Beatsteaks bei einem Konzert in Erfurt 2017 (Bild: dpa/Michael Kremer)
Audio: Inforadio | 11.12.2020 | Hendrick Schröder | Bild: dpa/Michael Kremer

Neue Beatsteaks-EP "In the Presence of" - Von nun an geht's bergauf

Die Beatsteaks sind zurück. Nach einem Jahr Bandpause erscheint am Freitag die neue EP "In the Presence of". Hendrik Schröder hat sich die Songs angehört und mit den Berlinern über den Entstehungsprozess gesprochen.

Ein Jahr lang keine Konzerte, seit drei Jahren keine Platte mehr. Es war zuletzt still geworden um die Beatsteaks - und das war Absicht. Kreative Pause. Eigentlich wollten die Berliner dann im Frühling dieses Jahres wieder loslegen mit Shows zum 25. Bandjubiläum. Aber die Pandemie machte alle diese Pläne zunichte.

Also begannen die Beatsteaks an neuen Songs zu schreiben, aber es habe einfach nicht klappen wollen, erzählt Bassist Torsten Scholz: "Eigene neue Songs zu schreiben ist für uns wahnsinnig schwer, wenn wir so lange nicht zusammengespielt haben. Wir haben das probiert. Jeder hat was gemacht und den anderen geschickt, aber das war alles nicht gut. Wir müssen von einer Tour kommen und dann alle zusammen im Proberaum stehen, dann können wir eine Platte schreiben, aber nicht so". Also was tun? Im Sommer kamen sie dann auf die Idee, ein paar Cover-Songs einzuspielen und wenigstens eine EP zu machen.

Songs aus weiblicher Perspektive

Dass alle sechs Songs auf "In the Presence of" im Original von Frauen gesungen wurden, sei dabei zwar kein Zufall, aber als politisches Statement sei es auch nicht gemeint, sagt Basser Torsten. Es habe sich einfach so ergeben und alle fanden die Idee cool, dass Sänger Arnim (und bei einem Song auch Gitarrist Peter) mal Texte singe, die eigentlich aus der Perspektive von Frauen geschrieben sind. Kulturelle Aneignung haben ihnen da einige schon vorgeworfen, nachdem die ersten zwei Songs vorab als Videos veröffentlicht wurden. Dabei sind die Cover viel mehr als Verneigung gemeint gewesen vor den großen Originalen.

Der gleichförmige Song "Monotonie" von Ideal bekommt dabei in der Beatsteaks-Version etwas regelrecht Beschwingtes und Lustiges, "Glory Box" von Portishead bleibt ziemlich nah am Original und kitzelt den gleichen süßen Schmerz hervor wie bei der Version der Band aus Bristol. Der Kracher ist aber "Von nun an ging's bergab" von Hildegard Knef. Lässig und selbstironisch nachgespielt - und zwischendurch krachen dann ordentlich die Beatsteaks-typischen Gitarren durch.

Die neue alte Rolle des Produzenten

Außerdem stehen Songs von the Velvet Underground, Lesley Gore ("You Don't Own Me" von 1964, ein Song über das neue Selbstbewußtsein junger Frauen, den der "Spiegel" einen "frühen Feminismusklassiker" nannte) und der US-Riotgrrrl-Band L7 auf der Trackliste. Um die insgesamt sechs Titel aufzunehmen, sind die Beatsteaks das erste Mal seit vielen Jahren wieder in ein Studio gegangen und haben mit einem Produzenten zusammengearbeitet, statt im eigenen Proberaum aufzunehmen und alles selbst zu machen.

Produzent Moses Schneider habe dabei einen großen Einfluss auf den Sound und auch auf die Arbeitsweise gehabt, sagt Bassist Torsten, es sei genau der Input und der Kick gewesen, den die Band nach einem ganzen Jahr ohneeinander gebraucht hätte. Dass einer sagt: Jetzt spiel das mal so und so. Und dann wird das so gemacht. Die Aufnahmen sind dabei trotz High-Class-Studio schön direkt und schnörkellos. Es bleibt eine seltene Kunst: Songs so nachzuspielen, dass sie nach einem selbst klingen - und gleichzeitig trotzdem nach dem Original. Die Beatsteaks können das.

Sendung: Inforadio, 11.12.2020, 6:55 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Vielen Dank für die Erklärung. Früher haben wir dann Maxi-Single dazu gesagt, obwohl darauf manche Songs nur etwas länger waren.
    Aber so klingt EP natürlich interessanter :-)

  2. 4.

    Super erklärt! Bestimmt auch ein "Erdölscheibenfan" :-) .

  3. 3.

    EP stammt aus der Schallplattenzeit = Extended Play, statt bei Singles 45 RPM (Umdrehungen/Minute) verwendete man nur 33 RPM.
    Durch ein langsameres Tempo hatte man mehr Platz auf der Rille.
    Singles (7") und Maxi-Singles (12" oder 10") wurden meistens mit 45 RPM gepresst für besseren Sound.
    Früher wurden Singles die mehr Tracks haben sollten (EPs), mit einer Abspielgeschwindigkeit 33 RPM gepresst.
    Da LPs generell mit 33 RPM hergestellt wurden, nannte man die o.g. EP-Single mit 33 RPM also Mini-LP oder EP.
    Die EP ist also ein Mini-Album oder eine Single mit mehr Tracks.
    In der heutigen CD- und Download-Ära ist er Begriff "EP" Quatsch.
    Für Release-Firmen ist natürlich das Format EP statt Single, oder EP statt LP, wichtig. Denn eine EP ist kein Voll-Album aber könnte eine Singleveröffentlichung mit mehr Tracks sein. Eigentlich nur wichtig für die Diskografie.

  4. 2.

    Eine Veröffentlichung, die mehr Songs als eine Single, aber weniger als ein Album enthält. Meistens 5-7 Titel.

  5. 1.

    Was ist denn bitte eine "EP" ?

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