Kirill Petrenko (M), der neue Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, nimmt am Schluss seines Antrittskonzerts in der Berliner Philharmonie den Applaus des Publikums entgegen. (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 31.12.2020 | Maria Ossowski | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Livestream am Silvesterabend - Mit den Berliner Philharmonikern von zu Hause aus ins neue Jahr

Es ist normalerweise der krönende Abschluss des alten Jahres und ein festlicher Einstand ins neue: das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker. Dieses Mal ist der Konzertsaal leer - und dennoch können viele Menschen dabei sein. Von Maria Ossowski

Sonne, Spanien, Südamerika. Das klingt heiter, nach Aufbruch, nach Sommer-Glück. Aber in diesem Jahr ist das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker anders. Nicht nur, weil das Publikum im Saal fehlt. Der Chefdirigent Kirill Petrenko erinnert daran, dass gerade in jener Zeit, in der Spanien oder auch Südamerika vom Virus so gebeutelt waren und sind, die Stimmung hin und wieder melancholischer sein könnte. "Dieses Silvesterkonzert wird ein bisschen anders, es wird nachdenklicher, es ist wichtig, dass man ein bisschen Sensibilität zeigt. Es werden ein paar tristere Töne zu hören sein, als wir uns das immer beim Silvesterkonzert gewohnt sind."

Publikum im Saal wird es nicht geben, aber rbb Kultur überträgt das Konzert um 18 Uhr live im Radio und Arte im Fernsehen und per Video-Stream ab 18.35 Uhr.

Archivbild: Kirill Petrenko (M), der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, nimmt am Schluss seines Antrittskonzerts in der Berliner Philharmonie den Applaus des Publikums entgegen. (Quelle: dpa/B. Jutrczenka)
| Bild: dpa/B. Jutrczenka

Zum Konzertabend gehört das "Concierto di Aranjuez" von Joaquín Rodrigo mit dem phantastischen, sehr telegenen Stargitarristen Pablo Sáinz-Villegas. Für den Geiger und Orchestersprecher Stanley Dodds passt dieses berühmte Werk perfekt, wenn er sich an das Jahr 2020 und den ersten Lockdown erinnert. "Da erlebten wir einen großen Schock, Hoffnungslosigkeit und Trauer. Wenn wir das Gitarrenkonzert von Rodrigo spielen und den zweiten Satz, das ist das Lamentoso, das Lamentieren, das Klagen, glaube ich: Mehr kann man über die Trauer in diesem Jahr nicht sagen, als in diesem Satz zum Ausdruck kommt."

Für jeden Moment auf der Bühne, um zu musizieren, seien sie alle sehr dankbar. "Wir wissen, das ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Wir freuen uns, dass wir ein breites Publikum zu Hause erreichen können und hoffentlich ein bisschen Freude in die Silvesternacht mitgeben können", so Dodds.

Archivbild: Die Intendantin Andrea Zietzschmann nach der Pressekonferenz der Berliner Philharmoniker. (Quelle: dpa/C. Koall)
| Bild: dpa/C. Koall

Die Streicher sitzen mit einem Meter Abstand, normalerweise zwei an einem Pult, wer jedoch mehr Distanz wahren möchte, kann auch etwas weiter entfernt von den Kollegen und Kolleginnen sitzen. Die Bläser wahren 1,5 Meter Abstand.

Hinzu kommt, so Intendantin Andrea Zietzschmann, ein strenges Hygienekonzept. "Wir haben alle Musikerinnen und Musiker vor der ersten Probe getestet, es dürfen auch nur jene auf die Bühne, die einen negativen Test vorweisen können. Das gilt auch für das gesamte Personal hinter der Bühne und auf der Bühne, zum Beispiel für unsere Orchesterwarte und alle, die an der Produktion beteiligt sind. Das sind sehr strenge Auflagen, unter diesen können wir das aber umsetzen."

Archivbild: Der Eingang aus der Potsdamerstrasse der Berliner Philharmonie in Berlin. (Quelle: imago images/E. Contini)
| Bild: imago images/E. Contini

Den musikalischen Auftakt macht der Jubilar des Jahres: Beethovens "Leonoren-Ouvertüre Nr. 3" wird erklingen, auch sie entspricht den Gefühlen dieser Zeit, der Wechselhaftigkeit, aus dem Kerker zu kommen in die Erlösung.

Das könnte Sie auch interessieren

CTM 2021 Keyvisual (Quelle: CTM 2021)
CTM 2021

Kritik | CTM-Festival Berlin - Transformation auf allen Ebenen

Das CTM-Festival in Berlin lädt alljährlich dazu ein, experimentelle Musik sowie audiovisuelle Kunst aus aller Welt zu entdecken. In Clubs wird getanzt und diskutiert. Jetzt findet das Festival digital statt - geht aber über den einfachen Livestream hinaus. Von Nadine Kreuzahler