Das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (Quelle: imago images/Christian Behring)
Audio: Inforadio | 17.11.2020 | Maria Ossowski | Bild: imago images/Christian Behring

Keine Saalmiete - Wie das Konzerthaus Berlin die Freie Szene unterstützt

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt bietet Musikern der Freien Szene seine Säle im kommenden Jahr für zwei Monate kostenlos an. Auch die Ticketeinnahmen dürfen die Ensembles behalten. Ein Vorbild für andere? Von Maria Ossowski

Ob Jazzmusiker oder klassische Ensembles, ob Weltmusiker oder DJs mit einem Faible für Klassik, ob Chöre oder Kammermusik: Ihnen allen bietet sich die Möglichkeit, im Februar und März 2021 im Konzerthaus am Gendarmenmarkt aufzutreten. Mit der Aktion "Freie Räume für Freie Szene" stellt das Konzerthaus mehrere Bühnen mietfrei zur Verfügung. Kapazitäten gibt es unter anderem wegen pandemiebedingter Absagen.

Am 4. Februar könne voraussichtlich das erste Konzert stattfinden, kündigte Intendant Sebastian Nordmann an. Zehn Veranstaltungen sollen es demnach im Februar werden, im März kämen dann in der "Black Box" im Werner-Otto-Saal zweimal eine Woche hinzu. Dort könnten inszenierte Konzerte erst geprobt werden und dann zur Aufführung kommen, so Nordmann: "Wir alle wollen dafür Sorge tragen, dass es nach der Corona-Zeit genauso viele Künstlerinnen und Künstler noch gibt - und darum müssen wir uns jetzt kümmern und nicht erst danach."

Die Ticketeinnahmen gehen an die Künstler

Voraussetzung: Das Konzerthaus darf wieder öffnen, sonst schieben sie dieses Festival der Freien Szene auf einen späteren Zeitpunkt. Das Haus am Gendarmenmarkt stellt den Künstlern laut Nordmann nicht nur Bühne und technisches Personal zur Verfügung: "Sie dürfen am Schluss auch die Ticket-Einnahmen behalten."

100.000 Euro verliert das Konzerthaus dadurch allein an Mieteinnahmen. Da das Land Berlin es finanziert, musste der Kultursenator zustimmen. Gerald Mertens, der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), sieht in der Initiative des Konzerthauses ein Signal für ganz Deutschland, für viele Theater und Konzerthäuser. Das sei weit mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nicht jedes Haus kann einfach auf die Saalmiete verzichten

Üblicherweise würden für eine Veranstaltung 20 bis 25 Prozent Saalmiete einkalkuliert, erklärte Mertens: "Wenn das Konzerthaus oder auch andere Veranstalter befristet auf die Saalmiete für freie Ensembles verzichten, wäre das für diese schon eine erhebliche Erleichterung, wenn man ein Fünftel bis ein Viertel des Etats nicht zahlen müsste, sondern das für die Bezahlung der Musikerinnen und Musiker zusätzlich einsetzen könnte."

Kompliziert wird es, wenn ein Veranstaltungshaus mehr als einen Träger hat. Die Berliner Philharmoniker beispielsweise müssten nicht nur beim Bund und im Land die Erlaubnis einholen, sondern vor allem bei ihrer eigenen Stiftung, denn sie finanzieren sich mit 60 Prozent über die gerade entfallenden Ticketeinnahmen. Sie bieten deshalb dem hoch bedrohten Mahler Chamber Orchestra und dem Chamber Orchestra of Europe ihre Säle für professionelle Aufnahmen an.

Bewerbungen noch bis 4. Dezember

Gerald Mertens weist auf eine weitere Einschränkung hin. Teilweise seien Säle an kommerzielle Betreiber oder GmbHs verpachtet. "Aber dort, wo kommunale Säle in direkter öffentlicher Trägerschaft sind, wäre es möglich dem Vorbild des Konzerthauses Berlin zu folgen", so der DOV-Geschäftsführer.

Bis zum 4. Dezember können sich professionelle und semiprofessionelle Musikerinnen und Musiker beim Konzerthaus unter konzerthaus.de/freiraum bewerben. Eine Fachjury entscheidet, wer im Februar und März keine Miete fürs Konzerthaus zahlen muss.

Sendung: Inforadio, 17.11.2020, 16:55 Uhr

Beitrag von Maria Ossowski

1 Kommentar

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  1. 1.

    Solche Weg braucht es. Und es ist gut, wenn jemand nicht nur drauf kommt, sondern das auch umsetzt. Danke!

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