Villa Aurora (Quelle: Mirko Lux)
Audio: Inforadio | 02.12.2020 | Ute Büsing | Bild: Mirko Lux

25 Jahre Villa Aurora im Live-Stream - Schlösschen am Pazifik und lebendige Begegnungsstätte

Die Künstlerresidenz Villa Aurora - gelegen in Kalifornien und mit Büro in Berlin - hat am Dienstag ihren 25. Geburtstag gefeiert. Coronabedingt wurde das "deutsche Kulturdenkmal des Exils" digital gewürdigt. Von Ute Büsing

"Wer klingelt, wird reingelassen": Dieser Satz steht für das Exil in den USA, das vor der Nazi-Diktatur Geflohene, wie das Ehepaar Lion und Marta Feuchtwanger, in Anspruch nahmen. Und auch für die Villa Aurora, ein internationales Künstler-Programm im transatlantischen Austausch und offen seit 25 Jahren für deutsche Stipendiaten. Viele mit Rang und Namen im deutschen Kultur- und Kunstbetrieb durften hier schon ein Stipendium in Anspruch nehmen. Einer der ersten war 1995 der Schriftsteller Heiner Müller. Er war auf Einladung der Getty-Foundation in Los Angeles, jedoch so schlecht untergebracht, dass er in der gerade frisch renovierten Villa Aurora unterkam - und hier Peter Sellars kennenlernte.

Solche Anekdoten bereichern die knapp zweistündige Gala zur Feier des 25. Geburtstags der Künstlerresidenz Villa Aurora im kalifornischen Pacific Palisades. Gewidmet ist die Gala am Dienstag dem Anfang des Jahres verstorbenen SPD-Politiker Freimut Duve. Als Vorsitzender des Bundestags-Kulturausschusses hatte sich der Freigeist vehement für die Einrichtung der transatlantischen Begegnungsstätte mit Lotto-Geldern und Bundesmitteln eingesetzt. Heute wird sie vom Auswärtigen Amt und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Unter anderem die Stipendienvergabe für den Verein "Villa Aurora & Thomas Mann House" wird aus einem Office in Berlin gesteuert.

Lebendiger Austausch

Marta Feuchtwanger lebte bis zu ihrem Tod 1987 in dem mediterranen Schlösschen am Pazifik. 1943 hatte sie es mit Lion Feuchtwanger für sich und offene Exilgesellschaften mit Thomas und Katia Mann, Bert Brecht, Charlie Chaplin und Charles Laughton entdeckt und für 9.000 Dollar erworben. Ein Film mit kleinen Einspielern von Marta Feuchtwanger lädt zu einem Rundgang durch die Villa Aurora ein, wo heute noch 22.000 Bände der Feuchtwanger-Originalbibliothek lagern.

Die Journalistin Marianne Heuwagen, lernte Marta Feuchtwanger, die "Ikone des Exils", noch persönlich kennen und trug wesentlich mit dazu bei, das aus dem baufällig gewordenen Haus 1995 eine Künstlerresidenz wurde. Sie rekapitulierte den Werdegang der Begegnungsstätte und die nicht immer einfachen Verhandlungen mit dem Bund und Berlin. Beinahe wäre ein "Deutsches Haus" daraus geworden.

Lion und Marta Feuchtwanger (Quelle: Feuchtwanger Memorial Library USC)Lion und Marta Feuchtwanger

Neuanfang der transatlantischen Liebesbeziehungen

450 Stipendiaten waren in der Villa Aurora seither zu Gast. Eine davon, Uljana Wolf, inspirierte der sprachliche Grenzgang zu doppelbödigen Gedichten. Und auch ihre Essays, die bald unter dem Titel "Etymologischer Gossip" bei Kook-Books veröffentlicht werden, sind noch von den einschneidenden Erfahrungen in der Villa Aurora inspiriert, wie sie berichtete. Und die Kulturwissenschaftlerin Heike Paul, die im 2018 unter das Stiftungsdach aufgenommen Thomas-Mann-Haus, ebenso in Pacific Palisades beheimatet, die Begegnung suchte, plädierte in ihrer "Rede zur Lage der Nationen" für einen Neuanfang der transatlantischen Liebesbeziehungen.

Nachtschatten über L.A.

Als "Excellent Fellow" war auch der Berliner Komponist Helmut Oehring Anfang des Jahres zu Gast auf den Hügeln von Pacific Palisades. In düsteren Klängen für das Adumá Saxophonquartett und Susanne Kohnen am Theremin verdichtet er in "Aurora" (aus: "Nachtschatten") seine Los Angeles-Erfahrungen mit dem "zerbrechlichen Homeless-Tanzplatz", wo "die Ärmsten wie die Reichsten im Exil" sind. Oehring widmete seine Komposition sowohl den Ureinwohnern des hübschen Fleckens am Pazifik, wie der Black-Lives Matter-Bewegung und auch dem 100-jährigen Komponisten und Kritiker Walter Arlen, der die Feuchtwangers wie andere Exilanten in Los Angeles gut kannte. Während seines Aufenthalts in der Villa Aurora hatte Oehring den Exilanten Arlen getroffen.

Zum Ende der Gala wird es noch einmal sphärisch: Der für seine Klanginstallationen bekannte DJ Pantha du Prince, aka Henrik Weber, gratuliert mit einem 40-minütigen Set - aus den brandenburgischen Wäldern.

Beitrag von Ute Büsing

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