Außenansicht vom Kino International in der Karl-Marx-Allee am Abend. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Audio: Inforadio | 26.11.2020 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/J. Kalaene

Deutscher Kurzfilmpreis 2020 - Wucht, Kreativität und Relevanz

Wim Wenders hat sie gewonnen, Tom Tykwer und Werner Herzog auch: Eine Lola für den besten Kurzfilm. Am Mittwoch wurde der Deutsche Kurzfilmpreis nun zum 64. Mal verliehen. Und wieder waren tolle Filme dabei, meint Hendrik Schröder.

Ein bisschen seltsam sieht es anfangs schon aus, wie Moderator Tim Oliver Schulz durch das menschenleere Kino International schreitet und den Abend eröffnet. Denn die Preisverleihung für den Deutschen Kurzfilmpreis [deutscher-kurzfilmpreis.de] findet, wie könnte es in diesen Zeiten anders sein, in einer Mischung aus Vor-Ort - und Onlineveranstaltung statt. Nur der Moderator, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die Band "Die höchste Eisenbahn", die zwischendurch mal Musik macht, sind vor Ort. Die Nominierten und Laudatoren und Jurymitglieder, darunter Kinobetreiber, Produzenten, Regisseure sind per Zoom oder Videobotschaft zugeschaltet.

Gerade der Kurzfilm wage sich auf neues Terrain, erklärt Monika Grütters in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung des Preises, der Kurzfilm sei oft Anstoß für ästhetische Entwicklungen und deswegen so wichtig für die Kulturlandschaft.

Hochaktueller Zoom-Film gewinnt Kategorie Spielfilm

254 Filme waren insgesamt eingegangen. Zwölf wurden nominiert. Die erste Kategorie: Dokumentarfilme bis 30 Minuten. Es gewinnt "Alturas" von Roxana Reis. Eine Dokumentation aus den Bergen Perus. Ein paar Sekunden werden eingespielt, ein Jurymitglied erklärt dann zu jedem Film, warum gerade der die Lola bekommt.

In der Kategorie Spielfilm bis zehn Minuten gewinnt "Meeting" von Jannis Alexander Kiefer, eine so zur Zeit passende lustige Montage eines Online Business Gesprächs, in der zwei Männer und zwei Frauen, zusammengeschaltet per Videoschalte miteinander verhandeln müssen. "Kiefer setzt dem Zoom-Meeting das Krönchen auf", sagt Anna Thalbach in ihrer Laudatio auf den Film. Der Film sei "ein scheinbar flott hingeworfener, aber handwerklich brillant gemachter Film mit perfektem komödiantischen Timing".

Wilder Bilderritt bei den Experimentalfilmen

Futuristisch wird es in der Kategorie Animationsfilm. In "From My Desert" von Veneta Androva geht ein Kunstinvestor durch einen stählernen Gang mitten in der Wüste und verliebt sich dort in ein Bild. Zackig, kantig, komikartig kommt der Film daher. Die Kategorie gewinnt dann aber "Der natürliche Tod der Maus" von Katharina Huber.

Dann wird es fast gruselig. Die Kategorie Experimentalfilm ist dran. "Untitled Sequence Of Death" von Vika Kirchenbauer gewinnt. Ein wilder, flackender Bilderritt über traumabedingten Gedächtnisverlust.

"All die Kurzfilme an diesem Abend seien voller Wucht, Kreativität und gesellschaftlicher Relevanz", sagt Monika Grütters in ihrer Rede. Dabei muss man wissen, allein zu den Nominierten zu gehören ist für alle Filmemacher schon ein Riesenerfolg. Nicht zuletzt finanziell, denn auch die Nominierung ist dotiert, für viele Filmschaffende genau die Finanzspritze, die sie jetzt brauchen, um weiterzumachen. 275.000 Euro werden insgesamt an diesem Abend verteilt. Und das ist sinnvoll ausgegebenes Geld.

Sendung: Inforadio, 26.11.2020, 8 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

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