Tim Fischer (Quelle: Tine Acke)
Audio: Inforadio | 13.11.2020 | Hans Ackermann | Bild: Tine Acke

Interview | Tim Fischer - "Eine Liebeserklärung an Berlin"

"Cabaret Berlin" nennt der Berliner Chansonier Tim Fischer sein neues Album. Neben Musicalsongs finden sich dort auch Lieder aus der Serie "Babylon Berlin", in der Fischer mitspielt. Zuletzt gab er im Musical "Cabaret" den Conférencier.

rbb: Sie haben in Hamburg im Musical "Cabaret" den Conférencier gespielt - was gefällt Ihnen an dieser Rolle?

Tim Fischer: Der Conférencier ist im Grunde so ein Mittler zwischen den Welten und das hat mich gereizt. Die Rolle wurde mir vorher schon sechs Mal angeboten. Aber mir ging das lange Zeit immer zu nah. Ich habe immer gedacht, das ist so "voll aufs Auge", wenn ich den Conférencier gebe. Aber jetzt bin ich ein bisschen älter.

Muss man denn ein bestimmtes Alter haben, um diese Rolle zu spielen?

Ja! Und ich fühlte mich lange Zeit zu jung. Jetzt bin ich alt, ich bin 47 Jahre alt. Und ich finde, der Conférencier muss schon ein bisschen was auf dem Buckel haben (lacht).

Nach dem "Cabaret"-Medley, mit "Money, Money, Money" und anderen Liedern aus dem Musical, geht es mit "Müdigkeit" von Thomas Pigor weiter. Wie ist das Programm auf dem Album insgesamt zusammengestellt?

Es gibt ja diese Sehnsucht nach den "Goldenen Zwanzigern", die auch mit unseren Zwanzigern verglichen werden. Ich habe diese CD aufgenommen, um zu zeigen, dass es neben den alten "echten" Berliner Liedern oder den Songs, die wir für "Babylon Berlin" geschrieben haben, auch neue Kompositeure gibt, die einfach an die Tradition dieser "Goldenen Zwanziger" anknüpfen.

Sie selbst haben für die Serie "Babylon Berlin" den Titel "Heut' Nacht in Peru" beigesteuert, spielen dort den Nachtclubsänger Ilja Tretschkow. Wie sind Sie eigentlich zu dieser Rolle gekommen?

Im Grunde wie die Jungfrau zum Kinde. Einer der Regisseure, Achim von Borries, sagte zu mir: "Wir wollen dich unbedingt als Inka-Göttin in der 3. Staffel dabei haben." Ich fühlte mich natürlich geehrt und habe gesagt, ja, klar, wer kann denn eine Inka-Göttin verkörpern, wenn nicht ich (lacht). Daran geknüpft war natürlich die Aufgabe, einen Song zu schreiben, der in einer verruchten Berliner Kneipe vorgetragen wird. Und so habe ich mich mit Oliver Potratz daran gesetzt und "Heut' Nacht in Peru" geschrieben.

Dieses Lied singen Sie auch auf dem Album. Außerdem ist dort aber auch noch die Erkennungsmelodie von "Babylon Berlin" zu hören, "Zu Asche, zu Staub". Die Einleitung spricht Karin Baal, auf der CD Ihr "Special Guest". Wie war es, mit dieser legendären Schauspielerin zusammenzuarbeiten?

Karin Baal und ich, wir kennen uns schon sehr lange. Man hat mich irgendwann einmal gefragt, ob ich für Karin Baal in einem Kino in Kreuzberg ein Geburtstagsständchen singen kann. Das habe ich natürlich gemacht und ich kann mich noch gut erinnern, wie herzlich wir uns damals begegnet sind. Sie war danach Dauergast in meinen Konzerten in der Bar Jeder Vernunft oder im Tipi am Kanzleramt und es war immer der Wunsch da, dass wir mal künstlerisch etwas zusammen machen. Da habe ich dann jetzt gesagt, rücken wir doch mal etwas näher zusammen. Sie war gleich Feuer und Flamme und sagte, sie möchte gern etwas von Georg Kreisler präsentieren und von Tucholsky oder Brecht - also hatten wir ganz viele Anknüpfungspunkte. Als sie dann ins Studio kam und anfing, in das Mikrofon zu sprechen, standen allen gleich die Haare zu Berge, weil sie einfach so eine tolle, rauchige Stimme hat und ein Handwerk, vor dem wir unseren Hut ziehen. Sie ist jetzt 80 Jahre alt und versteht es einfach, mit Sprache umzugehen.

Sie haben mit dem Album mitten in der Corona-Pandemie angefangen, sind für mehr als zwei Monate ins Studio gegangen, wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung ?

Wir haben im April angefangen und ich war wirklich sehr glücklich, dass ich mich kreativ austoben durfte. Und jetzt bin ich sehr froh, dass wir uns das getraut haben, weil ich sehr glücklich mit dem Ergebnis bin. Der Bassist Oliver Potratz hatte die musikalische Leitung übernommen und er hat die Crème de la Crème der Jazzmusik eingeladen. Mir hat das ermöglicht, in die verschiedensten Genres einzutauchen, mich wirklich umarmt zu fühlen von der Musik und in die jeweiligen Stimmungen einzutauchen. Wir sind natürlich alle sehr traurig, dass wir das jetzt gerade nicht live aufführen dürfen. Aber durch die CD gibt es für Freunde und Fans die Chance, dass wir ins Haus kommen. Da kann man sich dann schön auf die Couch legen, ein Glas Wein trinken und sich in die Atmosphäre "hineinbeamen".

Alles auf dem Album ist Berlin gewidmet: "Berlin, Du bist mein Publikum" singen Sie im Lied von Willi Kollo, später dann auch noch "I left a little suitcase in Berlin". Wie ist das bei Ihnen ganz persönlich mit dem "Koffer in Berlin"?

Ich habe meine ersten zwei Jahre, in denen ich auf der Bühne stand, in Hamburg verbracht. Dann aber hat es mich ganz schnell nach Berlin gezogen und ich bin von Berlin nie wieder losgekommen und möchte es auch nicht, weil ich hier wunderbare Freunde habe. Darüber habe ich die Stadt sehr gut kennengelernt, habe mich in die Stadt verliebt, mag den Berliner Witz, den Berliner Humor und die Menschen, die in dieser Stadt leben. Von daher ist diese Platte auch eine Liebeserklärung an Berlin.

Das Interview führte Hans Ackermann, Inforadio

Sendung: Inforadio, 13.11.2020, 08:55 Uhr

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