Ava Vegas (Quelle: Ava Vegas)
Audio: Inforadio | 17.11.2020 | Henrike Möller | Bild: Ava Vegas

CD-Kritik | Ava Vegas - Glamouröse Klang-Architektin

Eigentlich wollte Ava Vegas Architektin werden. Inzwischen entwirft die 29-jährige Berlinerin lieber musikalische Räume aus 80s, Chanson und New Wave. Ihr Debutalbum hat nur einen einzigen kleinen Wermutstropfen. Von Henrike Möller

Ava Vegas' erster Song entstand aus Langeweile. Ihr damaliger Freund – der Schweizer Musiker Dagobert - war auf Tour und sie allein in der gemeinsamen Wohnung in Berlin. Internet hatten die beiden keines. Warum also nicht eine Runde auf Dagoberts Kinderkeyboard rumklimpern? Eine halbe Stunde später war Ava Vegas' erster Song fertig. Und ihr erstmal eine Woche lang schwindelig: "Das war so ein Erweckungserlebnis. Ich glaube, ich hatte noch sie so ein ekstatisches Gefühl, wie als ich mein erstes Lied geschrieben hab."

Faszination für Räume

Ava Vegas wächst als Tochter eines Kulturwissenschaftlers im niedersächsischen Goslar auf. In ihrer Jugend nimmt sie Klavier-, Gesangs-, Ballett- und Tanzunterricht. Als sie mit 19 nach Berlin zieht, schwört sie den darstellenden Künsten aber erstmal ab. Ihre neue Leidenschaft: Innenarchitektur. Also beginnt Ava Vegas an der UdK in Berlin Architektur zu studieren: "Ich habe mich damals immer gefragt, wie manche Clubs und Restaurants es schaffen, dass dort so eine ganz besondere Stimmung entsteht, wie als wäre man in einem Film und ich habe das immer auf die Architektur zurückgeführt."

Vegas' Faszination für Atmosphäre im Raum zeigt sich auch in ihrer Musik. Ihr Sound ist körperlich und filmisch und macht eine ganz eigene Welt auf: eine nostalgische, glamouröse Welt aus 80s, New Wave und Chanson. Dass die Songs nicht aus der Zeit gefallen wirken, liegt einerseits an der ungewöhnlichen Percussion bestehend aus Klanghölzern und verschiedenen Trommeln, andererseits an den südlichen Rhythmen, die in einem anregenden Kontrast stehen zu Ava Vegas' tiefer, edler Stimme.

Nostalgisch und trotzdem modern

Auf Ava Vegas' Debütalbum gibt es auch einen deutschen Song. "Mein Mann" erzählt davon, wie Ava Vegas gutgelaunt und in Vorfreude auf einen entspannten Abend in ihre Lieblingsbar geht – die Berliner Kim Bar in der Brunnenstraße in Mitte – und da steht er plötzlich: ihr Exfreund. "Ich tanz für mich alleine, Drink in der Hand. Und tu so, als wären wir uns nicht bekannt. Das fällt mir leicht, dir scheinbar auch", singt Ava Vegas über glockenähnliche Keys und wirkt dabei verletzt und abgeklärt zugleich: "Und dann denk ich daran, du warst doch mal mein Mann." Ava Vegas fängt die emotionale Zerrissenheit dieses Moments sowohl musikalisch als auch textlich perfekt ein.

Und das ist tatsächlich der einzige Wehrmutstropfen an Ava Vegas‘ Debütalbum, dass es nur diesen einen deutschen Song gibt. Denn in ihrer Muttersprache versprüht Ava Vegas irgendwie noch mehr Zauber.

Beitrag von Henrike Möller

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Guter Tipp, danke. Hab mir mal vier Videos in der Röhre angehört: Angenehme Klänge und Rhythmen, die eher leicht, aber nicht seicht daher kommen und weder belanglos noch abgedroschen wirken. Die souveräne Stimme trägt einen guten Teil dazu bei. Inhaltlich geht's zumindest in den gehörten vier Liedern nur um das gute alte 'Du-und-ich'-Themenfeld - aber warum auch nicht. Nette Bilder gibt's dazu, teils witzig, teils eher cool. Fr Vegas dreht mondän in Island, in der Berliner Partnerstadt L.A. - und natürlich offenbar in Berlin selbst, wie ich dem Artikel entnehme. Mal schauen, ob ich als jmd, der selbst ohne Viren sehr selten in Klubs (oder heißt das wieder Bars?) geht, nochmal was von ihr höre. Vllt mal wieder radioeins einschalten.

Das könnte Sie auch interessieren