Archivbild: Die schwedische Band Psycho Punch spielt auf der Bühne des Wild At Heart in Berlin Kreuzberg ein Live-Konzert. (Quelle: imago images/Seeliger)
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Video: Inforadio | 19.11.2020 | Hendrik Schröder | Bild: imago images/Seeliger

Streaming-Tipp | Wild at Heart Berlin - Punkrock hinter Moltonteppichen

Das Wild at Heart in Kreuzberg ist weltweit bekannt für seine wilden Live-Konzerte. Die werden auch in der Pandemie fortgesetzt. Ohne Publikum, aber mit voller Lautstärke. Von Hendrik Schröder

Rock'n'Roll, Rockabilly, Punkrock - dafür steht das Wild at Heart in Berlin seit vielen Jahren. Zu normalen Zeiten laufen manchmal drei oder vier Konzerte pro Woche. Dann stehen zwischen 50 und ein paar hundert Leuten schwitzend vor der Bühne, Bier fließt, die Gitarren sind verzerrt, manchmal wird es so wild, dass das Kondenswasser von der Decke tropft.

Das wird bei den Streaming-Konzerten, jeden Donnerstag ab 20 Uhr mit wechselnden Bands, wohl nicht passieren. Aber heftig bleibt es. Auch wenn es jetzt Berliner Bands aus dem Kiez sind, die auf der Bühne stehen, statt Szenegrößen aus der ganzen Welt, wie vor der Pandemie.

Bier und Burger als Gage

Denn auch das abgespeckte Programm mit lokalen Bands ist interessant. Und die Bands haben richtig Lust, sagt Wild-at-Heart-Betreiber Uli: "Alle wollen spielen, auch für umsonst, auch ohne Publikum, die Bands wollen alle wieder auf die Bühne".

Am 19.11. spielen Banana of Death, die Woche darauf die Cats on Peacocks und später im Dezember noch Uppercuts. Die Musik der Bands klingt genau so, wie die Bandnamen es versprechen: schnell, hart, aggressiv. Alle Bands spielen zwei Live-Sets pro Abend, in der Pause dazwischen gibt es ein ungeschnittenes Interview vom Vorabend. Die Musiker kommen für Bier und Burger, Gagen gibt es nicht, weil niemand mit den Streams verdient. Für Bildregie, Technik, Kamera fanden die Clubmacher Freunde, die einfach Lust hatten, etwas zu starten. Alles im Do-it-yourself-Notfall-Modus. Den Ton macht Uli selbst, wie auch sonst bei den richtigen Konzerten. Einen leeren, halligen Laden zu beschallen mit einem Sound, der eine gewisse Lautstärke braucht, um zu funktionieren, ist gar nicht so einfach, sagt Uli: "Wenn nur das Bild gut ist, aber der Ton scheppert, dann schalten die Leute nach 30 Sekunden ab, deswegen habe ich den ganzen Laden mit Moltonteppichen abgehängt und es relativ schalltot gemacht. Für den guten Sound werden wir eigentlich oft gelobt."

Live-Stream-Mitschnitt: Heavy Heavy am 12.11.2020 live aus dem Wild At Heart

Schattenboxen mit Gitarre

Uli ist selbst Musiker und Frontmann der Band Church of Confidence - und eines gibt er zu: So ein Streaming-Konzert ist für die Künstler eine seltsame Sache. Aber auch eine schöne Herausforderung. "Es ist wie Schattenboxen", meint er, "man spielt in so ein schwarzes Loch hinein und das ist viel anstrengender als ein normales Konzert, weil man sich viel mehr verausgabt".

In jedem Fall sind die Donnerstags-Streams aus dem Wild at Heart ein Lebenszeichen, der Clubs, der Szene, der Bands - und auch ein bisschen eine Selbstvergewisserung: Hallo! Wir sind noch da. Und für die Bands wenigstens eine Plattform, sich auch im Lockdown mit vollem Einsatz ein paar neue Fans zu erspielen.

Bis auf Weiteres streamt das Wild at Heart jeden Donnerstag ab 20 Uhr ein Live-Konzert. Das gesamte Programm finden Sie auf wildatheartberlin.de, die Streams auf Facebook und Youtube.

Beitrag von Hendrik Schröder

1 Kommentar

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  1. 1.

    Sehr gute Aktion des Wild at Heart. Ich wünsche dem Verantstalter und den Künstlern alles Gute.

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