Reaktion auf Kritik einer Tänzerin - Staatsballett Berlin will nach Rassismus-Vorwürfen Programm überarbeiten

Symbolbild: Romeo und Julia von William Shakespeare am Staatsballet in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin Mitte. (Quelle: imago images/U. Maurer)
Bild: imago images/U. Maurer

Nach Vorwürfen einer Ballerina will das Berliner Staatsballet "überholte und diskriminierende Aufführungsweisen" aufdecken und neu bewerten. Die schwarze Tänzerin hatte unter anderem kritisiert, sie habe sich für den "Schwanensee" weiß schminken müssen.

Nach Bekanntwerden von Rassismusvorwürfen aus dem Ensemble will das Staatsballett Berlin sein Programm überarbeiten. "Überholte und diskriminierende Aufführungsweisen" sollen demnach aufgedeckt und Traditionen neu bewertet werden, erklärte das Ballett am Montag auf seiner Website. "Wir sind uns bewusst, dass das Ballettgenre People of Color im Laufe seiner Geschichte marginalisierte." Die Compagnie wolle auch ein Spiegel der Gesellschaft sein. Das Repertoire müsse Diversität abbilden.

Schwarze Tänzerin: Musste mich für "Schwanensee" weiß schminken

Im Oktober waren Vorwürfe der Französin Chloé Lopes Gomes bekanntgeworden. Sie habe wiederholt rassistische Kommentare von der Ballettmeisterin gehört. "Sie sagte, das Staatsballett hätte mich nicht engagieren sollen, weil ich eine Schwarze bin", sagte die Ballerina im "Tagesspiegel". Eine Schwarze in einem "Corps de ballet" sei nicht ästhetisch, nicht homogen. Für eine "Schwanensee"-Vorstellung sei sie aufgefordert worden, sich weiß zu schminken.

Die Interims-Intendantin des Berliner Staatsballetts Christiane Theobald stritt den Vorfall gegenüber rbb ab. "Der Vorfall ist mir so überhaupt nicht bekannt. Den hat es auch so gar nicht gegeben", sagte sie im November. Dennoch wies sie die Rassismus-Vorwürfe gegen ihr Haus nicht komplett von der Hand: "Ich glaube, dass es hier Alltagsdiskriminierung genauso gibt wie in der Gesellschaft draußen und wir uns alle auch selber fragen müssen und sensibilisieren müssen: Sind wir in unseren Verhaltensweisen bewusst genug, dass es keine Diskriminierung gibt? Und all das müssen wir jetzt angehen."

Vorfälle zeigen, es fehlt die nötige Kompetenz

Das Staatsballett erklärte nun, die Überzeugung, dass ein Ensemble mit 91 Tänzern und Tänzerinnen aus mehr als 30 Nationen ausreichend gegen Rassismus vorbereitet sei, habe sich als falsch erweisen. Die Vorfälle zeigten, dass es an der nötigen Kompetenz fehle, um mit Diskriminierung umzugehen. Derzeit laufe in der Compagnie eine auch extern unterstützte Untersuchung, um diskriminierendes Verhalten aufzudecken. In Vorbereitung seien Workshops und Seminare.

In der vergangenen Spielzeit hatten die beiden Ko-Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman das Staatsballett überraschend verlassen. Seitdem sei die Compagnie auf der Suche nach einer neuen Leitung. Dies sei auch eine Möglichkeit, das Staatsballett neu auszurichten
und eine geschützte Atmosphäre in Ensemble, Produktion und Verwaltung zu schaffen, hieß weiter in der Erklärung.

10 Kommentare

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  1. 10.

    Diskriminierungen jeglicher Art sind strikt abzulehnen.
    Ich spreche auch niemandem Diskriminierungserfahrungen ab.
    Aber dass man im konkreten Falle, wo die Faktenlage einigermaßen unkonkret ist (und den Punkt, dass sich im Theater entsprechend des künstlerischen Konzepts geschminkt werden muss, sehe ich nicht als Diskriminierung), das Recht hat, Fragen zu stellen, ist wohl selbstverständlich.

  2. 9.

    Ahemmm...der einzige mir bekannte Orangene wohnt in Washington im Weissen(!) Haus und ist Präsident.

  3. 8.

    Dies Überempfindlichkeit in Sachen Rassismus nervt immer mehr. Schwäne sind nun mal weiß, das hat die Natur so eingerichtet. Ein schwarzer Künstler kann nun mal keinen Schwan, Schneemann oder andere weiße Figuren darstellen ohne sich zu schminken. Seltsamer weise beklagte sich noch nie ein weißer Schauspieler, daß er sich schwarz schminken muß, wenn er den Othello spielen will. Diese Stück wurde schon millionenfach aufgeführt, ohne Klagen. Deutschland entfernt sich immer mehr vom normalen Menschenverstand.

  4. 7.

    An Hanefeld, Margit Earnest und Putzi:
    Sie sind weiß, oder? Falls ja: Bitte hören Sie endlich auf People of Colour (übrigens eine politische Selbstbezeichnung, Lothar G. Kopp) ihre Diskriminierungserfahrungen abzusprechen. Dazu haben Sie absolut kein Recht.

  5. 6.

    Das Staatsballett vereint Tänzer der verschiedensten Länder/ Kontinente, deren Hautfarbe keineswegs zu 100% weiß ist.
    Ihr Sarkasmus ist deshalb unangebracht.

  6. 5.

    Kostüm und Maske gehört nun einmal zu einer Theateraufführung - von jeher.
    Und irgendwie bleibt bei allem ein "Geschmäckle": Im x-ten Artikel wird der Tänzerin Raum gegeben.
    Doch ist sie nicht einfach nur clever?
    Mit 29 Jahren hat sie es nicht leicht, in einer Ballett-Kompagnie unterzukommen. Jetzt ist sie bekannt wie ein bunter Hund. Interessanterweise liest man nichts über die Gründe ihrer Kündigung. Aber in jedem Falle erhält sie nun Angebote von Kompagnien, die ihr "antirassistisches" Image aufpolieren wollen.

  7. 4.

    Schminken und Kostümieren gehören nun mal zum Ballett dazu. Auch Tätowierungen müssen überschminkt werden und es kann sich auch nicht jeder sein Kostüm selbst aussuchen. Es geht um ein ästhetisches Gesamtbild. Durch Berufung auf Diversity-Politik wird hier die Freiheit der Kunst angegriffen. Das ist der eigentliche Skandal.

  8. 3.

    Was soll denn so ein Unsinn? Die Diversitäts-Apologeten in Kultur und Gleichmacherei-Protagonisten in Medien sind wirklich wahre Gesellschaftszerstörer.
    Der Begriff POC ist - streng genommen - auch eine Diskriminierung, denn sie trennt alle sog. Farbigen (ein schrecklicher Ausdruck fehlenden Denkens!) von anderen Menschen.
    Noch ein Gedanke: Sind es nicht die antirassistisch argumentierenden Orangenen (so sind wir Weißen faktisch, das wird klar, wenn man sich mit einem weißen Blatt Papier vergleicht), die gegen Rassismus agieren, in Wahrheit deren Protagonisten? Sie perpetuieren das Rasse-Denken des 19. und 20. Jahrhunderts - und Medien machen unkritisch mit.
    Für mich gibt es nur eine menschliche Rasse. Unterschiede gibt es lediglich in Hautfarbe, Mentalität und Aussehen. Punkt. Sonst hört das nie auf.

  9. 2.

    Bei der "geschützten Atmosphäre in Ensemble, Produktion und Verwaltung" geht es dann vermutlich um den Schutz der weissen Mitarbeiter*innen vor Rassismusvorwürfen - die (einzige) Schwarze Tänzerin wurde ja bereits entlassen.

  10. 1.

    Schwäne sind nun mal weiß und Ballet-Kompanien mit durchweg farbigen Ballerinen wird ja auch weiß gekleidet bzw. geschminkt !

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