch nach und nach in den Berliner Kinos zeigen. In Zukunft soll das Festival nun jährlich in Berlin die junge ukrainische Filmlandschaft präsentieren.

Das Ukrainische Filmfestival startet am Donnerstag und läuft bis zum Sonntag. Die Filme werden in den Originalsprache Ukrainisch und Russisch mit englischen Untertiteln gezeigt. Onlinetickets gibt es für einzelne Filme oder auch einen kompletten Festivalpass für das ganze Programm, der bis zum 08. November gültig ist.

Sendung: Inforadio, 05.11.2020, 08:55 Uhr

Beitrag von Larissa Mass

2 Kommentare

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  1. 1.

    Wat ne Schauveranstaltung.
    Ich warte heute noch auf durch die Ukraine versprochene Aufklärung der Schüsse auf dem Maidan.

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